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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Feuilleton als Ort der Kunst. Die Kunstkritik wird auch als eine publizistische Textgattung des Feuilleton bezeichnet; diese Definition erfolgt mit dem Ziel einer Abgrenzung publizistischer Texte gegenüber Textgattungen, die nicht dem Massenmedium Zeitung angehören; die Trennung dieser Textgattungen von anderen Texten beruht auf dem formalen Kriterium des Erscheinungsorts. Eine Abgrenzung der Textgattung Kunstkritik aufgrund inhaltlicher oder Gehalts-Kriterien ist nicht Gegenstand der Arbeit. Die Forschungssituation in der Literaturwissenschaft tendiert zu einer Abgrenzung publizistischer Texte von traditionellen literarischen Textgattungen, die von den Literaturwissenschaften untersucht werden. So spricht Weissenberger von reinen Zweckformen der Publizistik und grenzt sie von der traditionellen literarischen Gattungsgliederung als Gebrauchstexte ab. Mit Belke lassen sich literarischen Gebrauchsformen innerhalb der Publizistik nach informierenden und wertenden Funktionen gliedern. (2) In der Publizistik hat sich als stilistisches Kennzeichen der Kunstkritik (und anderer im Feuilleton auftretender Textgattungen) der Begriff des Feuilletonismus oder feuilletonistischen Stils entwickelt, der als dem Zeitungsressort zugeordneter Begriff nicht zur Kennzeichnung dieser Textgattungen ausreicht; zum einen wurde der Begriff in der Publizistik weder in einen größeren literaturwissenschaftlichen Kontext gestellt noch von den Literaturwissenschaften als terminus technicus übernommen, zum anderen bietet der Stilbegriff Feuilletonismus innerhalb der publizistischen Textgattungen keine für die Kunstkritik (beispielsweise in Abgrenzung zur Literaturkritik) charakteristischen Bestimmungen. Eine Untersuchung literarischer Kennzeichen der Kunstkritik setzt bei der Unterscheidung publizistischer Textgattungen des Feuilletons ein. (3) Die Literaturwissenschaften haben das publizistische Spektrum der Gattungen des Feuillletons und ihre den Einzeltext übergreifende Prägung durch Medienbedingungen weitgehend vernachlässigt; zwar gab es von Sengle Ende der 60iger Jahre den Vorschlag, die literarischen Zweckformen einem erweiterten Literaturbegriff unterzuordnen, andererseits wurde dieser Erweiterung in den Literaturwissenschaften nicht weiter verfolgt, so daß nur vereinzelte Untersuchungen an ausgewählten Texten vorliegen. (4) In der Prosa-Forschung wurde die Stellung von publizistischen Texten und somit auch die der Kunstkritik, die Elemente von Kunstprosa und Gebrauchsprosa miteinander verbindet, bislang nicht erörtert. (5) Innerhalb der Rhetorik-Forschung ist die publizistische Literatur bislang weitgehend unberücksichtigt geblieben: das publizistische Spektrum der Gattungen, insbesondere des Feuilletons, und ihre medienspezifischen Bedingungen wurden vernachlässigt; lediglich anhand publizistischer Handbücher lassen sich methodische Parallelen zwischen Rhetorik und Publizistik als Bereich angewandter Rhetorik aufzeigen. (6) Aufbauend auf der klassischen Rhetorik-Theorie zur Kunstkritik, nach der die Kunstkritik eine literarische Kunstform bildet, sollen die zeitgenössischen Bedingungen, in denen Kunstkritik innerhalb des publizistischen Mediums existiert, als Ausgangspunkt einer Bestimmung rezeptioneller Kennzeichen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dienen. Die rhetorische Theorie der Kunstkritik, namentlich von Lausberg schematisch entwickelt, bildet den Ausgangspunkt der Arbeit, obgleich sie die medialen Bedingungen zeitgenössischer Kunstkritik unberücksichtigt läßt, denn sie geht von einem in dieser Arbeit als wesentlich angesehenen Charakteristikum der Kunstkritik aus: Mimisis als Prinzip künstlerischen Schaffens. Vgl.: Weissenberger: Prosakunst. 1985. S. 4.
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