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Lars Klinnert: Gentechnik - Ein Eingriff in die Schöpfung?


3 Etische Prinzipien zur Beurteilung der Gentechnik

Nun ist der Begriff des guten oder gelingenden Lebens zunächst sehr unbestimmt. So darf das Gute zum Beispiel nicht einfach mit dem Nutzen identifiziert werden. Kurzfristige ökonomische Vorteile können langfristig die Lebensbedingungen der Menschen verschlechtern. Ob die Nutzung der Gentechnik vertretbar ist, wird also in einer komplexen Güterabwägung zu prüfen sein, die wirtschaftliche, soziale, ökologische und gesundheitspolitische Aspekte berücksichtigt und die sich auch der Verantwortung für zukünftige Generationen bewusst ist. Der Wiener Theologe Ulrich Körtner hat fünf Beurteilungskriterien vorgeschlagen:

  • Die erste Maxime stellt das so genannte Vorsorgeprinzip dar. Gemeint ist, dass zuerst die Risiken für diejenigen zu prüfen sind, die mit gentechnischen Verfahren umgehen oder gentechnisch veränderte Nahrungsmittel zu sich nehmen. Neben direkten oder indirekten gesundheitlichen Risiken, die konkrete Personen gefährden, sind auch ökologische oder soziale Risiken einzubeziehen, die langfristig die Lebensgrundlagen von Menschen gefährden könnten. Sollte ein gentechnisch hergestelltes Lebensmittel Gefahren bergen, die über die Gefahren eines entsprechenden herkömmlich hergestellten Lebensmittels hinausgehen, ist seine Einführung abzulehnen.
  • Damit verbunden ist als zweite Maxime das Stufenprinzip: Es besagt, dass unterschiedliche Risikograde der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zu unterscheiden sind. So sind zum Beispiel Veränderungen an Haustieren wie Schweinen und Rindern bei eventuellen unerwünschten Nebenfolgen leichter rückgängig zu machen als Veränderungen an sich frei bewegenden Lebewesen wie Insekten oder Mikroorganismen. Die Auswirkungen einer gentechnischen Freisetzung auf die Umwelt müssen genau überwacht werden. Einerseits darf die Gentechnik nicht - wie von manchen Industrielobbyisten - von vornherein pauschal als risikoarm hingestellt werden. Andererseits darf nicht schon bloße Möglichkeit von Risiken dazu führen, bereits deren genauere Erforschung zu verhindern, wie es manche Gegner der Gentechnik fordern.
  • Dritte Maxime ist die Achtung der Eigenwertigkeit nicht-menschlicher Lebewesen. Weil der Mensch nicht für sich existiert, sondern in einen ökologischen Zusammenhang gestellt ist, ist auch die Erhaltung der funktionierenden Ökosysteme und der bestehenden Artenvielfalt eine wichtige Grundlage gelingenden menschlichen Lebens.
  • Für alle vorhergenannten Punkte kommt als weitere Maxime die Beweislastumkehr hinzu: Die Beweislast für die Förderung des Allgemeinwohls hat demnach der Veränderer: Alles Handeln des Menschen muss von dem ausgehen, was als das in der Evolution bzw. in der menschlichen Geschichte Bewährte gelten kann. Eine Veränderung des Bestehenden ist daher nur zu rechtfertigen, wenn der Nutzen nachgewiesenermaßen den möglichen Schaden überwiegt. Wer gentechnische Eingriffe vornehmen will, muss nachweisen, dass diese aller Wahrscheinlichkeit nach keine negativen Folgen haben.
  • Das Demokratieprinzip schließlich besagt, dass Veränderungen, die alle Bürgerinnen und Bürger betreffen, nicht über deren Köpfe hinweg entschieden werden sollen. Daher sind sie angemessen zu informieren und in Entscheidungen mit einzubeziehen: So könnte z. B. durch die strenge Kontrolle und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel dem Verbraucher eine gewisse Wahlfreiheit ermöglicht werden. Zu diesem Zweck müssen Befürworter wie Kritiker ihre Interessen offen benennen und ihre Argumente offen austauschen.
 

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Stand der letzten Aktualisierung: 10. April 2002
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