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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Feuilleton als Ort der Kunst.


Die zeitgenössische Forschungssituation feuilletonistischer Kunstkritik ist bis heute - abgesehen von publizistischen Definitionen, praktischen Empfehlungen und journalistischer Selbstkritik - überwiegend historische Forschung. Der Begriff der feuilletonistischen Rezeption ist in dieser Arbeit in einer doppeldeutigen Funktion im publizistischen Kommunikationsprozess verwendet: zum einen "verarbeitet" der Kritiker das Kunstwerk zum publizistischen Stoff, zum anderen rezipiert der Leser das Kunstwerk in dieser publizistischen Form. Im Vorfeld der Auseindersetzung mit dem Text sollen die äußeren historischen und zeitgenössischen Bedingungen, unter denen publizistische Kunstkritik erscheint, dargestellt werden; diese sind in der rhetorischen Lehre als äußeres aptum mit der Gestaltung der Rede verbunden Innerhalb des rhetorischen Systems kommt dem methodischen Teil der Produktionsstadien der Rede, den rhetorices partes, die pragmatische Aufgabe eines idealtypischen Regelmodells zur Abfassung von Reden zu; es läßt sich jedoch auch als ein Analysemodell rhetorisch strukturierter Texte verwenden - dies soll der methodische Ansatz der folgenden Arbeit sein, die sich auf die Analyse der sprachlichen Gestaltung, der elocutio, konzentriert. Der Leitgedanke des Konzepts besteht darin, daß eine Textgattung, die rhetorischen Schmuck in umfangreichem Maße einsetzt und publizistischer Anspruch, Informationen zu vermitteln, sich gegenseitig zu einer speziellen Rezeptionsform des publizistischen Stoffs Kunst ergänzen; die Konstitution des Textes der Kunstkritik wird daher auf ihre typischen Merkmale, die sie als Textgattung kennzeichnen, untersucht und publizistische Bedingungen aufgezeigt, so daß literarische Kennzeichen dieser Gattung beschrieben werden können.

In der klassischen römischen Rhetorik-Theorie bilden neben den poetischen und praktischen Künsten die theoretischen Künste, zu denen die Betrachtung des Kunstwerks (inspectio) zählt, eine dritte Kunstform. (7) Lausberg hat diese Unterscheidung weiter ausgeführt und auf angewandte zeitgenössische Kritikformen schematisch übertragen (Literaturkritik, Kunstkritik, Sprachwissenschaften). Dieses idealtypische Schema berücksichtigt nur Aspekte der Kunstkritik, die im Rahmen der rhetorischen Theorie liegen, so daß es für eine empirische Untersuchung nur als theoretische Grundlage genutzt werden kann. Eine verbindliche Übertragung dieser von Lausberg geschaffenen Kritikformen auf zeitgenössische Kunstkritik erweist sich als nicht genügend komplex; sie würde den unterschiedlichen medialen Formen und publizistischen Bedingungen nicht gerecht werden. (8)

In ihrer schriftliche Form wie auch als mündlich vorgetragene Rede dient die Kunstkritik der Beurteilung des Kunstwerks durch die Kunst des Kritikers. Kritik kann die Form einer Kunstwissenschaft, die umfassende kulturkritische historische Gesichtspunkte berücksichtigt oder die Form einer die Kunst des einzelnen Kunstwerks bewertenden einfachen Kritik haben. Dementsprechend bedient sich die kunstwissenschaftliche Kritik der ästhetischen Kunst als Gegenstand ihrer Untersuchung, um kunstkritische Normen (leges) auf den künstlerischen Gegenstand anzuwenden, während die einfache Kritik (sententia) das einzelne Werk durch Kunstkenntnis beurteilt. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes sententia (= Meinung) weist auf die Subjektivität dieser Kritik hin, während mit dem Wort lex (=Gesetz) allgemeine Geltungsansprüche erhoben werden.

Zurück zum Text  7. Vgl.: Quintilian, Marcus F.: Ausbildung des Redners. Herausgegeben und übersetzt von Helmut Rahn. Darmstadt 1972 u. 1975. Bd. 2. 1972. 2, 8, 1.

Zurück zum Text  8. Vgl.: Lausberg: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. Stuttgart 31990. S. 113.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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