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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kürze als Formideal des Gedichts


In dem Epigramm auf Agathias ist offensichtlich, daß sich das Werk auf ein Grabdenkmal, neben dem sich das seines Bruders und Vaters befand. Den Ausdruck Redner verwendet Herder für . Für das Bildnis wird im griechischen Original das Wort genutzt:

Agathias
Dir, Agathias, Dichter und Redner setzte die Stadt hier,
Die dich als Mutter erzog und sich am Ruhme des Sohns
Freuet, ein Zeichen der Lieb´ und deiner treflichen Weisheit,
Dies Gebilde: den Sieg deiner gedoppelten Kunst.
Nebenan steht dein Vater, der Bruder stehet daneben! -
Ehrenwerthes Geschlecht, heilige, glückliche Drei.
(18)

Ein Hinweis auf die Genealogie ist in einem griechischen Epigramm der Anthologia Graeca auf den Redner Firmos erhalten, der als Feuerträger seinem Vater folgt:

Φικαφσφ &Phiιρμοζμε &phiιρμον
Πυρ&phiορον. (19)

Der Redner Kraternos wird durch den Konsul Julianos von Ägypten in einem Epigramm portraitiert. (20) Der Redner Nicetas wird wegen seiner Rede gelobt, die - mit der Luft für die Fahrt eines Schiffes verglichen - im Epigramm mit Metaphern des Seefahrt dargestellt wird. Herder übersetzte das Epigramm:

Der Redner
Sanft beginnt und hold des Nicetas Rede; ein Lüftchen
Führt den ruhigen Geist wehend ins offene Meer.
Dann erhebet sich und spannt die Segel mit Macht auf;
Auf des Oceanus Höh schwebt das beladene Schiff
Auf unendlicher Bahn, bis denn er zum Ziele der Rede
Steuert und führet uns dann sanft in den Hafen zurück.
(21)

Der Dichterin Sappho, die die Muuter der Musen zum Reden zu bewegen vermag, wird das Lob der Mutter der Musen zuteil:

Sappho
Als Memnosyne selber der Sappho süße Gesänge
Hörte, sprach sie: Du kommst, zehnte der Musen, woher? (22)

Es gibt auch Epigramme, in denen die Redner nicht genannt werden. Das Epigramm Der Redekünstler ist ein Spottgedicht auf die Beredsamkeit, das Herder übersetzt:

Der Redekünstler
Ueber das kleinste Geschäft weißt du so lange zu sprechen!
Ueber den kleinsten Fuß mach´ ich den längsten Schuh.
(23)

Das Epigramm Der Redner und Zuhörer beschreibt, wie sich ein Zuhörer gegenüber dem Redner zu verhalten hat:

Der Redner und Zuhörer
Tadle den Redner nicht, für dessen Rede das Ohr dir
Fehlet: der Lehrer giebt Lehre, nicht Herz und Verstand.
Bring´ ihm ein weites Gemüth, ein großes Feld der Begier mit,
daß er mit Blumen und Frucht frölich besäe das Feld.
(24)

Das Epigramm für den Redner Aetios des Philippos von Thessalonike bezieht sich auf den Sarkophag des Toten, der als glänzender Redner ( ) gelobt wird. (25) Im antiken Epigramm finden wir Hinweise auf die Lehre der Beredsamkeit. Die Eigenschaft der Kürze ist eine Qualität, die Epigramm und Rede auszeichnet. Herders Ausdruck fröhlich verweist uns auf die Wirkungskategorie des delectare, des Erfreuens, das in antiken Rhetoriken als eine der Aufgaben der Beredsamkeit genannt wird:

Strenge gegen sich selbst
Strenge gegen sich selbst, beschneide die üppigen Reden;
Desto fröhlicher wächst ihnen die Traube dereinst.
(26)

In der Übersetzung der Anthologia Graeca in das Englische wird das Thema des Epigrammes von Parmenion zum Motto Brevity is the best in englischer Sprache der Übersetzer gestaltet:

XI Brevity is the best
I tell you, the epigramm of many lines
is not in accord with the Muses´ will.
Seek not the long course in the spint.
The long race has many bends,
but sharp is the straining of the breath
for those who run in the sprint. (27)

Ein Paradoxon ist die Beschreibung einer Person in Herder Übersetzung des Epigramms Der stumme Redner, das sich auf das Schweigen des Rhetors in seinem Bildnis bezieht:

[Der stumme Redner]
Dieses Bild ist ein Redner; bewundere nicht, daß es stumm ist,
Denn der Lebende selbst redet nicht mehr, als das Bild.
(28)

Zurück zum Text  18. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 115.
Vgl. das Original in: Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 2. verbesserte Auflage. Griechisch-deutsch. Hrsg. von Hermann Beckby. München 1965. S.473.

Zurück zum Text  19. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 2. verbesserte Auflage. Griechisch-deutsch. Hrsg. von Hermann Beckby. München 1965. 1965. S. 476.

Zurück zum Text  20. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 1965. S. 331.

Zurück zum Text  21. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 135.

Zurück zum Text  22. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 135.

Zurück zum Text  23. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 670.

Zurück zum Text  24. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 380.

Zurück zum Text  25. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 1965. S. 221.

Zurück zum Text  26. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 381.

Zurück zum Text  27. The Greek Anthology. The Garland of Philip and some contempory epigrams. Edited by A. S. F. Gow. and D. L. Page. Volume I. Introduction, text and translation. Indexes of sources and Epigrammists. Cambridge 1968. S. 295. Hier auch Originaltext.

Zurück zum Text  28. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 145.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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