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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Feuilleton als Ort der Kunst.


Die Bildbetrachtung ist als visueller Vorgang innerhalb des Entstehungsprozesses einer Kunstkritik eine erste Auseinandersetzung mit den Inhalten eines Bildes, in der nach Ausführungen von Wölflin dem Betrachter eine selbständige Arbeit im Zusammenbauen des Bildes zugewiesen ist. Eine Bildbetrachtung der Malerei umfaßt das Erkennen des Bildgegenstandes und geht seiner Beschreibung und Bewertung voraus. In den zeitgenössischen Kunstkritiken der Tageszeitung ist die Bildbeschreibung ein der Bildbetrachtung verwandter Bestandteil; der Gegenstand wird beschrieben mit der Absicht, eine dem Bildinhalt entsprechende Angabe des Dargestellten zu machen. Als Redeform des genus demonstrativum kommt der Kritik "als Hauptfunktion das Lob der Schönheit" (11) zu, als deren Anlässe Ehre, Nutzen, Schönheit des Werks und der Urheber des Kunstwerks gelten. Da der Gegenstand der Rede ein bestimmbares Objekt (certum) ist, verlagert sich die Aufgabe des Redners in den Bereich der Darstellung von sinnlich Wahrnehmbaren und auf das Lob des sinnlich wahrgenommenen Gegenstands als schön (honestum) oder häßlich (turpe) mittels der "parteiischen Leitaffekte [...] bewundernde Liebe und verabscheuender Haß oder Verachtung". (12) Diese Leitaffekte bilden das Bindeglied zwischen dem visuellen Vorgang der Betrachtung und Bewertung und werden sprachlich im Lob oder Tadel des Gegenstands umgesetzt. Für die zeitgenössische Kunstkritik lassen sich verschiedene Formen der Wertung in der sprachlichen Gestaltung von bewertenden Attributen ("gut" / "schlecht") über direkte Vergleiche bis zu rhetorischen Stilmitteln aufzeigen.

Neben der auf das Kunstobjekt gerichteten Funktion des Lobes hat die Kunstkritik als Rede des genus demonstrativum eine selbstverweisende Funktion, "denn sowohl das virtuose Element (l"art pour l"art) als auch die Auswahl der Redegegenstände lassen das genus demonstrativum in die Nähe der Poesie rücken, von der es sich letztlich nur durch das Fehlen der metrischen Form unterscheidet." Die rhetorische Theorie geht davon aus, daß jede Argumentation bei der Frage nach der Eigenschaftlichkeit eines Dinges/Sachverhalts beginnt und dementsprechend auch ästhetische Wertungen beinhalten kann. (13) Aufbauend auf dem rhetorischen Grundsatz, daß es keine interessenlose Erkenntnis gibt, läßt sich die rhetorische Situationin der publizistischen Kunstkritik beschreiben als die sprachliche Fixierung visueller Eindrücke des Betrachters, um dem Leser das Kunstwerk zu vermitteln. Das Zusammenfallen von Beschreibung und Bewertung von Kunst leitet sich aus dem Gegenstand ab und hat in der Transposition vom Bild zum Text seinen Ursprung. Daraus erklärt sich in der Praxis der Kunstkritik eine enge Verbindung von Erkennen des künstlerischen Gegenstands und dessen Wertung, Kunstbetrachtung und Kunstkritik im engeren Sinne.

Zurück zum Text  11. Vgl.: Lausberg: Handbuch. 1990. S. 130 u. Quintilian: Ausbildung. 1972. 3, 7, 27.

Zurück zum Text  12. Vgl.: Lausberg: Handbuch. 1990. S. 131.

Zurück zum Text  13. Vgl.: Kopperschmidt, Josef: Methodik der Argumentationsanalyse. Stuttgart - Bad Cannstadt 1989. S. 15.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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