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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Natura. Die naturwissenschaftliche Literatur im 18. Jahrhundert.


Nicht viel anders verhält sich die Sache in deutschen Universitätsstädten wie Tübingen oder Göttingen. Zwei Jahre nach dem Erscheinen von Linnés Schrift wurde Reuss am 30. Juli 1750 in Rendsburg geboren. Im Jahre 1768 promoviert er in Tübingen mit der Abhandlung De natura et legibus studii in theologia Thetici aphorismos bei dem Theologen Georg Bernhard Bilfinger. Begriffe, die sich vom Wort natura ableiten lassen, sind auch in wissenschaftlichen Schriften aus Göttingen wie Hinweise auf eine geschichtliche Überlieferung aus den Gebieten Naturphilosophie und Naturrecht für die wissenschaftlichen Einzelfragen dieser Schriften zu verstehen. In der Schrift Ius naturae, die der Göttinger Professor Achenwall im Jahre 1781 in der siebten Ausgabe zusammen mit seiner Schrift Historia iuris naturalis litteraria veröffentlicht, wird das Naturgesetz (ius naturale) als eine Wissenschaft (scientia) der Naturgesetze (leges naturales) oder Naturrechte (iures naturalia) ausgewiesen: "Ius naturale est scientia legum naturalium externarum, seu est scientia iurium atque obligationum naturalium perfectarum." (10) Auch in den deutschsprachigen Rezensionszeitschriften werden zeitgenössische Schriften von Naturwissenschaftlern international bekannt gemacht. Dem Wirken von Reuss als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek in Tübingen verdanken wir die Namensnennungen von Autoren im dortigen Exemplar der Göttingischen Gelehrten Anzeigen. Diese von ihm den Rezensionen handschriftlich hinzugefügten Angaben über die Verfasser sind neben den sich lediglich auf vier Texte in diesem Rezensionsorgan belaufenden Anzeigen von ihm für Rückschlüsse über die anonym publizierenden Verfasser von Artikeln wertvoll. (11) Nicht zuletzt mit einem Blick auf dort erschienene Rezensionen von Editionen antiker Schriften des seit dem Jahre 1763 in Göttingen als Professor für Rhetorik und Poetik tätigen Christian Gottlob Heyne dürfte offensichtlich sein, daß man auch in naturwissenschaftlichen Publikationen an der Universität Göttingens an seit der Wissenschaft der Antike aufgeworfene Fragestellungen anknüpfte. Zu Ciceros Schrift Libri tres de natura deorum, die im Jahre 1797 in der Bearbeitung von Christian Viktor Kindervater herausgegeben wird, erscheint seine Rezension mit der Bemerkung "Eines der vorzüglichsten philosophischen Bücher von Cicero". (12) Hier finden wir auch eine weitere antike Quelle der Überlieferung des Begriffs Natur aus der Philosophie: Der Redner Cicero spricht im ersten Buch aus der Abhandlung davon, ohne Neid (invidia) die Meinungen der Philosophen (sententiae philosophorum) über das Wesen von Göttern mitzuteilen. (13) Auch Frank Hülsemanns Schrift Academica, seu academicorum veterum disputationes de natura et imperio cognitionis humanae aus Magdeburg wird von dem Gelehrten im Jahre 1806 rezensiert. (14) Heyne bespricht zudem neuere Schriften lateinischer Sprache wie Meleager Gadarenus´ Eclogae physicae historiam et interpretationem corporum et rerum naturalium continentes und Nemesius Emesenus´ Abhandlung De natura hominis, die von Christian Friedrich Matthaei in Halle veröffentlicht wird. (15) Im Jahre 1811 wird seine eigene Teiledition von Plinius´ Historia naturalis mit Auszügen über die Kunst herausgegeben. (16) Die Leitung der Sozietät Göttingens, der auch Heyne angehörte, war eine der Aufgaben von ihr gegenüber verpflichteten Professoren und beruhte nach Leo im Gegensatz zu den Sozietäten anderer Universitäten auf einer "in strenger Forschung ruhenden Philologie." (17) Reuss erschließt die Schriften ihrer Mitglieder in seinem Repertorium mit der Erfassung von bibliographischen Angaben. Diese Schriften werden den Kommentaren (commentationes) der akademischen Sozietät unter dem Sammelbegriff Naturwissenschaft (scientia naturalis) den Gebieten Astronomia, Botanica, Physica, Chemica, Historia naturalis, Zoologia und Oeconomia zuordnet. (18) Die Angehörigen dieser Sozietät setzten sich jedoch aus Vertretern aller Disziplinen zusammen. Ihre Schriften erfaßt Reuss nach den Fachgebiete ihrer Themen. Sieben Jahre nach seiner Berufung an die Göttinger Universität werden im Jahre 1789 im Vorwort von einem ihrer gemeinsamen Publikationsorgane, den Commentationes Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis, ihre Namen vom Herausgeber Heyne genannt. Neben ihm publizierten hier Abraham Gotthelf Kästner, Johann Christoph Gatterer, Albert Ludwig Friedrich Meister, Henrik August Wrisberg, Johann Andreas Murray, Johann Beckmann, Georg Christoph Lichtenberg, Christoph Meiners, Johann Friedrich Gmelin, Johann Friedrich Blumenbach und Ludwig Timothius Spittler. (19) Ihren seit dem Jahre 1769 in der jeweiligen Klasse (classis) einer wissenschaftlichen Disziplin veröffentlichen Schriften wurden die jeweiligen Bezeichnungen historischer Kommentar (commentatio historica), philologischer Kommentar (commentatio philologica), physikalischer Kommentar (commentatio physica) oder mathematischer Kommentare (commentatio mathematica) zugeordnet. Nach der Gründung der Universität war zunächst Albrecht von Haller für die Herausgabe dieser Commentationes verantwortlich. Seit ihrer ersten neuen Ausgabe im Jahre 1770 erfährt der Leser von seinem Nachfolger Heyne in den Vorworten Neuigkeiten über die Verfasser der Abhandlungen. Auch der Altphilologe gebraucht die Begriffe scientia naturalis und historia naturalis als Bezeichnungen für die Naturwissenschaft und Naturgeschichte. (20) In den Commentationes aus dem Jahre 1778 verweist eine Anmerkung Heynes, dessen zweite Tochter aus seiner ersten Ehe Reuss im Jahre 1796 heirate, bei den literarischen Gattungen auf die Gattung (genus) des Kommentars (commentatio):

Quod commentationis genus si vos non omni fructu carere videbitur, aliarum deinceps ex antiquitate civitatum, Magnae saltem Graeciae ac Siciliae, instituta et leges, quarum quidem memoria ad nos pervenit, pari cura et ratione recensebimus. (21)

Zurück zum Text  10. Achenwall, Gottfried: Ius naturae in usum auditorum. Göttingen 1781, S. 1.

Zurück zum Text  11. Vgl.: Fambach, Oscar: Die Mitarbeiter der Göttingischen Gelehrten Anzeigen 1769-1836. Nach dem mit Beischriften des Jeremias David Reuss versehenen Exemplar der Universitäts-
bibliothek Tübingen. Tübingen 1976, S. VIII-IX.

Zurück zum Text  12. GGA. 1797, S. 2075
.

Zurück zum Text  13. Cicero, M. Tullius: De natura deorum. Über das Wesen der Götter. Übers. und hrsg. von Ursula Blank-Sangmeister. Stuttgart 1989, S. 16.

Zurück zum Text  14. GGA. 1806, S. 1881-1886.

Zurück zum Text  15. GGA. 1801, S. 266-269 und 1802, S. 1351-1352.

Zurück zum Text  16. GGA. 1811, S. 121-123.

Zurück zum Text  17. Vgl. auch zur Sozietät in der Zeit Heynes die ausführliche Darstellung Leos anhand der Dokumente in den Novi Commentarii und des Briefwechsels ihrer Angehörigen: Leo, Friedrich: Heyne. In: Festschrift zur Feier des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. 3. Beiträge zur Gelehrtengeschichte Göttingens. Berlin 1901, S. 155-161. Zitat S. 156.

Zurück zum Text  18. GGA 1802, S. 1. 1802, S. 905. 1804, S. 1041-1042. 1805, S. 1081-1082. 1809, S. 1046-1047. 1810, S. 857-860. 1811, S. 1569-1570.

Zurück zum Text  19. Commentationes Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis ad a. MDCCLXXXVII et MDCCLXXXVIII. Vol. septimum. Göttingen 1789, S. XI.

Zurück zum Text  20. Heyne, Christian Gottlob: Historiae naturalis fragmenta ex ostentis prodigiis et monstris. Commentatio prior. In: Ders.: Opuscula academica collecta. Bd. 3. Göttingen 1788, S. 198-215. Zitat S. 208.

Zurück zum Text  21. Heyne, Christian Gottlob: Legum Locris a Zaleuco scriptarum fragmenta. Commentatio prior. In: Ders.: Opuscula academica collecta. Bd. 2. Göttingen 1787, S. 12-23. Zitat S. 13.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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