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Lars Klinnert: Gentechnik - Ein Eingriff in die Schöpfung?


4 Ein Beispiel: Gentechnisch veränderter Mais

Zur Verdeutlichung der gegenwärtigen Situation will ich nun noch einmal unter den vielen Lebensmitteln, die bereits jetzt oder in absehbarer Zukunft gentechnisch verändert auf den Markt kommen, ein Beispiel näher darstellen, den Mais. Die Firma Nestle brachte 1998 den Schokoriegel Butterfinger auf den Markt. Da er in den USA hergestellt wurde, konnte die Firma nicht ausschließen, dass bei der Herstellung Zutaten aus transgenem Mais verwendet wurden. Als erstes Produkt in Deutschland versah man den Riegel darum mit dem Text "aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt". Mittlerweile wurde er allerdings wieder vom Markt genommen.

Zusammen mit Reis und Weizen gehört Mais zu den wichtigsten Nahrungsmitteln weltweit. Mais ist vor allem reich an Stärke, enthält aber auch relevante Mengen an Eiweiß und Öl. In vielen Entwicklungsländern gehört Mais zu den lebenswichtigen Grundnahrungsmitteln. Bei uns werden nur einige Produkte wie z. B. Cornflakes direkt aus Mais hergestellt. Eine wichtigere Bedeutung kommt dem Mais als Öl- und Stärkelieferant zu. Ein großer Teil der Maisernte wird außerdem als Tierfutter verwendet und kommt so über den Umweg der Tiermast auf unseren Tisch.

Ohne den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln könnte sich der Mais nicht gegen wild lebende Pflanzen durchsetzen. Auch Insektizide sind beim Maisanbau unabdingbar, da die Raupen des Maiszünslers in Europa jährlich bis zu 20 % der Maisernte vernichten. Seit langem findet dabei ein Insektengift Verwendung, das aus einem Bodenbakterium, dem Bacillus thuringiensis gewonnen wird. Bei diesem kurz BT-Toxin genannten Gift handelt es sich um Proteine, die gegen verschiedene Arten von Schädlingen spezifisch wirken. Das Gift entfaltet seine Wirkung im Darm der Insekten und tötet sie. Für andere Organismen, also auch für den Menschen, stellt das Gift keine Gefahr dar. Wissenschaftlern ist es nun gelungen, das Gen zur Produktion dieses Giftes auf den Mais zu übertragen. Neben diesem Gen besitzt der veränderte Mais in der Regel noch eine Antibiotikaresistenz, die als so genannter Marker dient, um Pflanzen auszusortieren, bei denen der Gentransfer nicht geklappt hat. Bisher werden transgene Maissorten nach Europa nur importiert und bei der Lebensmittelproduktion verwendet, aber noch nicht hier angebaut.

Die Anzahl der Produkte, die Maisrohstoffe enthalten, wird auf etwa 20 000 geschätzt. Zukünftig könnten alle diese Produkte auch Bestandteile aus transgenem Mais enthalten. Allerdings müssen nur solche Produkte gekennzeichnet werden, in denen der veränderte Mais noch nachweisbar ist. Lebensmittelzusatzstoffe, wie sie vor allem in Fertigprodukten enthalten sind, bedürfen selbst in diesem Fall keiner Kennzeichnung. Gekennzeichnet werden müssten also Produkte aus Maismehl und Maisgrieß wie Knabbergebäck oder Cornflakes. Produkte, die Maiskeimöl enthalten (wie Salatöl oder Margarine) sowie Maisstärke oder modifizierte Stärke (wie Pudding, Fertigsuppen und Tiefkühlprodukte), müssten nicht gekennzeichnet werden.

Nach Berechnungen der Herstellerfirma Novartis könnte bei gleichen Netto-Ertrag die Verwendung von transgenem Mais folgende Einsparungen allein in den USA bringen: 2,5 Mio. Hektar weniger Anbaufläche, 100.000 Tonnen weniger Mineraldünger, 102 Mio. Liter weniger fossile Brennstoffe sowie 20 bis 30 Mio. US-Dollar weniger an Pestiziden.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 10. April 2002
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