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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Censura und recensio. Zensur und Rezension.


Die Zensur (censura) war auch eine Form der wissenschaftlichen Bewertung. Die Opuscula academica Christian Gottlob Heynes setzen sich aus den Prolusiones für einzelne Wissenschafter und deren Zensuren (censurae) zusammen. Der Begriff Kunstrichter hingegen bezieht sich auf die Beurteilung der Literatur und schönen Künste. Anläßlich einer Besprechung der Antrittsrede des Göttinger Professors für Beredsamkeit und Poetik Heyne De verum bonarum artium litterarumque incrementis ex libertate publica wird in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste das Ideal des ethisch und sinnlich rechtmäßig urteilenden Kunstrichters angeführt:

"Es ist leicht zu begreifen, daß dieser sittliche Charakter auch für den Schriftsteller, für den Kunstrichter, für den Leser oder Beurtheiler nicht umsonst seyn könne. Die Erfahrung hat es seit Jahrhunderten bestätigt, und ihr stimmen die größten Kunstrichter bey." (17) Herders Briefwechsel die Büchercensur betreffend aus dem Jahre 1764 dokumentiert die zeitgenössische Zensur. Der Begriff Kritik wird in der Schrift Censur ueber Bücher in Ludewig Anton Muratoris Werk Kritischer Abhandlung von dem guten Geschmacke in den schoenen Kuensten und Wissenschaften aus dem Jahre 1772 in einer Sentenz erläutert, die zum behutsamen Umgang bei einer Kritik aufruft. In einem anderen Abschnitt behandelt Muratori die Frage "Wann, wie und wo eine Censur ueber andere Buecher abzufassen" ist. (18)

Der Nachfolger Friedrich des Großen, Friedrich Wilhelm, erließ im Jahre 1788 ein Religions -und Zensuredikt. Bis zum Anfang der Regierungszeit Maria Theresias lag die Zensur in Österreich in den Händen der Universitäten. Die Buchproduktion in Österreich blieb deutlich hinter der in Deutschland zurück und Bücher wurden aus dem Ausland eingeführt. Es gab Zensurstellen der Landesregierungen. Im Jahre 1782 erscheint im Vorwort der Monatsschrift Der Freymüthige mit Landesfuerstlichen Verordnungen, Abhandlungen, Recensionen und Nachrichten der Begriff Kritik mit der Definition "ueberhaupt unser Urtheil freymuethig sagen, doch die Maeßigung und den Anstand, der Gelehrten geziemet, niemals aus dem Augen zu setzen." (19) Hier wird der Erlaß veröffentlicht, der Kritik als Methode und Form der Äußerung gesellschaftlich etabiert:

Landesfuerstliche Verordnungen
Auszug aus der kaiserl. koenigl. oesterreichischen Verordnung vom 11 Junius 1781, die Buechercensur und Preßfreyheit betreffend

3. Kritiken, wenn es nur keine Schmaehschriften sind, sie moegen nun treffen, wen sie wollen, von Landesfuersten bis zum Untersten, sollen, besonders wenn der Verfasser seinen Namen dazu drucken laeßt, und sich also fuer die Wahrheit der Sache dadurch als Buerge darstellt, nicht verbothen werden, da es jedem Wahrheitliebenden eine Freude seyn muß, wenn ihm selbe auch in diesem Wege zukommt. (20)

Friedrich Engels beschrieb in Die Rolle der Gewalt in der Geschichte die Zensur in Österreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:

Die durch die Schutzzölle Josephs II. eingeleitete, durch die italienische Polizeiwirtschaft Franz" I. verschärfte, durch die Auflösung des Deutschen Reichs und den Rheinbund auf die Spitze getriebne Scheidung Deutsch-Östreichs vom übrigen Deutschland blieb auch nach 1815 faktisch in Kraft. Metternich umgab seinen Staat nach der deutschen Seite hin mit einer förmlichen chinesischen Mauer. Die Zölle hielten die stofflichen, die Zensur die geistigen Produkte Deutschlands draußen, die namenlosesten Paßschikanen beschränkten den persönlichen Verkehr auf das notwendigste Minimum. Im Innern sicherte eine selbst in Deutschland einzig dastehende absolutistische Willkür vor jeder, auch der leisesten, politischen Regung. So hatte Östreich der ganzen bürgerlich-liberalen Bewegung Deutschlands absolut ferngestanden. Mit 1848 fiel wenigstens die geistige Scheidewand großenteils hinweg;" (21) Friedrich Engels Rezension des Ersten Bandes von Das Kapital für die Fortnightly Review, die Engels zwischen dem 22. Mai und 1. Juli 1868 verfaßte, behandelt die historischen Entwicklungen, mit denen Marx seine ökonomischen Theorien aufzeigt. (22)

Zurück zum Text  17. Anonymus: Vermischte Nachrichten. In: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste; 1763. Bd. 10. 1. St. S. 150.

Zurück zum Text  18. Muratorus, Ludewig Anton: Kritische Abhandlung von dem guten Geschmacke in den schoenen Kuensten und Wissenschaften. Augsburg 1772. S. 640 und S. 643.

Zurück zum Text  19. Der Freymüthige. Eine Monatsschrift von einer Geellschaft zu Freyberg im Breisgau. Hrsg. von Kaspar Ruef, Matthias Dannenmayer und Joseph Anton Sauter. Ulm und Freyburg 1782. 1. Band. S. 7-15. Zitat S. 5.

Zurück zum Text  20. Der Freymüthige. O. c. Zitat S. 9.

Zurück zum Text  21. Marx, Karl; Engels, Friedrich: Werke. Berlin. Band 21. 5. Auflage 1975. unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962. Berlin/DDR. S. 405-461.

Zurück zum Text  22. Marx, Karl; Engels, Friedrich: Werke. 6. Auflage. Band 21. Berlin 1975. S. 288-309.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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