Dr. Rainer Hering: Aufdecken.
Gedichte
Margot Scharpenberg
Bücher
Unvermeidlich
der Staub auf den Büchern
aber den Worten
liegt er nicht auf
vergilbte Seiten
wiegen uns fälschlich
in Sicherheit
die Kleider aus Seide
zerschleißen
mürbe Moden
darunter die Körper
glauben wir alt
nach all den Sprüchen
kein Widerspruch
nur mattes Verenden
seien wir
sanft zu den Leichen
drücken wir ihnen
die Augen zu
Täuscher
noch aus dem Staub
langt es nach uns
und hält uns in Atem
hält uns den Atem kurz
wir altern
unter dem Stimmengewirr
der eingeschreint Jungen
ihnen zu Füßen
als ihre Fuß-
noten
schlafen wir ein
(aus: Margot Scharpenberg: Neue Spuren. Vierundsechzig Gedichte mit achtzehn
Aufnahmen indianischer Felsbilder von Klaus F. Wellmann. Duisburg 1975, S. 47-48)
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