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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kürze als Formideal des Gedichts


Ein Epigramm in Form eines Distichons in der Anthologia Graeca bewertet mit diesem Paradoxon nicht den Redner Sextus, sondern sein Bild () als Redner. (29) Ein dem Palladas zugeschriebenes Epigramm thematisiert das Schweigen des Redners Gessios mit der Aufforderung an den Kriegsgott Apoll, zu zeigen, was nun der Unterschied zwischen Redner und dieser Statue aus Stein ist. (30) Der Autor eines Distichons stellt die Frage an das Bildnis, wer den Schweigenden im Typus des Redners ( ´´´) war. (31) Die Epigramme in Form von Distichen zum Gedenken an die Redner Marinos und Kallistos beziehen sich auf ihr aufgestelltes Bild (). (32) Das vierzeilige Epigramm auf den Aristeides lobt den Redner als Bringer des Friedens zwischen den Städten in Ionien. (33) Ein Epigramm auf den Redner Ptolemaios in der Anthologia Graeca setzt sich aus Fragen an das Bild und dessen Antworten zusammen. Auf die Frage an das Bild sind, wer es errichtet hat, lautet die Antwort „Die Worte". Auf die Frage, wem es gehöre, lautet die Antwort „Ptolemaios". Es folgen die Fragen der Herkunft des Redners, zu seiner Tugend, welcher Art und an wen die Reden gehalten waren:

In dem Epigramm über Sterne der Redekunst, , sagt der Verfasser, daß er unter den Vertretern der Beredsamkeit drei Sterne liebt (. ), die Demosthenes, Aristeides und Thukydides sind. (35) In zwei dem Lukillios zugeschriebenen Epigrammen über Kriton, dessen Wortwahl hier spöttisch wiedergegeben wird, und Marcus, dem der Gott Pluto nach dem Verweis aus dem Hades eine Rede hält, werden satirische Beschreibungen dieser Redner vorgenommen. (36) Der Wettstreit zwischen Attizisten und Asianisten, zwei Schulen der Beredsamkeit in Griechenland, ist in einem Epigramm des Cerealius überliefert, der den aus Attika stammenden Ausdrücken nach zu urteilen Homers Vorbild die Worte der Sprache wählte, in der das Verstehen ( ) und das Sprechen () möglich ist. (37) Mit den Epigrammen, die als Grabinschriften dienten, erfahren die Leser auch biographische Details des Todes durch den Zufall. Der Tod des Redners Petrus durch ein Unglück bei dem Besuch eines Theaters wird in einem Epigramm des Leontinos Scholastikos beschrieben. (38) Die Aufforderung an den Betrachter, den Redner anzugucken, finden wir in einem Distichon der Antologia Graeca, der dem Betracher daraufhin erklärt, daß er weise Mythen () nach seiner Kunst () verfertigt. (39) Als eine Allegorien der Beredsamkeit ist der Kairos, Personifikation des rechten Augenblicks, in der Anthologia Graeca vertreten. (40) Das Epigramm In Occasionem, das im Barockzeitalter zu einem Emblem mit der Darstellung dieser Figur als pictura ergänzt, beschreibt das Bildnis des Lysippus in lateinischem und deutschem Text.

In occasionem
Lysippi hoc opus est, Sycion cui patria, tu quis?
  Cuncta domans capri temporis articulus
Cur pinnis stas, usque rotor, talaria plantis
  Cur retines? Paßim me leuis aurea rapit
In dextra est tenuis dic unde novacula? acutum
  Omni acie hoc signum me magis esse docet
Cur in fronte coma occurens ut prendar, at heus tu
  Die cur pars calua est posterior capitis
Me semel alipedem si quis permitat abire.
  Ne poßim apprenso crine deine capi
Tali opifex nos arte tui causa aedidit hospes
  Utque omnes moneam pergula aperta tenet.
(41)

In der Herders Übersetzung des Epigramms Der Gelegene Augenblick, von Lysippus gebildet folgt im Originaltext nach der einleitenden Frage die Beschreibung:

Der gelegene Augenblick,
von Lysippus gebildet.
"Bild, wer bist du?" Der mächtige Gott der Gelegenheit bin ich.
"Mit geflügeltem Fuß?" der wie ein Zepher entfliegt.
"Auf den Zehen?" - Denn leise komm´ich und schwebe vorüber.
Nur an der Locke der Stirn fasset der Emsige mich.
"Hinten am Haupte kahl?" - Bin ich dir einmal entwichen,
Haschest umsonst du nur; nimmer ereilest du mich.
"Und das schneidende Messer in deiner Rechten?" so schneidend
Ist auch der Augenblick meiner entscheidenden Macht.
"Weises, lehrendes Bild!" Für dich, o Sterblicher, lehrend
Setzte Lysippus mich hier dicht an die Pforte des Glücks.
(42)

Eine Variation des Quintilianischen Hinweises, das allein das Herz beredt macht, fügt Herder -nicht ohne Spott über die deutsche Dichtung - in seiner Darstellung Von der Beredsamkeit, als einer menschlichen Kunst an:

Von der Beredsamkeit, als einer menschlichen Kunst
Rede bedeutet der alten Welt das innere sowohl als das sich äußernde Gemüth, Vernunft und Sprache. Redlich und redhaft hieß ein Mensch von Treu und Wahrheit. Wer seines Herzens Gedanken kräftig ausdrücken konnte, hieß beredt. Wenn ein Ding ernst und angelegen ist, sagte man, darf für Worte nicht sorgen. Pectus disertum facit, war aller Naturmenschen Sprüchwort.
(43)[...] Die deutsche Beredsamkeit war von jeher ein Werk des kalten gesunden Verstandes, daher sie sich sogern an Sprüchwörter hielt, und auf Gemeinplätze zurückkam. Unsre Verfassung machte, daß wir politisch - beredt nicht seyn konnten; unsere Staats- und Cereminienberedsamkeit prangt daher in der Geschichte europäischer Nationen fast Caricaturmäßig; feierlich-leer, frostig-ernsthaft. Unsre Kanzelberedsamkeit hatte sich nach des großen Luthers Vorbilde ganz auf den Weg der gesunden Verstandessprache gewandt, bis sie fremde Nationen nachzuahmen anfing; (44) Auch bemerkt Herder: "War also das Amt, das die "Kritik" der Beredsamkeit anweiste, der Geschichte derselben zuwieder und nur auf Mißbräuche, d.i. auf Übertretungen ihres Amtes gebauet, so ist diese Verunglimpfung der Sache selbst noch mehr entgegen. (45) Herder hat als Übersetzer auch die Kürze des Epigramms in einem Distichon beschrieben:

Das Epigramm
Viele Verse verschmäht die epigrammatische Muse;
Läufern im Stadium ziemt nie der gekrümmt Lauf.
(46)

Zurück zum Text  29. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Hermann Beckby. 1965. S. 619.

Zurück zum Text  30. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 1958. S. 473.

Zurück zum Text  31. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Hermann Beckby. 1965. S. 619.

Zurück zum Text  32. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Hermann Beckby. 1965. S. 619.

Zurück zum Text  33. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Hermann Beckby. 1965.S. 619.

Zurück zum Text  34. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 1965. S. 472.

Zurück zum Text  35. Anthologia Graeca. Buch XII-XVI. 1965. S. 472.

Zurück zum Text  36. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. 1965. S. 331.

Zurück zum Text  37. Anthologia Graeca. Buch IX-XI. 1965. S. 331.

Zurück zum Text  38. Anthologia Graeca. Buch VII-VIII. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Hermann Beckby. 1965. S. 341.

Zurück zum Text  39. Anthologia Graeca. Buch VII-VIII. 1965. S. 341.

Zurück zum Text  40. So ist bei Thomas Morus auch das Epigramm auf den Kairos zu finden. Quellennachweis und Übersetzung in: Thomas Morus. Epigramme. Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Uwe Baumann. München 1983. S. 168.

Zurück zum Text  41. Emblemata. Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI und XVII Jahrhunderts. Herausgegeben von Arthur Henkel und Albrecht Schöne. Stuttgart und Weimar 1996. Sp. 1809.

Zurück zum Text  42. Johann Gottfried von Herder´s Schriften zur griechischen Litteratur. Herausgegeben durch Heyne. Johann Gottfried von Herder´s sämmtliche Werke. Zur schönen Litteratur und Kunst. Zehnter Theil. Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta´schen Buchhandlung. 1828. S. 115.
Auch publiziert in: Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. S. 83.

Zurück zum Text  43. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVII. Herausgegeben von Bernhard Suphan. Poetische Werke. Herausgegeben von Carl Redlich. Hildesheim 1967. S. 159

Zurück zum Text  44. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVII. S. 162.

Zurück zum Text  45. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVII. S. 163. Vgl. auch den Begriff historische Kritik bei: Gutzen, Dieter: Ästhetik und Kritik bei Johann Gottfried Herder. In: Historische Kritik und biblischer Kanon in der deutschen Aufklärung. Herausgegeben von Henning Graf Reventlow, Walter Sparn und Johann Woodbridge. Wiesbaden 1988. S. 263-285.

Zurück zum Text  46. Johann Gottfried Herder. Sämtliche Werke. XXVI. Herausgegeben von Bernhard Suphan. Poetische Werke. Herausgegeben von Karl Redlich. Hildesheim 1968. S. 89.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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