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Lars Klinnert: Gentechnik - Ein Eingriff in die Schöpfung?


2 Ethische Kriterien

2.1 Zwei Grundtypen der Ethik

Zu Beginn ist etwas ethische Theorie notwendig. Aber keine Angst; es handelt sich um einen Sachverhalt, der auch vom ethischen Laien gut nachvollzogen werden kann. Man unterscheidet häufig zwei Grundtypen der Ethik: Deontologische Ethik (vom griechischen Wort ‚deon" = Pflicht) und teleologische Ethik (vom griechischen Wort ‚telos" = Ziel).

Eine teleologische Argumentationsweise wägt zwischen verschiedenen Gütern (oder auch Risiken) ab. Wir alle kennen dies aus alltäglichen Entscheidungen: Wenn ich heute Abend überlege, ob ich früh ins Bett gehen oder noch fernsehen soll, werde ich abwägen, was für mich wertvoller sein könnte. Das Gut, für das ich mich entscheide, ist dadurch jedoch noch nicht mit einer unbedingten sittlichen Verpflichtung ausgestattet; es ist lediglich relativ zu anderen Gütern zu bevorzugen. Ein Beispiel aus der christlichen Tradition sind die Ermahnungen in den Briefen des Paulus: "Prüfet alles, aber das Gute behaltet" (1. Thess 5,21) oder "Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten." (1. Kor 10,23)

Eine deontologische Argumentationsweise hingegen geht von unbedingten Pflichten aus. Als solche werden traditionell die Zehn Gebote verstanden. Eine deontologische Argumentation ist wichtig und sinnvoll, wenn betont werden soll, dass es Bereiche gibt, die der Güterabwägung entzogen sind, z. B. wenn es um Menschenleben geht. Ein bekanntes Beispiel dafür, dass eine rein deontologische Argumentation in manchen Situationen aber auch problematisch sein kann, liefert die Ethik Immanuel Kants: Wenn ich es als eine unbedingte Pflicht ansehe, die Wahrheit zu sagen, bin ich auch verpflichtet, einen Unschuldigen, der sich bei mir im Haus versteckt hält, an seine Verfolger zu verraten, wenn sie nach ihm fragen.

Beide Argumentationsweisen finden sich auch im Umgang mit der Gentechnologie. Allerdings kommt eine strikte Unterscheidung beider Ethiktypen eigentlich nur in der Theorie vor. In Wirklichkeit ist der Übergang oft fließend: Je nachdem, wie hoch jemand die Risiken der Gentechnologie einschätzt, wird er eher zu einem strikten Verbot oder zu einem freien Umgang mit ihr tendieren.

Einer deontologischen Position entspräche die Forderung nach einem unbedingten Verbot, die DNA zu manipulieren. Oft wird sie durch das so genannte Slippery-Slope-Argument verstärkt, also das Argument vom rutschigen Abhang: Es geht davon aus, dass, wenn man eine bestimmte technische Entwicklung erst einmal in einem begrenzten Bereich zulässt, deren Anwendung in Bereichen mit größeren Gefahren nicht mehr zu stoppen ist. Darum soll sie lieber ganz unterlassen werden.

Eine rein teleologische Position würde abstreiten, dass es prinzipielle Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Vielmehr sollen jeweils situationsbezogen Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Die Gefahr hierbei ist allerdings, dass auch das menschliche Leben selbst zum Gegenstand von Nutzenabwägungen werden könnte. Auch kann man in eine Abwägung immer nur solche Risiken einbeziehen, welche man bereits kennt. Was aber ist, wenn Gefahren erst später zutage treten, die Entwicklung sich dann aber nicht mehr rückgängig machen lässt? Man denke nur an die Probleme, die wir derzeit mit der Lagerung des Atommülls haben.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 10. April 2002
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