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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kürze als Formideal des Gedichts Zahlreiche Epigramme dienen zur Beschreibung von historischen Personen, die als Redner wirkten. Auch finden sich unter diesen Schriften andere Formen zur Darstellung von Beredsamkeit. Ihre Vertreter, die in der griechischen Sprache in der Antike geschrieben wurden, sind unter dem Titel Anthologia Graeca in einer Sammlung ediert worden. Die Epigramme in der Anthologia Graeca sind eine Quelle für die Überlieferung von Elementen der Beredsamkeit in diesen Inschriften, von denen ein Teil mit bekannten Autorennamen, ein anderer Teil anonym publiziert wurde. Diese Sammlung von Epigrammen wurden in der Neuzeit bearbeitet und in die zeitgenössischen Nationalsprachen übersetzt. Jedoch auch in den in späterer Zeit geschriebenen Epigrammen über die Beredsamkeit, die in der Neuzeit in Epochen bis zur Moderne verfaßt wurden, sind rhetorische Aspekte für die Stilistik neben Elementen der Kritik und der Gesprächsführung über das behandelte Thema der Beredsamkeit zwischen Leser und Autor zu finden. Thematisch weisen diese Epigrammen auf eine Tradition der Rezeption von Beredsamkeit hin. In wie fern sich von einer Überlieferung von Elementen der Beredsamkeit in Epigrammen sprechen läßt, soll im folgenden betrachtet werden. Ein Buch mit einer Sammlung von Epigrammen eines Autors aus Rom stammt von Martial. Martial weist in der Einleitung seines epigrammaton liber auf die geistreichen Bücherlein der Epigramme seinen Leser (lector) hin: Hic est quem legis ille, quem requiris Der Autor eines Epigramms der Neuzeit weiß die argutiae-Lehre, die Lehre von der geistreichen Rede, für die Martial hier ein Beispiel der antiken Beredsamkeit gibt, für den Spott in seinem Streitgespräch neu zu formulieren. In der späten Renaissance findet man unter dem Einfluß des Streits zwischen Vertretern von Reformation und Gegenreformation nicht nur eine Form von Epigrammen der Interessensvertreter dieser Gruppierungen vor. Hinweise auf die Beredsamkeit der Antike sind in den Epigrammen zu dieser Thematik zu finden. (2) Der poeta laureatus Kaspar Brusch, der in den Jahren 1545 und 1544 als Übersetzer des Werkes Kurze Postill und des Katechismus von Philipp Melanchthon als Übersetzer an seinem Werk beteiligt war, gab in Jahre eine Sammlung von Epigrammen zu zeitgenössischen Theologen heraus. (3) Von Brusch werden nun die Gelehrten beschrieben, allen voran Philipp Melanchthon, dem die ersten vier Epigramme gewidmet sind: Si quisquam cupit ut fælix concordia fiat. Die irreale Begebenheit - Brusch publizierte die Epigramma unter dem Titel epigrammata in Utopia nata - der fiktiven Unterredung von Cäsar und Erasmus von Rotterdam wird im folgenden Epigramm erwähnt: Colloquio Caesar si coniunxisset Erasmum, Das dritte Epigramm mit dem Titel Ad EUNDEM DE IOHANNE ECCIO erwähnt wieder den Frieden (pax) und die Eintracht (concordia), die bereits in den beiden ersten Epigrammen als Ziele des Begehrens (cupere) im Gegensatz zum Streit beschrieben waren: Si clamor potest fieri concordia multo, Das vierte der 29 Epigramme an seine Zeitgenossen, das ebenfalls Melanchthon gewidmet ist, wird das Schmücken (ornare) der Rechtmäßigkeit des Geistes erwähnt (animi dexteritate): Si animo forti, moneo, generose Melanchthon,
1989. In: Aufklärung und Gegenaufklärung in der europäischen Literatur, Philosophie und
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