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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Censura und recensio. Zensur und Rezension.


Am 10. Dezember 1835 beschloß die Regierung, daß Mitarbeiter der Zensurbehörde die Pflicht haben, gegen Verfasser, Drucker und Vertreiber der Schriften des Jungen Deutschland und der Jungen Literatur vorzugehen. Heinrich Heine bemerkt in den Reisebilder IV - Englische Fragmente im Schlußwort vom 29. November 1830:

Es war eine niedergedrückte, arretierte Zeit in Deutschland, als ich den zweiten Band der Reisebilder schrieb und während des Schreibens drucken ließ. Ehe er aber erschien, verlautete schon etwas davon im Publikum, es hieß mein Buch wolle den eingeschüchterten Freiheitsmut wieder aufmuntern, und man treffe schon Maßregeln, es ebenfalls zu unterdrücken.Bei solchem Gerüchte war es ratsam, das Werk um so schneller zu fördern und aus der Presse zu jagen. Da es eine gewisse Bogenzahl enthalten mußte, um den Ansprüchen einer hochlöblichen Zensur zu entgehen: so glich ich in jener Not dem Benvenuto Cellini, als er beim Guß des Perseus nicht Erz genug hatte, und zur Füllung der Form, alle zinnerne Teller, die ihm zur Hand lagen, in den Schmelzofen warf." (34)

Die Verfassung des Deutschen Reichs von 1849 verankert die freie Meinungsäußerung eines jeden Deutschen als Grundrecht. Im wilhelminischen Deutschland war die Vorzensur abgeschafft, aber es wurde eine Nachzensur durch Polizei und Justiz ausgeübt. Johann Wolfgang von Goethe verfaßte eine Recension einer Anzahl französischer satyrischer KupfersticheDie Schrift Zur Recension der deutschen Grammatik verfaßte Jacob Grimm im Jahre 1826. Die Schrift Ueber das Recht, besonders das der Hierarchie auf Censur und Bücherverbote und über die sich anmaßende Abgaben-Befreiung der katholischen Geistlichkeit in weltlichen Dingen von Johann H. Ernesti wird in Leipzig im Jahre 1829 veröffentlicht. Johann F. Benzenberg veröffe ntlicht im Jahre 1841 seine Abhandlung Ueber Pressfreiheit und Censur. Karl Marx verfaßte am 17. März des Jahres 1843 eine Erklärung, „daß er der jetzigen Zensurverhältnisse wegen aus der Redaktion der Rheinischen Zeitung mit dem heutigen Tage ausgetreten ist." (35) Im Jahre 1843 und 1848 erscheinen die Werke Ueber die Censur von Georg Wolfgang Lochner und Über Censur und Redefreiheit von Friedrich G. Leue im Jahre 1848. Die Deutsche Zeitung ohne Censur wird im Jahre 1846 publiziert.

Gerhart Hauptmanns Werk Die Weber, Arthur Schnitzlers Der Reigen und Frank Wedekinds Frühlings Erwachen und Die Büchse der Pandora wurden zensiert. Seit 30. Oktober 1918 ist durch den Beschluß der Provisorischen Nationalversammlung jede Zensur in Österreich als dem Grundrecht der Staatsbürger widersprechend als rechtsungültig aufgehoben. Im Nachkriegsdeutschland wird nachträgliche Zensur durch Prozesse gegen Autoren ausgeübt. Im Jahre 1955 wird Strafanzeige gegen Arno Schmidt und Alfred Andersch erstattet. Das Untersuchungsverfahren mit dem Vorwurf der Gotteslästerung und Pornographie in Seelandschaft mit Pocahontas wird im Jahre 1956 eingestellt. In diesem Jahr kommt es zum ersten publizistischen Höhepunkt um Arno Schmidt mit der Veröffentlichung des selbstzensierten Buches Das steinerne Herz.

Zurück zum Text  34. www.gutenberg.aol.de/heine/reisebld/reise43d.htm

Zurück zum Text  35. Marx, Karl; Engels, Friedrich: Werke. Band 1. Berlin 1964. S. 200.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. November 2001
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