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Dr. Rainer Hering: Der Hochschullehrer Peter Borowsky.


Und trotz dieses Massenbetriebes war es nie unpersönlich bei ihm. Er kannte auch in Seminaren mit über hundert Studierenden alle mit Namen und behielt diese auch noch nach vielen Jahren im Kopf. Aber es war mehr als das phänomenale Gedächtnis, was diese persönliche Atmosphäre in der Massenuniversität schuf - es waren sein wirkliches Interesse an den Menschen und seine Neugier auf das, was die Studierenden im Seminar und in ihren Arbeiten herausgefunden hatten. Er hat trotz seiner herausgehobenen Rolle als Dozent und seiner umfassenden Kenntnisse die Studierenden als gleichberechtigte in einem gemeinsamen Lernprozess verstanden und sie das auch spüren lassen. Er hat Studierende immer ernst genommen und seinen Wissensvorsprung nicht gegen sie ausgespielt. Es gab bei ihm - und das ist leider nicht selbstverständlich - keinerlei Arroganz und Überheblichkeit, er hat sich nicht in den Mittelpunkt gestellt und auch in Diskussionen nie vorgedrängt oder andere verdrängt. Dieses Verständnis von Universität galt auch für die abzählbar unendliche Zahl von Proseminaren, die er angeboten hat und mit der er nicht nur Tausenden die Geschichtswissenschaft vertraut gemacht, sondern viele von uns auch für ihr weiteres Leben mit ihr verbunden hat. Nicht nur einmal war in den letzten Monaten zu hören, dass Studierende durch Peter Borowsky zur Geschichte gekommen und bei ihr geblieben sind. Wechsel vom Neben- zum Hauptfach nach einer Veranstaltung bei ihm waren keine Seltenheit. Peter Borowsky wurde von den Studierenden nicht nur respektiert und geschätzt, sondern sehr verehrt.

Um so unverständlicher war es, dass er nicht zum Professor übergeleitet wurde. Diese kränkende Erfahrung, die jahrelangen bitteren Auseinandersetzungen haben ihn - auch wenn er es nur selten durchblicken ließ - schwer getroffen und sehr tief verletzt. Die ihm gebührende Anerkennung erhielt er in den USA und von seinen Studierenden. Mit dem Slogan „Boro zum Prof!" setzten sich seine Hamburger Schülerinnen und Schüler sowie einige Kolleginnen und Kollegen für ihn und seine Überleitung ein, vergeblich. Erst zu Beginn der neunziger Jahre wurde durch die Vermittlung Professor Arnold Sywotteks ein Weg gefunden, der über die Habilitation zur Prüfungsberechtigung und dem verdienten Professorentitel - nicht aber zu einer Professorenstelle - führte.

Innerlich entfernte sich Peter Borowsky von dieser Universität, nicht aber von seinen Studierenden, für die er nunmehr auch als Erstgutachter und Doktorvater zur Verfügung stand und eine noch größere Belastung auf sich nahm. Der engere Schülerinnen- und Schülerkreis dankte es ihm mit einer Dia-Show zu seinem 60. Geburtstag, die abgestimmt auf die Musik mit Fotos und Zeichnungen seinen Weg in Hamburg seit 1961 nachzeichnete. Auf der Geburtstagsfeier im Universitätsgästehaus entstand die Idee, ihn zum 65. Geburtstag mit einer Festschrift zu überraschen, um ihn mit der klassischen Dankesbezeugung der Wissenschaft zu ehren, die ihm so lange die Wissenschaftlichkeit abgesprochen hatte. Nachdem seine schwere Krebserkrankung diagnostiziert worden war, hielten wir an diesem Vorhaben fest. Die Resonanz bei den Kolleginnen und Kollegen sowie ehemaligen Studierenden im In- und Ausland war einhellig positiv. Ermutigt haben uns spontane Reaktionen, wie die von Klemens von Klemperer, der auf seine Mitwirkung während einer Tagung in den USA angesprochen, sofort sagte: „I would do everything for Peter Borowsky" und kurz darauf als erster seinen Beitrag lieferte. Zum 3. Juni 2003 wird die Gedenkschrift für Peter Borowsky mit ungefähr fünfzig Beiträgen im Westdeutschen Verlag vorliegen. Wer über das Erscheinen dieses Bandes informiert werden möchte, trage sich bitte in die Liste am Ausgang ein. Für Rückfragen stehen die Herausgeber Rainer Nicolaysen und ich zur Verfügung. Anregungen für die Finanzierung werden noch gern entgegengenommen.

Dies kann nur ein kleiner Dank sein für die Motivation, Anregung, Förderung und vor allem die Freude an der Geschichtswissenschaft, die er uns gegeben hat. Peter Borowsky hat seine Schülerinnen und Schüler nachhaltig geprägt. Sein Vermächtnis ist es, die Vermittlung von Geschichte und das Verständnis von Universität so fortzusetzen, wie wir es bei ihm erfahren haben - in großer Offenheit grenzüberschreitend über Fächer- und Kontinente hinweg, mit Herzblut, mit interessierter Neugier, im Dialog vorbehaltlos die anderen ernst nehmend. Peter Borowsky wird in unserem Denken, in unseren Herzen und in unserem Handeln weiterleben und uns als Vorbild begleiten.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 7. Juni 2002
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