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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Das Bild.


Ovid schreibt in den Metamorphosen (Buch IV, 204, 205) über das Bild der Zeit (imago temporis):

mors erat ante oculos, minimum tamen illa malorum,
et iam prensurum, iam nunc mea viscera rebar
in sua mersurum, mentique haerebat imago
temporis illius, quo vidi bina meorum
ter quater adfligi sociorum corpora terrae,
cum super ipse iacens hirsuti more leonis
visceraque et carnes cumque albis ossa medullis
semianimesque artus avidam condebat in alvum;

Ovids Gedichte nutzen den Ausdruck Bild für einen Sachverhalt, auf den durch ein Symbol verwiesen wird. Der Dichter erwähnt in den Metamorphosen (Buch 7, 649 - 651) das Bild (imago) des Schlafes (somnus):

Egredior, qualesque in imagine somni
visus eram vidisse viros, ex ordine tales
adspicio noscoque.

Auch in der Ars amatoria spricht Ovid (Buch 2, Gedicht 9b, 41) vom Bild des Todes (mortis imago): „Stulte, quid est somnus, gelidae nisi mortis imago!" Ovid beschreibt in den Remedia amoris (Buch 2, Gedicht 6, 33 - 38) das Bild der menschlichen Stimme (humana vox):

Vivit edax vultur ducensque per aera gyros
Miluus et pluviae graculus auctor aquae;
Vivit et armiferae cornix invisa Minervae;
Illa quidem saeclis vix moritura novem;
Occidit illa loquax humanae vocis imago,
Psittacus, extremo munus ab orbe datum!

In den Amores (Gedicht 7, 183) beschreibt Ovid das Bild des Schreibenden (imago scribentis):

Adspicias utinam, quae sit scribentis imago!" Ovid unterscheidet in den Metamorphosen (Buch 3, 666 - 667) zwischen den Bildnissen (simulacra) und Bildern (pictura):

Quem circa tigres simulacraque inania lyncum
pictarumque iacent fera corpora pantherarum.

In der Erzählung Psyche and Cupido nutzt Apuleius den Ausdruck ´verschiedene Gatungen von Bildern (picturae):

enimvero pavimenta ipsa lapide pretioso caesim deminuto in varia picturae genera discriminantur: vehementer, iterum ac saepius beatos illos, qui supergemmas et monilia calcant.´" (13)

Die römische Dichtung kennt das Bild als eine Bezeichnung für ein Abbild bei der Beschreibung von poetischem Stoff und reflektiert so die Theorie von den Abbildungen als Ideen mit der Bezeichnung Bild (imago). Bezeichnungen von Bildern werden hier als Metaphern eingesetzt.

Im 15. Kapitel der Anhandlung Über das Erhabene behandelt Pseudo-Longinos, Verfasser der ersten Ästhetik, das Bild. Das Konzept der Freien Künste (artes liberales) in der römisschen Kultur ist Ausgangspunkt zur Bestimmung der Relation von Künsten und Wissenschaften. Die Vermittlung von Künsten durch die Übertragung (translatio) der Künste (artes) wird für die Rezeption von Bildern herangezogen. In der Rhetorica ad Herennium (III) werden Bilder definiert: „Imagines sunt formae quaedam et notae et simulacra [...] rei." (14) Das Phänomen des Austausches zwischen Text und Bild läßt sich historisch und systematisch durch dieses Konzept der Antike und Neuzeit erläutern. Für das Auftreten von bildlichen Bestandteilen oder Elementen in Medien ist der Austausch von Künsten durch das Vorhandensein von identischen oder zu mindestens von übertragbaren Strukturen und die daraus resultierende Möglichkeit einer gemeinsamen Form der Deskription der Medien zu nennen. (15) Mit einer Ebene von gemeinsamen Zeichen läßt sich die Übertragung von Gegenstanden in Texten und Bildern erklären. Es läßt sich aber auch das Zeichen als grundlegendes Element eines solchen Austausches im Konzept der Nachahmung von Künsten verweisen.

Zurück zum Text  13. harvest.rutgers.edu/latintexts/apuleius/cupid.html

Zurück zum Text  14. lettere.unipv.it/scrineum/wight/herm3.htm

Zurück zum Text  15. So weit nicht anders vermerkt, beziehe ich mich auf die rhetorische Terminologie bei Lausberg: Lausberg, Heinrich: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft . 3. Aufl.. Stuttgart 1990.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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