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Dr. Rainer Hering: Der Hochschullehrer Peter Borowsky.


Sehr geehrte Frau Borowsky, lieber Herr Liermann, lieber Herr von Klemperer, liebe Frau Vogel, Herr Vizepräsident, meine Damen und Herren!

Als Schüler Peter Borowskys möchte ich stellvertretend für die Generationen von Studierenden sprechen, die er ausgebildet, begleitet, gefördert, geprüft und geprägt hat. Am Tag seiner Beerdigung kannte ich ihn genau zwanzig Jahre - zwei Jahrzehnte, die mich geprägt haben und für die ich ihm sehr dankbar bin. Noch immer können wir alle es nicht fassen, dass er nicht mehr unter uns ist. Noch immer ist er präsent, in unseren Gedanken, im Historischen Seminar, sehen wir ihn vor uns, hören wir seine Stimme, fühlen wir seine Nähe.

Peter Borowsky war ein Phänomen. Er verband in einzigartiger Weise preußische Tugenden mit südländischer Lebensfreude und Fröhlichkeit. Er besaß eine ungeheure Arbeitskraft und -disziplin, einen ausgeprägten Ordnungssinn, Organisationsfähigkeit und Struktur, verbunden mit einer seltenen Bescheidenheit, was die eigene Person anging. Zugleich konnte er das Leben genießen, wirkte immer fröhlich, gut gelaunt und lebensbejahend. Stets mit Krawatte korrekt und zugleich modisch gekleidet, fotogen belebte er das Seminar und strahlte Optimismus aus. Er genoss seine wunderschöne Wohnung an der Elbe, die vielen Reisen, gutes Essen, Literatur und besonders die Musik. Er war ein vorzüglicher Koch, ein perfekter Gastgeber und charmanter Unterhalter. In den achtziger Jahren trafen sich seine Tutorinnen, Tutoren und Hilfskräfte regelmäßig bei ihm oder reihum zum gemeinsamen Kochen, Essen, Reden und Spielen - in der Folge erhielt er zu einem Geburtstag ein selbstentwickeltes Würfelspiel, in dem es um den Weg vom Erstsemester zum Magisterabschluss am Fachbereich ging.

Peter Borowskys besonderes Engagement galt der Vermittlung. Seine Zielgruppe war neben dem akademischen Bereich gerade ein breites Publikum: In gut lesbaren Überblicksdarstellungen mit hohen Auflagen hat er Interessierten die deutsche Geschichte nach 1945 nahe gebracht und seine Hitler-Biographie für Jugendliche vermittelt Hintergründe über das „Dritte Reich" für eine von der Wissenschaft oft vernachlässigte Zielgruppe. Legendär und in der Lehre bewährt ist in fünfter Auflage die „Einführung in die Geschichtswissenschaft" von Borowsky, Vogel und Wunder, oft „BoVoWu" genannt. Seine jahrzehntelange Lehrtätigkeit in den USA, seine Vorträge im Ausland zeigten seine gelebte internationale und fächerübergreifende Offenheit, die auch sein Wirken in Hamburg prägte.

In zahllosen Gremiensitzungen engagierte Peter Borowsky sich auf der institutionellen Ebene in der Gestaltung der Proseminare und besonders für die Reform des Universitätsstudiums, für eine Universität, wie er sie sich wünschte und wie er sie lebte: den gleichberechtigten Dialog von Lehrenden und Lernenden. Er war für die vielen Studierenden und Promovenden da, zu keinem Zeitpunkt hat er jemanden abgewiesen. Er hat alle angenommen, die bei ihm geprüft werden wollten, er hat niemanden aus seinen übervollen Lehrveranstaltungen verwiesen, keine Tricks versucht, um die Zahl seiner Studierenden zu verringern. Seine Seminare waren gut vorbereitet, klar strukturiert und wurden von ihm in freier Atmosphäre erfrischend und stringent auf hohem Niveau geleitet.

Er hat sich in jeder Sprechstunde die erforderliche Zeit genommen und sich auf den einzelnen eingestellt. Wie viele Studienberatungen, wie viele Gespräche als Zwischenprüfungsbeauftragter mag er geführt und so Studierenden Mut gemacht, Vertrauen geschenkt und sie für ihren weiteren Weg unterstützt haben? Wie viele Sprachklausuren im Rahmen der Zwischenprüfung mag er entworfen, wie viele korrigiert haben?

Überall las und korrigierte er, zu Hause, unterwegs, während seiner regelmäßigen Lehrtätigkeit in den USA oder als Reisebegleiter und selbst im Urlaub war die Tasche mit Magister-, Staatsexamenarbeiten und Dissertationen dabei. Laufend schrieb er Gutachten für seine Schülerinnen und Schüler in allen gewünschten Sprachen. Vor allem bei seinem letzten Aufenthalt am Smith College 1998 verging keine Woche, in der nicht mindestens eine dicke Sendung mit Examensarbeiten, -klausuren oder Manuskripten über den Atlantik geschickt und von ihm neben der vollen Lehrtätigkeit durchgearbeitet, mit weiterführenden Anmerkungen und Kommentaren sowie Gutachten versehen wurde. Peter Borowsky bewältigte ein riesiges Arbeitspensum, ohne diese schwere Last zu beklagen. Leider wurde das viel zu oft als selbstverständlich hingenommen. Als er wieder einmal - wie an jedem Montag - einen dicken Stapel von Hausarbeiten aus Blankenese in die Universität geschleppt hatte und den nächsten einpackte, sagte er, er fühle sich wie eine „Gutachtenmaschine".

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 7. Juni 2002
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