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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Aus dem Land der Dichter und Denker.


Der Rhetoriker Christian Gottlob Heyne verweist auf Herders Definition, der die Ode als "ein beseeltes, sich bewegendes Gemälde" und „ein Ganzes mit Anfang, Mittel und Ende" bezeichnet. (12) Heyne spricht von den Bemühungen des vergangnen Jahrhunderts in der Kritik und der Anordnung der Oden. (13) Heinrich Gernings Ode an Herrn Geheimen Justiz-Rath Heyne zu Göttingen ist ein Lobgedicht auf den Lehrer für Rhetorik und Poetik:

Ode an Herrn Geheimen Justiz-Rath Heyne zu Göttingen
 
Wie sich aus niedrer Sphäre
Des Adlers Fittig hebt,
Und bis zum Strahlenmeere
Der Sonne aufwärts
schwebt;

So steigt im kühnen Fluge
Der Dichtgeist himmelan,
Und folgt geheimen Zuge
Auf gränzenloser Bahn.

In höhern Regionen
Sieht er der Wunder viel;
Denn fern, wo Götter
wohnen,
Ist seines Aufflugs Ziel.

Dort sind die Lorbeerhayne
Voll Himmels-Harmonie
Uns mahlt im
Wiederscheine
Sie oft die Phantasie.

Das Flügelroß, dem Wagen
Der Göttin vorgespannt,
Hat mich unlängst getragen
In jenes Zauberland.

Dort in den heil´gen
Räumen,
Geweiht der Musenschaar,
Stand unter Lorbeerbäumen
Ein festlicher Altar.

Geschmückt von ihren
Händen
Prangt´er im Opferglanz;
Die Weihe zu vollenden,
Nahm ihren Lorbeerkranz

Die schöneste der
Kamoenen
Und gieng, mit eigner Hand
Die Büste zu bekrönen,
Die auf dem Altar stand.

Drauf schwand aus meinen
Blicken
Die Helikonerin;
Mit schüchternen Entzücken
Eilt´ ich zum Altar hin.
 
Als ich die Stufen küßte.
Den Blick erhob - o nie
Schlug so mein Herz! - die
Büste -
Freund, ich erkannte sie !

Dem Marmor eingegraben,
Stand, zu des Urbilds Preis,
Gar viel, von seltnen Gaben
Benutzt mit seltnem Fleiß;

Von schöner Werke Menge
Voll Kraft und tiefem Geist,
Die noch durch
Hochgesänge
Die späte Nachwelt preißt;

Von ihm vertrauter Kunde
Aus grauer Vorwelt her;
Vom engen
Freundschaftsbunde
Mit Maro und Homer;

Vom Forschen in Bezirken,
Die uns ihr Lied genannt,
Vereint mit edeln Wirken
Für´s deutsche Vaterland.

Vom schönen
Lorbeerzweige,
Dem ihm das Ausland
bricht,
Und von dem Kranze der
Eiche,
Den ihm die Heimath flicht.

Sein Name prangt´am
Steine -
Stolz blickt´ich um mich
her,
Und rief beym Namen -
Heyne,
Heil mir!
Mein Freund ist
Er! (14)

Zurück zum Text  12. Herder, Johann Gottfried: Werke. Zur römischen Literatur. II Antiquarische Aufsaetze. Herausgegeben durch Heyne. Stuttgart Tuebingen [Cotta]. Eilfter Theil. 1809. Vorwort des Herausgebers. Bd. 11. S. III.

Zurück zum Text  13. Herders Werke. Vorwort des Herausgebers. Bd. 11. S. IV.

Zurück zum Text  14. Gerning; Heinrich: Ode an Herrn Geheimen Justiz-Rath Heyne zu Göttingen. S. l., s. n., s.a. 2 Bl.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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