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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Sappho oder vom Sprechen mit gebrochener Zunge


Die Oden Klopstocks sind im 18. Jahrhundert nicht nur Lehrstoff. Unter den Oden als Gattung des Herrscherlobes ist Klopstocks Ode an den Kaiser zu nennen. Die Verwendung von Oden als Dichtungsgattung zur Darstellung alltäglicher Ereignisse mit biographischen Elementen ist kaum untersucht. Klopstocks autobiographische Oden der Fanny leiten die Anwendung der Ode als eine Darstellungsform für die Konversation zwischen Zeitgenossen neben den Oden mit Anrufungen von abstrakten Personen ein. Um das Jahre 1800 reichen diese ermahnenden Wirkungen in Oden von der Polemik bis zur Warnung. Johann Heinrich Voss ist Dichter und Übersetzer von Homer. Voss war Mitglied des Dichterbundes Der Göttinger Hain, den Klopstock in seinen Oden anspricht. Im Jahre 1775 gab Voss den Göttinger Musenalmanach heraus. Als Übersetzer von Homer hatte Voss besonders in den ersten noch nicht überarbeiteten Partien große Wirkung mit der Odyssee im Jahre 1781 und der Ilias im Jahre 1793. Von Voss erscheinen die Oden und Epoden von Horaz im Jahre 1806 in deutscher Übersetzung nach seiner Beilage zu den Oden und Elegien Zeitmessung der deutschen Sprache aus dem Jahre 1802. Für diese Gedicht mit Anrufungen von Zeitgenossen sind Oden von Voss an Goethe, Stolberg und Jacobi Beispiele. Es mag verwundern, daß ausgerechnet der Übersetzer antiker Werkes sich mit dem Verweis auf die Werke Goethes, Shakespeares und Klopstocks sich lobend der Dichtung der Gegenwart in seiner Ode an Göthe zuwendet. (34) Sprickermann verfaßt im Jahre 1776 die Ode An Klopstock. Klopstocks Ode An Bodmer ist formal ein Brief, ein Hinweis auf den regen Austausch zwischen literarischen Gattungen in dieser Zeit. Im Jahre 1808 erscheint die Vorlesung Klopstock von Karl Morgernstern als Druck. Für die Wirkungen Klopstocks auf Literaturkritiker zur Kunstliteratur ist Herder ein Beispiel. Herder bemerkt zu den Oden Klopstocks bereits im Jahre 1771:

"Wenn die Ode, selbst nach dem Begriff des kältesten Kunsrichters, nichts als eine einzige ganze Reihe höchst lebhafter Begriffe, ein ganzer Ausfluß einer begeisteretn Einbildungskraft, oder eines erregten Herzens, nichts als eine höchst sinnliche Rede über einen Gegenstand seyn soll: so müßten selbst für den, der bloß nach der Definition prüfte, die meisten der vorliegenden Oden vortreffliche Stücke und Muster in ihrer Art seyn." (35) Johann Joachim Eschenburg nennt in seinem Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften aus dem Jahre 1783 unter den lyrischen Hauptgattungen lyrische Gedichte, Ode und Lied. (36)

Die Ode wird nach Klopstock für die Überlieferung von gelehrten Wissen eingesetzt. In Herders Fragmente einer Abhandlung heißt es über die Ode "Je mehr sich die Lehren der ganzen Weltweisheit der Erfahrung und den subjectiven Begriffen des Seyns nähern: desto gewißer werden sie zwar, aber auch desto unerklärlicher; die Unzergliederlichkeit der Aesthetischen Grundsätze scheint eben so zu wachsen, je mehr sie zur Empfindung des Schönen absteigen." (37) Herder veröffentlicht ein Fragmente einer Abhandlung über die Ode. (38)

Jean Paul klassifiziert in der Vorschule der Ästhetik (2. Abt., XIII. Prog.) die Ode, den Dithyrambus, die Elegie, das beschreibende Gedicht als lyrischen Gattungen. (39) Christian Fürchtegott Gellerts Werksammlung Herrn Professor Gellerts Oden und Lieder nebst einigen Fabeln wird im Jahre 1759 veröffentlicht. Friedrich von Hagedorns Sammlung Oden und Lieder wird in Hamburg im Jahre 1747 veröffentlicht. Friedrich der Grosse schreibt in einer Ode an den Erbprinzen von Braunschweig seine Klage über die Rhetorik der Gegenwart: „So möchte es doch auf ewig mit der ganzen gottlosen Beredsamkeit gethan seyn; welche, um ein so schoenes Leben zu vergiften, den Weihrauch und die Lügen mit vollen Händen verschwendet, und es mit Verachtung anfüllet, worein es der Hochmut durch übertriebene Schmeicheleyen stürzet." (40)

Um 1800 lassen sich Oden der Antike, Oden zum Herrscherlob und Oden religiösen Inhalts unterscheiden. Über Sapphos Werk wird die Abhandlung A fragment of an ode of Sappho von Longinus Dionysius Halicarnassensis von Francis Henri Egerton im Jahre 1815 in Paris herausgegeben. Die Auswirkung von Literaturkritik im ausgehenden 18. Jahrhundert auf die bildende Kunst zeigt wechselseitige Einflüsse beider Kunstgattungen, die auch die Oden Klopstocks thematisiert. Von der Kritik der Dichtung, die in der Tradition der Beschreibung von Gemälden stehend den Vergleich von Dichtung und Malerei zwar aufgreift, jedoch auf die Gegenüberstellung und theoretische Vergleiche von beiden Kunstgattungen verzichtet, wird das Konzept von Affekten in der Dichtung anhand der handelnden Personen und der dargestellten Ereignisses aufgezeigt. Im Zuge dieser Art von Beschreibung, die poetische Eigenschaften anhand der Handlungen, Tugenden und Affekte der Personen veranschaulicht, wie auch mit der Übernahme von Kriterien der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Handlung werden die Gemälde als beschriebene Literatur eingesetzt. In Kritiken zur zeitgenössischen Kunst wird auf Klopstock hingewiesen.

Karl Marx beschreibt über der Ode im 19. Jahrhundert am Beispiel des Dichters Karl August Döring den Unterschied zwischen geistlichen Liedern, Oden und lyrischen Gedichten:

Karl August Döring, Prediger in Elberfeld, ist Verfasser einer Menge von prosaischen und poetischen Schriften; von ihm gilt Platens Wort: Sie sind ein wasserreicher Strom, den niemand bis zu Ende schwimmt. In seinen Gedichten unterscheidet er zwischen geistlichen Liedern, Oden und lyrischen Gedichten.Zuweilen hat er schon auf der Mitte des Gedichts den Anfang vergessen und gerät dann in ganz eigentümliche Regionen; von den Südseeinseln und ihren Missionären gerät er in die Hölle und von den Seufzern der zerknirschten Seele nach dem Eise des Nordpols.

Lieth, Vorsteher einer Mädchenschule in Elberfeld, Verfasser von Kindergedichten, die meistens in einer schon veralteten Manier geschrieben sind und keinen Vergleich mit denen Rückerts, Gülls und Heys aushalten können; doch finden sich auch einzelne hübsche Sachen darunter." (41)

Karl Marxs Abhandlung Der Ritter vom edelmütigen Bewußtsein erscheint als Broschüre im Januar 1854 in New York, deren MS etwa zwischen dem 21. - 28. November 1853 verfaßt wurde. Hier beschreibt er die Ode als Mittel der Sicherung einer Stimme:

"Warum", ruft das edelmütige Bewußtsein entrüstet aus, "warum hebt Herr Marx den Schneidergesellen hervor?" Ich hebe den Schneidergesellen nicht "hervor", wie z.B. der Edle bei Pieper "den Privatlehrer bei Rothschild" hervorhebt, obgleich Pieper seine Stelle bei Rothschild infolge des Kölner Kommunistenprozesses verlor und statt dessen die Mitredaktion am Organ der englischen Chartisten gewann. Ich nenne den Schneidergesellen einen Schneidergesellen. Warum? Weil ich seinen Namen verschweigen und doch Herrn Kinkel-Willich beweisen mußte, daß ich genau mit den Personalien ihres Emissärs bekannt war. Der Edelmut bezichtigt mich daher eines Hochverrats an sämtlichen Schneidergesellen und sucht ihre Stimmen durch eine pindarische Ode auf die Schneidergesellen zu sichern. Aus Schonung für den guten Ruf der Schneidergesellen verschweigt er großmütig, daß Eccarius, den er als einen der ausgestoßenen Böcke bezeichnet, ein Schneidergeselle ist, was den Eccarius bisher nicht daran verhindert hat, einer der größten Denker des deutschen Proletariats zu sein und durch seine englischen Artikel im "Red Republican", in den "Notes to the People" und in den "People"s Paper" sich eine Autorität unter den Chartisten selbst zu erobern. In dieser Weise widerlegt Herr Willich meine Enthüllungen über die Tätigkeit des von ihm und Kinkel nach Deutschland gesandten Schneidergesellen." (42) In Hoffmanns Prosastück Der Sandmann redet der Vater mit matter gebrochener Stimme. (43)

Zurück zum Text  34. Lüchow, Annette: "Die heilige Cohorte". Klopstock und der Göttinger Hainbund. In: Klopstock an der Grenze der Epochen. Hrsg. von Kevin Hilliard und Katrin Kohl; mit Klopstock-Bibliographie 1972-1992 von Helmut Riege. Berlin u.a. 1995. S. 152-220.

Beutin, Wolfgang: Johann Heinrich Voß und der Göttinger Hain. In: Freiheit durch Aufklärung. Johann Heinrich Voß (1751-1826). Materialien einer Tagung der Stiftung Mecklenburg (Ratzeburg) und des Verbandes Deutscher Schriftsteller (Landesbezirk Nord) in Lauenburg/Elbe am 23.-25.April 1993. Hrsg. von Wolfgang Beutin u. Klaus Lüders. Frankfurt a. M., Berlin u. a. 1995. (Bremer Beiträge zur Literatur- und Ideengeschichte. 12). S. 55-83.

Lüders, Klaus: Freiheit durch Aufklärung? Zur Aktualität des geistigen Erbes von Johann Heinrich Voß. 1995. In: Freiheit durch Aufklärung. S. 9-16.

Zurück zum Text  35. Johann Gottfried von Herder´s sämmliche Werke. Zur schönen Literatur und Kunst. Zwanzigster Theil. Stuttgart und Tübingen 1830. In: Johann Gottfried von Herder´s Nachlese zur schönen Litteratur und Kunst. Herausgegeben durch Johann von Müller. Stuttgart und Tübingen 1830. S. 305.

Zurück zum Text  36. Eschenburg, Johann Joachim: Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. Zur Grundlage bey Vorlesungen. Berlin und Stettin 1783. S. 106.

Zurück zum Text  37. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXXII. Herausgegeben von Bernhard Suphan. Poetische Werke. Herausgegeben von Carl Redlich. Hildesheim 1968. S. 61-85. Zitat 61.

Zurück zum Text  38. Vgl. auch die schriftliche Version des Vortrags: Harmat, Márta: Geschichtliche Aspekte einer Gattungstypologie anhand deutscher, ungarischer und russischer Oden der Aufklärungszeit). In: Trans. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. 2. November 1997. www.adis.at/arlt/institut/trans/2Nr/harmat.htm.

Zurück zum Text  39. www.gutenberg.aol.de/jeanpaul/vorschul/vors2d1.htm

Zurück zum Text  40. Fr. d. Gr. Ode Sr. Maj. Des Königs in Preussen an des Erbprinzen von Braunschweig Durchlauchten. Aus dem Französischen. [O.O.] 1762. S. 6.

Zurück zum Text  41. Karl Marx; Friedrich Engels: Werke. Berlin. Band 1. 1976. S. 430.

Zurück zum Text  42. Karl Marx, Friedrich Engels. Werke. Band 9. Berlin 1960. S. 489-518. Zitat S. 510.

Zurück zum Text  43. home.bn-ulm.de/~ulschrey/sandmann/sandmtxt.html

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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