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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kürze als Formideal des Gedichts


Die Übersetzungen von Epigrammen wurden auch in Zeitschriften veröffentlicht. Im Jahre 1809 wird ein Gedicht der Dichterin Nossis für ihre Tochter mit dem Titel Das Bild für eine Figur der Rede und dem Untertitel Epigramm der Nossis von Lairi in Italien und der Anmerkung ihres Übersetzers Aus dem Griechischen. Antik gemessen in einem Journal herausgegeben. (47) Die einleitende Frage wird hier ausgelassen. Die Dichterin beginnt ihre Rede mit der Antwort:

Das Bild;
Epigramm der Nossis von Lokri in Italien.
Aus dem Griechischen.
Antik gemessen.
Ja, dies ist sie, Melinna*)! Es ist ihr liebliches Antlitz.
Sieh, wie mich anzuschauen freundlich ihr Auge beduenkt!
Und wie so gleich der Mutter in Allem wurde die Tochter: -
Schön, wo den Eltern gleich holde Geborene sind.
*) Der Dichterinn Tochter
Berlin
 
F. H. Bothe

Herder hat diese Dichterin als Vertreterin der Lyrik in einem Epigramm mit dem Attribut von weiblicher Zunge für ihre Beredsamkeit erwähnt:

[Die lyrischen Dichterinnen]
Göttliche Sängerinnen, die uns der Helikon schenkte
Und Macedoniens Pierischer Fels,
Du Praxilla und Myro, du süßer Mund der Anyte,
Sappho, in Weibes gestalt und wie ein zweit er Homer,
Und Erinna, und Telesilla, die edle Corinna,
Die uns der Pallas Schild Männin in Tönen besang,
Nossis von weiblicher Zunge, und du süßtönende Myrto,
Alle Mütter der Kunst, zarter unsterblicher Zier.
Neun Göttinnen, die Musen, erfreun den hohen Olympus,
Neun erfreun auch uns, die uns die Erde gebahr.
(48)

Im Jahre 1810 wird ein Epigramm des Grammatikers und Rhetorikers Ausonius Decimus Magnus herausgegeben, der in Bordeaux im 4. Jahrhundert nach Christi Geburt als Übersetzer der Anthologia Graeca wirkte. (49) Frage und Antwort sind hier Teile des Dialogs:

Ausonius.
Epigramm 75.
Längst schon hatte den Tod verkuendet dem flechenden Kajus
Eunomus; doch das Geschick rettet´ ihn ohne den Arzt.
Neulich siehet ihn dieser einhergehen, wie es ihm vorkömmt,
Ganz entstellet und bleich, reines Gestorbenen Bild.
„Wer du" Kajus, so spricht er. „Und lebst?" Mit nichten!
„Und was denn machest du hier"?
Auf Befehl komm´ ich des Pinto hierher:
Denn ich, kennend annoch gar wohl so Menschen als Dinge,
Soll abholen die Aerzt´. Eunomus schaudert und hebt.
Drauf spricht Kajus: Besorge du nichts; denn ich und ein Jeder,
Welchem Verstand nicht fehlt, läugnen, du wärest ein Arzt.
Stargard.
Falbe.

Zurück zum Text  47. Neue Berlinische Monatsschrift; Bd. 2. S. 123.

Zurück zum Text  48. Herder. Sämtliche Werke. Band 16. S. 135.

Zurück zum Text  49. Neue Berlinische Monatsschrift. Bd. 2. S. 123.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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