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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Feuilleton als Ort der Kunst.


Prägend für die neuzeitliche historische Entwicklung der Kunstkritik bis heute ist ihre Verknüpfung mit der Presse und ihre Einbindung in den Kunstmarkt, der unterschiedliche Institutionen der Kunstproduktion, Distribution und Rezension umfaßt. Das Verhältnis von Kunstkritik zu ihrem außersprachlichen Kontext, ihre Funktion im Kunstmarkt, ist als Rahmenbedingung der Kunstkritik für die Konstitution dieser Form der Kunstrezeption ebenso kennzeichnend wie das durch das Feuilleton geprägte Verhältnis zwischen Kritik als publizistischer Textgattung und Kunstwerk als publizistischer Stoff. (14) Kunstbetrachtung und Kunstwertung bilden in der Tageskritik die bedeutendsten Funktionen der Kunstkritik; die Berücksichtigung anderer Aspekte, die sich aus dem publizistischen Anlass ableiten, stellen eine thematische Erweiterung der zeitgenössischen Kunstkritik gegenüber der Theorie Lausbergs dar. Das publizistische Medium mit festgelegten formalen Richtlinien in Umfang und Inhalt der publizistischen Textgattung Kunstkritik ist ein weiteres Element der in der journalistischen Praxis erweiterte Kunstkritik:

     publizistischer Anlaß    (Ausstellung)   
publizistischer Stoff (Kunstwerk)   
publizistisches Medium (Feuilleton)   
publizistische Textgattung (Kritik)   
textkonstituierende Elemente zeitgenössischer Kunstkritik (äußeres aptum)

Zeitgenössische Kunstkritik unterliegt medialen Bedingungen, so daß eine Klassifizierung als Lobesrede ihrer kommunikativen Funktion nicht vollständig entspricht. Im Gegensatz zur Theorie ist die zeitgenössische Tageskritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht auf einen Gegenstand, das isolierte Bild, das sie betrachtet und wertet, reduziert, sondern dem publizistischen Anlaß, der Ausstellung, entsprechend auf eine Mehrzahl von Kunstwerken erweitert. Von den Anfängen der Kunstkritik in Journalen bis zur zeitgenössischen Textgattung Kritik ist die Ausstellung das aktuelle Bezugsmoment der Kritik. Neben direkten Auseinandersetzungen mit dem einzelnen Kunstwerk hat die heutige Kunstkritik die Aufgabe, nicht nur das einzelne Bild, sondern auch die Form seiner Präsentation zu bewerten und so verschiedene Informationen vom Einzelbild bis zur Werkauswahl der Ausstellung zusammenzufügen. (15) Der Redegegenstand in der zeitgenössischen Kunstkritik läßt sich somit nicht auf ein bestimmtes Kunstwerk eingrenzen, sondern ist erweitert auf verschiedene Gegenstandsbereiche, die sich aus dem publizistischen Anlass ableiten. Publizistischer Stoff und publizistischer Anlass sind die nicht-fiktive Grundlage der Textkonstitution der Kunstkritik.

Zurück zum Text  14. Als Aufgaben feuilletonistischer Kunstkritik führt Haacke die Charakterisierung auffälliger Merkmale des Kunstwerks und seine Beurteilung nach "aktuellen, gesellschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten" an und knüpft mit dieser Funktionsbestimmung an die rhetorische Theorie Lausbergs an. Vgl.: Dovivat, Emil (Hrsg.): Handbuch der Publizistik. Berlin 1969. Bd. III. S. 245.

Zurück zum Text  15. Die Frageformel, die sich auf den publizistischen Anlaß beziehen, lassen sich mit den elementa narrationis der römischen Rhetorik und den ihnen verwandten Lasswell-Formel beschreiben.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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