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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Bild.


Ist ein Bild immer nur ein Bild? Einen nicht unerheblichen Anteil an Vorgängen der Kommunikation hat in Künsten und Wissenschaften das Bild mit seinen ästhetischen visuellen Elementen aufzuweisen. Dieser Bereich der visuellen Wahrnehmung ist für die Darstellung von Gegenständen ein Gebiet, das sich mittels seiner Bezeichnungen mit anderen Gebieten vergleichen läßt. Diese Abhandlung wählt dazu den Ansatz, die sprachlich überlieferten Begriffe für Bilder zu untersuchen. Eine Erklärung für Vorgänge der Kommunikation, die Bilder einsetzen, liegt in der Übertragung von Kategorien auf der Ebene von Bedeutungen dargestellter Dinge vor. In jedem Kapitel werden die Bestandteile und die Terminologie des Bildes behandelt. Die Theorien der Künste und Wissenschaften werden hinsichtlich ihrer Methode der Betrachtung und Nutzung des Bildes in einem historischen Aufriss dargestellt. Begriffe der Betrachtung von Bildern und die Typen in einer historischen Darstellung.

Theorien von Künsten und Wissenschaften sind Betrachtungen, die den Künstlerischen und wissenschaftlichen Aussagen von literarischen Werken zugrunde liegen. Das Word "Theorie" leitet sich von dem griechischen Verb (theorein) mit der Bedeutung sehen ab. Diesen Betrachtungen sind Gegenstände, reale Objekte oder abstrakte Ideen, zugeordnet. Dem Wort Idee, das sich von dem griechischen Verb für sehen und den Worten idéa oder ableitet, werden die Bedeutungen optisches Bild und sichtbare Gestalt eines Gegenstands zugeordnet. Die von abweichende Bedeutung des Wortes meint bei dem Dichter Homer das Schattenbild in der Unterwelt. In der Grabkunst nannte man Eidolon das Bild des Verstorbenen als ein Brustbild.

In der Dichtkunst bemerkt Aristoteles, daß die gute Übertragung einer Betrachtung gleichkommt (" ", 22.17.). Sprache wird von Aristoteles als ein Werkzeug (organon) der arbiträren Bezeichnung von diesen wirklichkeitsabbildenden mentalen Bildern, den Vorstellungen, interpretiert. Aristoteles erwähnt in seiner Rhetorik ( III.10.3.I) die Bilder der Dichter, die er mit Metaphern gleichsetzt, die sich lediglich durch den Ort ihrer Aufstellung unterscheiden.

Eine Theoria als Schau der Phänomene und Ideen untersucht durch bildliche Methoden. Theorien dienen zur Beschreibung der Welt. Vertreter des Idealismus nach der Antike halten dem Konzept der Existenz von Ideen fest. Die Ideen sind für Immanuel Kant die letzte Instanz, mit der die Vernunft arbeitet. Mittels der von Lausberg dargestellten Theorie vom Zusammenhang der Künste läßt sich der ideelle Zusammenhang zwischen Kunstwerk und Vorbild aufzeigen. Wesentlich für diesen Zusammenhang ist die Idee der Mimisis, die dem Kunstwerk ebenso zugrunde liegt wie der Kunstkritik (1): "Die Besonderheit der Mimisis als einer künstlerischen Darstellung wurzelt gerade in diesem Bezug auf das Unsichtbare: nicht auf das Ding allein, sondern zugleich auf dessen erkannten oder postulierten Sinn [...]." (2)

Tafeln und Tabellen sind für die Dokumentation von historischen Ereignissen mit Inschriften von Zeichen, Buchstaben und Zahlen, versehen. Die Nutzung von Tabellen wird für die Kategoriesierung von Begriffen eingesetzt. Beschreibungen von Gemälden sind seit der Antike eine literarische Kunst, die als Ekphrasis oder descriptio bezeichnet wird. Mimesis oder Ähnlichkeit zwischen der beschriebenen Sache und der Beschreibung ist für diese Kunst notwendig. Die Beschreibungen der Gemälde von Cebes sind das früheste literarische Werk, das Gemälde als Thema behandelt. Der Redner Aeschines bemerkt in einer Rede (1, 91) über die Wahrheit, die in den Bildern gefunden wird: „kai gar toutôn hoi men ep" autophôrôi halontes, ean homologôsi, parachrêma thanatôi zêmiountai, hoi de lathontes kai exarnoi gignomenoi krinontai en tois dikastêriois, heurisketai de hê alêtheia ek tôn eikotôn:" Lukian hat in seiner Abhandlung Die Rednerschule das griechische Schulwesen beschrieben. Diese Rede, die als Lehrschrift auf die Frage eines jungen Freundes, wie man Redner wird, gehalten wird, gehört zur Lehrliteratur. Der Autor weist seinen Sohn auf die Schwierigkeiten und Mühen auf dem Wege der Erlernung dieser Kunst hin. Der Redner beschreibt nun nach der Art und Weise des Ekphrasis die Rhetorik in einer Allegorie:

Hoch oben soll sie als schöne Dame mit anmutigem Antlitz dasitzen, das mit mannigfaltigen Früchten gefüllte Horn der Amalthea in der Rechten, und neben ihr denke dir den Reichtum ganz von Gold und lieblich anzuschauen. Ferner sollen der Ruhm und die Macht dabei sein und die ganze Gestalt eine Menge kleinen Liebesgöttern gleichender Lobsprüche auf allen Seiten umschweben." Lukian setzt seine Beschreibung mit einem Vergleich fort: „Du hast gewiß schon ein Bild vom Nil gesehen: er liegt auf einem Krokodil oder Flußpferde, deren es viele in ihm gibt, kleine Knaben, welche die Ägypter Ellen nennen, spielen um ihn; diesen sollen die Lobsprüche um die Rhetorik gleichen." (3)

Zurück zum Text  1. Platon: Ion. 534b. In: Platon. Sämtliche Werke. In der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher. Herausgegeben von Ernesto Grassi unter Mitarbeit von Walter Hess. Bd I. S. 103.

Zurück zum Text  2. Weidlé, Wladimir: Gestalt und Sprache des Kunstwerks. Studien zur Grundlegung einer nicht-ästhetischen Kunsttheorie. Mittenwald 19881. S. 45.

Zurück zum Text  3. Lukian: Werke. Deutsch von Theodor Fischer. Vierter Band. Vierte Auflage. Berlin-Schöneberg [o. J.]. S. 151-152.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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