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Lars Klinnert: Gentechnik - Ein Eingriff in die Schöpfung?


5.3 Soziale Risiken

Neben den gesundheitlichen und ökologischen sind auch die sozialen Folgen der Gentechnik ein wichtiger Faktor zur Beurteilung: Im Jahr 2025 werden voraussichtlich 8 Milliarden Menschen die Erde bewohnen. Gleichzeitig geht die Gesamtsumme der zur Verfügung stehenden Anbauflächen für Nahrungsmittel zurück, zum Beispiel durch Bodenerosion. Befürworter der Gentechnik hoffen, dass die weltweite Ernährung gesichert werden kann, indem man Nutzpflanzen gentechnisch gegen Schädlinge, Krankheiten, Dürre, hohe Temperaturen und Bodenversalzung widerstandsfähig macht. Von Gegnern wird hingegen befürchtet, dass die Einführung gentechnisch produzierten Saatgutes die ökonomische Abhängigkeit der Bauern in den Entwicklungsländern steigert. Außerdem kann an der langfristigen Beständigkeit der Resistenzen in den gentechnisch veränderten Pflanzen gezweifelt werden: Denn erfahrungsgemäß passen sich Schädlinge und Krankheitserreger mit der Zeit an resistente Pflanzen an. Zudem würde durch gentechnisch einheitliches Saatgut die Sortenvielfalt gefährdet, die einen wirksamen natürlichen Schutz gegen die Ausbreitung von Schädlingsbefall darstellt.

Auch könnten den armen Ländern sogar Einnahmemöglichkeiten verloren gehen, wenn zum Beispiel genetisch veränderte Südfrüchte auch in den nördlicher liegenden Industriestaaten angebaut werden oder wenn genetisch modifiziertes Rapsöl das Kokosöl ersetzt. Schließlich lenkt die einseitige Konzentration auf die gentechnische Lösung der Ernährungsprobleme von den komplexen - eben auch ökonomischen und politischen - Ursachen für Hunger und Mangelernährung ab.

Als warnendes Beispiel gegen übertriebene Hoffnungen dient häufig die so genannte Grüne Revolution in den siebziger Jahren. Damals wurde durch den Einsatz von Kunstdünger, Pestiziden und Insektiziden die Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern erheblich gesteigert. Gleichzeitig wurden aber viele Kleinbauern ruiniert und die Kluft zwischen Armen und Reichen wuchs ebenso wie die Abhängigkeit von den Industrienationen.

Selbst in unseren Breiten könnte die Gentechnik negative soziale Folgen haben. So stellt in Frankreich ein großer Lebensmittelkonzern Backprodukte mit einem gentechnisch veränderten Enzym her, wodurch diese länger gelagert und über größere Strecken transportiert werden können. Dadurch sind viele kleine Bäckereibetreibe in ihrer Existenz gefährdet. Hinzu kommt, dass durch die längeren Transportwege natürlich auch die Umwelt stärker belastet wird.

Ob durch die Biotechnologie in der Bilanz Arbeitsplätze geschaffen oder vernichtet werden, bleibt zumindest abzuwarten. Zurückhaltung ist geboten, wenn Politiker und Unternehmer die wirtschaftlichen Folgen der Gentechnik ausschließlich positiv darstellen.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 10. April 2002
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