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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Censura und recensio. Zensur und Rezension.


In den Beschreibungen des in seinen Briefen das Urteil (iudicium) seiner Zeitgenossen darstellenden Plinius erwähnt dieser den Euphrates, der ihm als eines der exempla für das Blühen der studia liberales dient. Plinius erwähnt auch Paternus für das ästhetische Urteil (animi iudicium), dessen Gedichte er bewertete: "Ut animi tui iudicio, sic oculorum plurimum tribuo, non quia multum, ne tibi placeas, sed quia tantum quantum ego sapis;" (9) Unter diesen Briefen von Plinius über die Literatur befindet sich in seinem Brief an Clemens die Charakterisierung des Philosophen Euphrates mit dem Vergleich des Urteilens (iudicare) von Künstler (artifex) und Weisen (sapiens): "Ut enim de pictore, scalptore, fictore nisi artifex iudicare, ita nisi sapiens non potest perspicere sapientem." (10) Plinius erwähnt für die Bildung des Urteils (iudiciums) im Zusammenhang mit Paternus das Gesetz (lex) von Catull: „Nam castum esse decet pium poetam/ ipsum, versiculos nihil necesse est,/ qui tunc habent salem et leporem,/ si sunt molliculi et parum pudici." (11) Gellius beschreibt in seinem Werk Noctes Atticae (Buch 12) das Leben in der Zensur (censura): „ [...] et in ipsa censura et postea iugi concordia fidissime amicissimeque vixerunt." (12) Zu den historischen Begriffen, die uns auf die Spuren dieser Verfahren des Urteilens im Umgang mit Literatur und Sprache in der Rhetorik führen, zählen das ´iudicium´, das Urteil, und der Richter, ´iudex ´, - Bezeichnungen, die vom zeitgenössischen Neulatein durch Übersetzungen in den deutschen Sprachschatz gelangen und einen wissenschaftsgeschichtlichen Ort in der Rhetorik haben.

Die Beurteilung von Literatur mit einer Einschränkung ihrer Veröffentlichung ist als Zensur die extremste Form der Bewertung von Informationen. In Deutschland wurde seit 1440, dem Jahr der Erfindung des Buchdrucks, Zensur ausgeübt. Der Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Berthold von Henneberg, führte als erster deutscher Fürst mit einem Edikt vom 22. März 1485 für alle aus dem Griechischen, Lateinischen oder einer anderen Sprache in das Deutsche übersetzten Bücher die Präventivzensur ein und forderte ebenfalls seit 1485 eine Überprüfung der auf der Frankfurter Frühjahrsmesse ausgestellten gedruckten Bücher. Als zwei Verfahren wurden wie oben erwähnt als Präventivzensur vor der Drucklegung Schriften einer Zensurbehörde zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt oder Zensur der gedruckten Bücher mit Verbot und Beschlagnahme als eventuelle Folgen durch die Repressivzensur ausgeübt. Auf dem Reichstag zu Speyer wurde die Zensur 1529 in einem Reichsgesetz verankert. Erasmus von Rotterdam wies auf das censuram agere im Umgang mit Briefen hin.

Der Index (index) ist eine Form, in den sich Wirkungen der Zensur dokumentieren. Als Verbotsorgan für abweichendes Gedankengut erlangte der Index librorum prohibitorum aus dem Jahre 1559 durch allgemeine Indexregeln bis zum Jahre 1966 für die katholische Kirche verbindliche Autorität. ´Ein Buch auf den Index setzen´ ist ein Ausdruck, der sich für diesen Vorgang der Zensur bis den den zeitgenössischen Sprachgebrauch erhalten hat. Hinweise auf die Zensur bzw. den sie ausübenden Zensor (censor), die uns in den Vorworten von Büchern in den Widmungsschriften für ihre Autoren im 17. Jahrhundert begegnet, sind dabei genauso ein Teil des Buchwesens wie der Hinweis auf den Titelblättern, daß eine Schrift mit der Erlaubnis, dem Privileg (privilegium) des jeweiligen Landesfürsten, überhaupt gedruckt werden konnte. (13) Die Begriffe ´Zensor´ (censor) und ´Kritiker´ (criticus) sind in dieser Zeit übliche Personenbezeichnungen. Auch die Frage, wer das Richteramt über Kunst und Wissenschaft ausübt, läßt sich an Dokumenten aus dieser Zeit betrachten. Hinweise auf die Zensur bzw. den ´censor´, die uns in den Vorworten von Büchern, ja sogar in den Widmungsschriften ihrer Autoren im 17. Jahrhundert begegnen, sind dabei genauso ein Teil des Buchwesens wie der Hinweis auf den Titelblättern, daß eine Schrift mit der Erlaubnis, dem Privileg des jeweiligen Landesfürsten, überhaupt gedruckt werden konnte.

Zurück zum Text  9. Gaius Plinius Caecilis Secundus: Briefe. Epistolarum libri decem. Lateinisch-deutsch ed. Helmut Kasten. Zürich 1995. S. 56.

Zurück zum Text  10. Gaius Plinius Caecilis Secundus: epistolarum libri decem. Gaius Plinius Caecilius Secunus. Briefe. Lateinisch-deutsch ed. Helmut Kasten. München und Zürich 1984. S. 26-30. Zitat. S. 28.

Zurück zum Text  11. Ebenda. S. 218-221. Zitat S. 218.

Zurück zum Text  12. www.geocities.com/Athens/Forum/6946/literature/gellius12.html

Zurück zum Text  13. Vgl. als Beiträge zur Geschichte der Zensur:
Ziegler, Edda: Literarische Zensur in Deutschland 1819 bis 1848. München u.a. 1983.
Breuer, Dieter: Geschichte der literarischen Zensur in Deutschland. Heidelberg 1982.
Titel, Volker; Wagner, Frank: Angeklagt. Reclam & Consorten, der Zensur- und Kriminalfall "Das Zeitalter der Vernunft" 1846-1848 Wolfgang Bütner. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Bd. 48. 2000. 7. S. 656-657.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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