fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Sappho oder vom Sprechen mit gebrochener Zunge


Das Werk Erläuterung auserlesener Oden Pindars für Anfänger und ungeübte Lehrer mit besonderer Rücksicht auf die Bildungsweise der Griechischen und Latinischen Sprache nach Hemsterhuis, Valckenaer, Lennep, Scheid" und des Verfassers eigenen Grundsätzen wird von Wilhelm Friedrich Hezel in Riga im Jahre 1805 veröffentlicht. In der Cantata, die beym ersten Auftritt des in Göttingen neu-errichteten Chori Musici Auf dem Saal des Tauf-Hauses am 29. Oktober des Jahres 1735 von Johann Friedrich Schweinitz aufgeführt wurde, singt der Chor der Musen über seinen eigenen Gesang:

Chor der Musen
Auf Schwester! auf hier last uns singen.
Hier ist ein neuer Helicon.
Hier sitzt Apollo auf dem Thron.
Hier kan ein Lied recht laut erklingen;
Durch Lufft und Feld, und Wälder
Dringen.
Hier ist ein neuer Helicon
Auf Schwestern! auf! hier last uns singen.
(24)

Als europäische Bewegung wurde die Odendichtung vor allem in der Renaissance, im Barock und in der Romantik bevorzugt. Die in der Ode ausgesprochene Klage wird auch in anderen Oden geäußert. In Lessings Übersetzung der Ode Ad Barinen des Horaz finden wir eine Beschreibung einer Frau, die nicht des Meineids Strafe -Häßlichkeit- trifft, sondern die durch falsche Gelübde schön wird:

Ode 8. Lib. II.
Hätte dich je des verwirkten Meineids Strafe getroffen; würde nur einer deiner Zähne schwarz; nur einer deiner Nägel häßlicher; so wollt ich dir glauben,

Kaum aber hast du das treulose Haupt mit falschen Gelübden verstrickt; so blühst du weit schöner auf, und trittst stolz einher, aller Jünglinge sehnlichstes Augenmerk.

Dir steht es frei, der Mutter beigesetzte Asche, die stillen Gestirne der
Nacht, und den ganzen Himmel, und alle unsterblichen Götter zu täuschen.

Venus selbst, wie gesagt, lachet darüber; die guten Nymphen lachen; es lachet der immer brennende Pfeile auf blutigem Wetzstein schleifende, strenge Kupido.

Noch mehr: nur dir reitet die Jugend alle, nur dir wachsen in ihr immer neue Sklaven auf; und noch können die Alten dich, ihre gewissenlose Gebieterin, nicht meiden, so oft sie es auch gedroht.

Dich fürchten die Mütter für ihre Söhne; dich fürchten die geizigen Alten; dich fürchten die armen nur erst verheirateten Mädchen, um deren Männer es geschehen ist, wenn sie einmal deine Spur finden
. (25)

Die Oden in Deutschland stehen im 18. Jahrhundert unter dem Einfluß der antiken Autoren. (26)

In Deutschland ist es Klopstocks Verdienst, das antike Odenmaß mit langen und kurzen Silben durch betonte und unbetonte Silben zu ersetzen. Der Ton der Klopstockschen Oden ist pathetisch. Als Klopstock am 14. März des Jahres 1802 in Hamburg starb, hinterließ er als Epiker, Lyriker und Dramatiker ein zwischen der Literatur des Barock und der Klassik angesiedeltes Werk. Klopstock stellt in seinem Epigramm Die veraltete Kritik die Richter der Olympischen Spiele denen vom heutigen Gelichter gegenüber: "Da scholl kein Lob, das euch erniedrigte, kein Tadel, der erhob." (27) Klopstocks Bedeutung als Kritiker der Dichtung und Dichter zur Rhetorik ist in zeitgenössischen Oden des Geniezeitalters zu sehen. Eine Metaphorik für die Rhetorik bei Klopstock leitet sich aus dem Vogelflug ab. In Wingolf aus dem Jahre 1747 spricht Klopstock im ersten Lied vom Fluge des deutschen Liedes:

"Willst du zu Strophen werden, o Haingesang?
Willst du gesetzlos, Ossians Schwunge gleich,
Gleich Ullers Tanz auf Meerkrystalle,
Frey aus der Seele des Dichters schweben?"
(28)
"Allein Geliebter, wenn du voll Vaterlands
Aus jenen Hainen kömst, wo der Barden Chor
Mit Braga singet, wo die Telyn
Tönt zu dem Fluge des deutschen Liedes."
(29)

Noch deutlicher ist die Anrufung an die Beredsamkeiten der deutschen Dichter des Hainbundes im zweiten Lied:

"Sing noch Beredsamkeiten! die erste weckt
Den Schwan in Glasor schon zur Entzückung auf!
Sein Fittig steigt, und sanft gebogen
Schwebet sein Hals mit des Liedes Tönen!"
(30)

In der Ode Bardale verkörpert der Bardale den Gesang:

"Einen fröhlichen Lenz ward ich, und flog umher!
Diesen fröhlichen Lenz lehrete sorgsam mich
Meine Mutter, und sagte:
Sing, Bardale, den Frühling durch!!
(31)

Wenn Klopstock im folgenden vom Blick der Fanny auf den Jüngling schreibt, treten hier synästhetische Elemente wie die Beredsamkeit der Augen:

"Eines Jünglings sie sah, der die Beredsamkeit
Dieser Augen, und euch fühlet, ihr Frühlinge
Dieser lächelnden Minen,
Und den Geist, der dies alles schuf!"
(32)

In der lyrischen Dichtung dient die Landschaft Klopstock in der Ode Unsere Sprache als Ort für das Zusammentreffen von römischen und nordischen Gottheiten. Das Gedicht Die Sprache, das an Karl Friedrich gerichtet ist, ist eine Beschreibung der Sprache, die eingangs als des Gedankens Zwilling bezeichnet wird. Hinter dem Enthusiasmus von Klopstock verbirgt sich, betrachtet man die Sprache dieser Oden, eine stilistische Form zum Ausdruck von Empfindungen, die sich direkt an den Leser wenden. In anderen Oden -paradigmatisch ist hier die Ode an die Sprache- verwendet Klopstock die Sprache als Leser seiner Werke. (33)

Zurück zum Text  24. Cantata. Beym ersten Auftritt des in Göttingen neu-errichteten Chori Musici Auf dem Saal des Tauf-Hauses aufgeführet Den 29. October 1735 von Joh. Fried. Schweinitz. O. S.

Zurück zum Text  25. Lessing, Gotthold Ephraim: Sämtliche Werke. Unveränderter photomechanischer Abdruck der Ausgabe von Karl Lachmann und Franz Muncher. Band 1. Berlin und New York 1989. S. 153-154.

Vgl. auch: Otto, Gertrud: Ode, Ekloge und Elegie im achtzehnten Jahrhundert. Frankfurt a. M. [u.a.] 1973.

Zurück zum Text  26. www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/ode.htm

Zurück zum Text  27. Friedrich Gottlieb Klopstock. Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Epigramme. Text und Apparat. Hrsg. von Klaus Hurlebusch. Berlin und New York 1982. S. 35.

Zurück zum Text  28. Klopstocks Werke. Erster Band. Oden. Leipzig 1798. S. 6.
Vgl. auch: Harmat, Márta: "Die Ordnung der begeisterten Einbildungskraft" in den deutschen und russischen Oden des 18. Jahrhundert. Vergleichende Analyse von Klopstocks u. Lomonosovs Oden. 1993. In: Germanistik und Deutschlehrerausbildung. Festschrift zum 100. Jahrestag der Gründung des Lehrstuhls für Deutsche Sprache und Literatur an der Pädagogischen Hochschule Szeged. Hrsg. von Csaba Földes. Pädagogische Hochschule "Gyula Juhász" (Szeged). Wien 1993. S. 185-197.

Zurück zum Text  29. Klopstocks Werke. 1798. O. c. S. 8.

Zurück zum Text  30. Klopstocks Werke. 1798. O. c. S. 10.

Zurück zum Text  31. Klopstocks Werke. 1798. O. c. S. 53.

Zurück zum Text  32. Klopstocks Werke. 1798. O. c. S. 56.

Zurück zum Text  33. Vietor bezeichnet in seiner Geschichte der deutschen Ode aus dem Jahre 1961 die enthusiastische Ode als eine Gattung, die Friedrich Gottlieb Klopstock einführte. Vietor, Karl: Geschichte der deutschen Ode. Hildesheim 1961. S. 110-112.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de