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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Censura und recensio. Zensur und Rezension. Für die Bewertung von Literatur ,- freilich mit unterschiedlicher Intention und Wirkung,- mit einem Urteil finden sich sowohl Zensur als auch Rezension als historische Orte und Methoden, die bis zur Gegenwart ihre Anwendung finden. An einzelnen Stellen von Dokumenten sollen die Ähnlichkeiten und Unterschiede dieser beiden Formen der Bewertung anhand ihrer Begriffe in der Antike in Rom und der Neuzeit bis zur Moderne auch in Hinblick auf ihre sprachgeschichtlichen Zusammenhänge untersucht werden. (1) Auch literarische Formen der Beurteilung wie die Rezension, Kommentar und vergleichbare Formen der Kritik sind im Zusammenhang mit der kulturgeschichtlichen Wirkung von Zensur Beiträge zur angewandten Bewertung von Literatur. (2) Aber auch andere Formen der Bildung waren davon betroffen. Die Zensoren Cn. Domitius Ahenobarbus und L. Licinius Crassus erließen folgendes Edikt über die Rhetoren in Rom, die eine neue Gattung der Lehre begründeten und deren Neuerungen den Zensoren weder gefallen noch als recht erscheinen: „renuntiatum est nobis esse homines, qui novum genus disciplinae Der Begriff Zensur (censura) leitet sich vom römischen Amt des Zensors (censor) ab. Bei den Zensoren handelte es sich um ein Gremium, das alle 5 Jahre für anderthalb Jahre gewählt wurde und dessen Aufgabe zunächst war, ein Verzeichnis der Bürger anzulegen. Die römischen Censores, hatten neben der Aufgabe der Vermögensschätzung der Bürger auch eine Funktion der Sittengerichtsbarkeit inne. Ein Bespiel für ihr Wirken ist die Verbannung Ovids, dessen Ars amatoria als erotische Dichtung unter die moralische Zensur fiel. Ein Grossteil frühchristlicher Literatur fiel dem Diokletian-Edikt aus dem Jahre 303 n. Chr. zum Opfer. Zensur wurde in der Antike aus politischen Gründen ausgeübt. M. Tullius Cicero nutzt in den Epistulae ad Familiares (III) das zusammengesetzte Verb Zensur betreiben (censuram gerere). (4) Seneca beschreibt in seinen Epistulae Morales (liber XVII & XVIII) das Verbum censuram agere. (5) Horaz spricht in den Epistulae (2, 110) vom Zensor (censor): „(...) cum tabulis animum censoris sumet honesti (...); Cicero schreibt in De Amicitia über die Kollegen der Zensur (collegas in censura). (6) Sveton erwähnt in De Vita Caesarum die Zensoren (censores) Plancus und Paulus, die zur Zeit des Claudius lebten. (7) Martial beschreibt in dem 8. Epigramm die Zensur des speculums: „Censura speculi manum regente" (8) Sueton nutzt in De Vita Caesarum den Ausdruck recensio (41, 3): Recensum populi nec more nec loco solito, sed uicatim per dominos
Als ein erschließendes Organ von Rezensionen sei genannt: Internationale Bibliographie der Rezensionen geisteswissenschaftlicher Literatur. Osnabrück 1997. Arbeiten zur literaturwissenschaftlichen Stellung der Rezensionen sind: Gries, Karsten: Rezeption der empirischen Theorie der Literatur in Rezensionen und Handbüchern zur Literaturwissenschaft. Siegen 1996. Karich, Anja: Untersuchungen zu Retrospektion und Prospektion in den Textsorten Referat, wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel, Rezension und Enzyklopädieartikel. Göttingen 1987.
Klauser, Rita: Die Fachsprache der Literaturkritik. Dargestellt an den textsorten Essay und Rezension. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1992. S. 114-148. So unterscheidet Buschmann zwischen Arten und Formen literarischer Zensur und der Selbstzensur von Autoren. Buschmann, Silke: Literarische Zensur in der BRD nach 1945. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1997. S. 18-21.
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