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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Natura. Die naturwissenschaftliche Literatur im 18. Jahrhundert.


Über Veröffentlichungen von naturwissenschaftlichen Beiträgen im Umfeld von anderen Universitäten lieferten auch die jeweiligen Publikationsorgane ihrer Fachdisziplinen einen Überblick. So gab die Leipziger Universität ihre Schriftenreihe zur Naturwissenschaft unter dem Titel Commentarii de rebus in scientia naturali gestis heraus. Die Beiträge der Ausgabe aus dem Jahre 1779 sind mit Schlagwortbegriffen für ihre Abhandlungen nach historischen Kriterien im index historicus, nach einem Index der Bücher und Beobachtungen (librorum et observationum) und einem Index für besondere Sachen (rerum specialis) aufgeteilt. Unter dem Schlagwort goettingensis sind im historischen Index Notizen über die diesjährigen Stiftungen des Königs, Nachrichten über den Botanischen Garten und die Lehre der Tiermedizin neben einer Auflistung der Namen von Mitgliedern ihrer Sozietät zu finden. Bei der Fülle von Publikationen zu den naturwissenschaftliche Themen behandelnden Forschungsgebieten stellte sich für die Organisationen von Wissen die Frage, wie sich die Schriften von Mitgliedern einer Universität in bibliographischen Einheiten erfassen lassen. Terminologie und Begriffe sind in wissenschaftlichen Abhandlungen einzelner Fachbereiche lediglich auf der Ebene der Fachbezeichnungen von Forschungsmaterial unterschiedlich. Ihre Bezeichnungen, die für Gattungsbezeichnungen ihrer Schriften herangezogen und in lateinischer Sprache verfaßt wurden, sind recht einheitlich. So enthalten Titel von Schriften in Sammelbänden Bezeichnungen wie Programm (programma) oder Kommentar (commentatio). Für die Einzelpublikationen eines Wissenschaftlers, die Schriften zusammenfaßten, waren die Bezeichnungen Werke (opera) oder Werkchen (opuscula) beliebt. In der Reihe der Göttinger Commentationes sind auch die Memorien (memoriae) und Elogien (elogia) für ihre Mitglieder den dort publizierten wissenschaftlichen Abhandlungen beigefügt. Lehr- und wissenschaftliche Schriften für die Lehre (doctrina) von Disziplinen tragen Bezeichnungen wie Abhandlung (dissertatio), These (thesis), Vorlesung (praelectio) oder Rede (oratio). Im Katalog des Repertoriums überwiegt jedoch die Bezeichnung Geschichte (historia) für wissenschaftliche Schriften. So wird von Reuss die Astronomia, die neben Schriften über Hilfsmittel, Beobachtungen und zeitlichen Berechnungen auch die Beiträgen zu ihrer Geschichte (historia astronomia) umfaßt, als eine zeitgenössische Wissenschaft ausgewiesen. (22) Göttingen erhält 1750, im Geburtsjahr von Reuss, eine Sternwarte. (23) Die Bewegung der Gestirne wurde hier auf der Grundlage von Physik und Mathematik von Tobias Meyer, Georg Christoph Lichtenberg, Heinrich Wilhelm Brandes und Abraham Gotthelf Kästner erforscht. Heyne rezensiert im Jahre 1800 eine anonym verfaßte Nachricht über den Merkur aus Göttingen, in der die Wahrscheinlichkeit und Zweifel an den Bewegungen dieses Planeten behandelt werden. (24) Im Repertorium besteht auch der überwiegende Teil der Forschung zur Botanik (botanica) aus Lobschriften (encomia botanices) und botanischer Geschichte (historia botanices). Neben Schriften über Methoden (methodi) und zur Erfassung von Gestalten der Pflanzen (species plantarum) dienen Arbeiten über das Studium und die Präparation von Pflanzen, zu botanischen Elementen (elementa botanica), Termini (termini botanici) und den nach Gattung (genus) und Spezies (species) die Objekte ordnenden Gattungssysteme (systemata plantarum) als Forschungsbeiträge. Literatur mit diesen Mitteln zur schriftlichen Darstellung ihrer Beobachtungen (observationes) und Beschreibungen (descriptiones), die mit Bildern (icones) ergänzt werden, dienen wie Publikationen ihre Geschichte (historia plantarum) zur Überlieferung von Wissen. Die Veröffentlichungen dieses Faches sind nach den Kriterien Ort, Art und Herkunft der jeweiligen Pflanzen aufgeteilt. (25) In Göttingen nutzten seit der Gründung der Universität Mediziner und Botaniker den Botanischen Garten für die naturwissenschaftlichen Studien. Für das Amt des Direktors wurden Vertreter aus den Reihen der Professoren ausgesucht. Auf dem Titelblatt von Johann Gottfried Zinns Catalogus plantarum horti academici et agri Gottingensis aus den Jahre 1757 befindet sich unterhalb der Abbildung dieses Gartens vor den Häusern der Stadt, an dem Passanten vorbeigehen, der Spruch Curarum dulce lenimen. (26) Der von Heumann entworfene Stich bildet auch das Theatrum anatomicum, Albrecht von Hallers Wohnung, den Marstall, die Universitätskirche und die Johanniskirche ab. Hallers Schrift Brevis enumeratio stirpium Horti Gottingensis aus dem Jahre 1793 enthält einen Index der dort wachsenden Pflanzen. In seiner Einleitung vom 8. August 1743 spricht er von der Anordnung der Pflanzen (ordo plantarum). (27) In Beiträgen zur Botanik dienten in der Reihe der Commentarii zur Illustration von Veröffentlichungen Göttinger Sozietätsmitglieder anatomische Zeichnungen, Tabellen, Graphiken und Tafeln. Hallers Abhandlung Genera et varietates cerealium erscheint als eine Rede (sermo) im 5. Band der Novi Commentarii im Jahre 1775 mit einem Appell an die jungen Naturfreunde, in dem er sie zum Fortsetzen seiner Arbeit aufruft:

Si ultra eas varietates aliae aliis in regionibus coluntur, bene erit, si juniores naturae amici, quibus otii viriumque plus est, hunc laborem suscipient, et ea, quae ego ad patrias species exposui, perfecisse volent. (28)

Zurück zum Text  22. Reuss, Jeremias David: Repertorium commentationum a societatibus litterariis editarum. Scientia naturalis. Tom. V. Astronomia. Göttingen 1804, S. V-VIII.

Zurück zum Text  23. Vgl. die historische Darstellung bei: Schur, Wilhelm: Beiträge zur Geschichte der Astronomie in Hannover. In: Festschrift zur Feier, S. 189-152, insbesondere S. 101-124.

Zurück zum Text  24. GGA. 1800, S. 681-684. Zitat S. 681.

Zurück zum Text  25. Reuss, Jeremias David: Repertorium commentationum a societatibus litterariis editarum. Scientia naturalis. Tom. II. Botanica et mineralogia. Göttingen 1802, S. V-VIII und S. III-VIII.

Zurück zum Text  26. Vgl. auch zur Geschichte des Botanischen Gartens der Göttinger Universität: Peter, Albert: Geschichte der Gründung und Entwicklung des botanischen Gartens zu Göttingen. In: Festschrift zur Feier, S. 263-289. Die beschriebene Abbildung des Gartens befindet sich auf S. 267. Vgl. auch das Titelblatt der Schrift Brevis enumeratio stirpium horti Gottingensis. (S. Fußnote 27).

Zurück zum Text  27. Haller, Albrecht von: Brevis enumeratio stirpium horti Gottingensis accedunt animadversationes aliquae et novarum descriptiones. Göttingen 1793, S. 2.

Zurück zum Text  28. Haller, Albrecht von: Genera species et varietates cerealium. Sermo I. Recitatus d. X. Dec. MDCCLXXIV. In: Novi Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis. Tom. V. Göttingen 1775, S. 1-23. Zitat S. 3.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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