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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Censura und recensio. Zensur und Rezension.


Eine Autorität des Barockzeitalters, auf die sich die Autoren des 18. Jahrhunderts beriefen, war Julius Scaliger. Als Form der Prosagattung ist die Antikritik thematisch nicht gebunden. Ihre Schriften dienen der Reaktion auf eine Rezension oder Kritik. Bereist in Johannes Buxtorfs Anticritica seu vindiciae veritatis Hebraicae zu Ludwig Capellus´ Critica sacra aus dem Jahre 1653 werden die Bezeichnungen Criticus noster und censor verwendet. Heynes Rezension von Alexander Popes Essay on Criticism erwähnt den Begriff ´schechter Zensor´ (censor malus). Die spezielle Anwendung des Begriffs criticus für die Literatur im 17. Jahrhundert beläuft sich auf neugebildete Funktion des Nomens als Titel. Lateinisch schreibende Autoren, die Autoren aus der Antike behandeln, machen von einer einheitlichen Bedeutung der Begriffe critica und criticus Verwendung. Martin Opitz´ Teutsche Poemata und Aristarchus wieder die Verachtung Teutscher Sprach aus dem im Jahre 1624 beinhalten das Gedicht Momi fenestra & crura, das den Gott Momos beschreibt. (14) Eine Gegründte Ableinung einer in öffentlichen Druck ausgesprengten Censur, was von zweyen sächsischen Schreiben, das jetzige Augspurgische Reformation Wesen betreffend zu halten seye wird im Jahre 1630 veröffentlicht.

Christian Wolff verfaßt Rezensionen in den Acta eruditorum in den Jahren von 1705 bis 1731, die Dokumente der Frühaufklärung sind. Zumeist anonym werden die Rezensionen im 18. und 19. Jahrhundert veröffentlicht. Johann W. Goethe verfaßte eine Recension einer Anzahl französischer satyrischer Kupferstiche. Salomon Geßner erwähnt in einem Brief über die Landschaftsmalerey die Recension des Altar-Gemähldes von Mengs in Dreßden aus der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. (15) Mitunter riefen die Rezensionen von Werken der Literatur auch Kommentare hervor wie die Anmerkungen über eine Rezension in der Oberdeutschen allgemeinen Litteraturzeitung von Franz G. Ditterich aus Straßburg im Jahre 1788. Rezensionen rufen so Gegenrezensionen wir die Recension über die Recension, die gegen die Schrift: Was waren die Bischöfe in den alten Zeiten, und was sind sie nun? aus dem Jahre 1790 hervor. Die Rezensionen von Handschriften, also die bearbeiteten Überlieferungen eines Textes, wurden durch die Zählung in griechischen oder lateinischen Buchstaben voneinander unterschieden. Die Zensur der Literatur rief insbesondere im Vormärz die Reflexion über deren Praktiken hervor, die zahlreiche Schriften in den Vierziger Jahren dokumentieren.

Als Motiv und Thema wird Zensur von Dichtern thematisiert. Jacob Grimm verfaßte im Jahre 1822 Rezensionen unter dem Titel Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Diese Rezensionen erschienen in den Göttingischen gelehrte Anzeigen (1822, 169. St. S. 1681-1684.). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wird unter dem Begriff Kunstrichter eine neue Form der Beurteilung auch von Laien über zeitgenössische Gattungen der Kunst wahrgenommen. Auch die in der Aufklärung vermehrt gerfaßten Rezensionen wissenschaftlicher Schriften und kritisches Schrifttum sind Arten von Schriften, die insbesondere wissenschaftliche Werke bewerten. Hier werden Methoden benutzt, die - war das Werk erst einmal veröffentlicht - den Diskurs in der Öffentlichkeit ermöglichten. Wandeln sich im 18. Jahrhundert mit den literaturkritischen Schriften und Rezensionen nun die Möglichkeiten der Veröffentlichung von Meinungsäußerungen? Mit Sicherheit liegt in diesem Zeitalten ein bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhandener Reichtum an Medien zum Austausch von Meinungen vor. Der Gedanke der Pressefreiheit in der Aufklärung ist schließlich mit dem Begriff der Freymüthigkeit des Verfassers verbunden, der wie ein Tugendtopos bei Autoren von kritischen Beiträgen im 18. Jahrhundert anzutreffen ist. Die fürstliche Zensur blieb in diesem Jahrhundert zum Teil bestehen, zum Teil wurde sie aufgehoben.

In Schriften aus dem 18. Jahrhundert finden sich viele Hinweise auf die Leistung der Kritik und Zensur. Formen der Bewertung im akademischen Diskurs wurden in dieser Zeit genutzt. Der Kommentar (commentatio) ist eine Form der angewandten Kritik, der im 18. Jahrhundert in Deutschland anzutreffen ist. Die Klassen der Commentationes der Göttinger Sozietät der Wissenschaften vermitteln einen Eindruck über die thematische Aufteilung ihrer Schriften in historischen Kommentar (commentatio historica), philologischen Kommentar (commentatio philologica), physikalischen Kommentar (commentatio physica) und mathematischen Kommentar (commentatio mathematica), die ab dem Jahre 1811 in Klassen (classes) der Physik, Mathematik, Historik, alter Schriften und Künste unterteilt werden. Elogien (elogia) sind zum Teil an diese Commentationes angefügt. Ihr Herausgeber Christian Gottlob Heyne bemerkt zur ´Gattung´ (genus) des Kommentars in seiner Anmerkung zum Index der Commentationes aus dem Jahre 1778:

"Quod commentationis genus si vobis non omni fructu carere videbitur, aliarum deinceps ex antiquitate civitatum, Magnae saltem Graeciae ac Siciliae, instituta et leges, quarum quidem memoria ad nos peruenit, pari cura et ratione recensebimus." (16)

Zurück zum Text  14. Ebenda. S. 184-185.

Zurück zum Text  15. www.gutenberg.aol.de/gessner/lmalerey/lmalere2.htm

Zurück zum Text  16. Heyne, Christian Gottlob: Legum Locris a Zaleuco scriptarum fragmenta. Commentatio prior. Ad commendandum novum Prorectorem Ge. Henr. Ayrer d. 3. Julii 1767. [Academiae Georgiae Augustae Prorector Chr. Guil. Fr. Walchius D. cum senatu successorem suum Ge. Henricum Ayrer civibus commendat in a.d. III. Julii MDCCLXVII.]. In: OP. Bd. 2. 1787. S. 12-23. S. 13.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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