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Dr. Rainer Hering: Archive in Hamburg.


Rechtsgrundlage der archivischen Tätigkeit ist - wie schon erwähnt - ein Archivgesetz, das in Hamburg im Januar 1991 von der Bürgerschaft beschlossen und vom Senat verkündet wurde. Darin ist auch die Benutzung des Archivgutes geregelt, in Paragraph fünf, Absatz eins, heißt es: "Jeder hat das Recht, staatliches Archivgut auf Antrag zu amtlichen, wissenschaftlichen, heimatkundlichen oder publizistischen Zwecken sowie zur Wahrnehmung berechtigter persönlicher Interessen zu benutzen, soweit in diesem Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes nichts anderes bestimmt wird und andere Gesetze nicht entgegenstehen." Allgemein ist festzuhalten: Die Benutzung des Archivguts ist - sofern durch Rechtsvorschriften keine anderen Fristen bestimmt sind - nach Ablauf des 30. Jahres nach seiner endgültigen Entstehung zulässig. Unterlagen, die sich nach ihrer Zweckbestimmung oder ihrem wesentlichen Inhalt auf eine natürliche Person beziehen, dürfen erst zehn Jahre nach dem Tode der Betroffenen benutzt werden. Ist das Todesjahr nicht zu ermitteln, endet die Schutzfrist 90 Jahre nach der Geburt der Betroffenen, ist auch das Geburtsjahr nicht festzustellen, endet sie 60 Jahre nach der endgültigen Entstehung. Auch Archivgut, das besonderen Geheimhaltungsvorschriften unterliegt, darf erst mit Ablauf des 60. Jahres nach seiner endgültigen Entstehung benutzt werden. Eine Verkürzung dieser Schutzfristen ist in begründeten Fällen möglich. Diese und weitere Einzelheiten sind im Archivgesetz geregelt. Archivgut privater Herkunft, z.B. von Parteien, Verbänden, Vereinen, Firmen, Familien und Einzelpersonen, sind auch im Staatsarchiv zu finden, ihre Benutzung erfolgt gemäß Vereinbarung mit den Eigentümern. Für nichtstaatliche Archive gelten eigene Benutzungsbestimmungen.

Wie sieht nun die konkrete Arbeit der Archivarinnen und Archivare aus? Sie verwandeln Registraturgut in Archivgut. Die Tätigkeit läßt sich in drei Bereiche untergliedern:

1. Am Anfang steht die "Archivpflege", d.h. die Bewertung und Übernahme der von staatlicher und privater Seite angebotenen Unterlagen. Es ist weder finanzierbar noch sinnvoll, alles aufzubewahren, weil eine solche Informationsflut von niemandem bewältigt werden könnte. Daher wird anhand von archivfachlichen Kriterien für jeden Registraturbildner eine individuelle Auswahl der "archivwürdigen" Unterlagen getroffen. Ziel ist es, ein Überlieferungskomprimat zu bilden, d.h. möglichst viel Information auf wenig Raum zu überliefern. Doch auch so wachsen die Bestände rapide: Der jährliche Zuwachs des Staatsarchivs liegt bei mehreren hundert Regalmetern.

2. Die Unterlagen, die für "archivwürdig" erklärt und so ins Archiv gelangt sind, müssen in einem weiteren Arbeitsschritt konservatorisch aufbereitet, d.h. in der Regel entmetallisiert und umgebettet in Mappen aus säurefreiem Karton, geordnet und verzeichnet werden. Die so entstehenden Bestandsverzeichnisse ermöglichen dann einen raschen Zugriff auf das gesuchte Quellenmaterial.

3. Die Nutzung des Archivgutes ist der dritte Aufgabenbereich der Archivarinnen und Archivare. Aus dem Archivgut werden schriftliche wie mündliche Auskünfte erteilt und die Benutzerinnen und Benutzer werden im Lesesaal betreut. Ihre auf die jeweilige Fragestellung zugeschnittene individuelle Beratung ist eine der zentralen Tätigkeiten. Darüber hinaus erfüllt das Staatsarchiv zahlreiche Dienstleistungen für die hamburgische Verwaltung, z.B. Ermittlungen für rechtliche oder historische Zwecke, Vorlage von Akten oder Erstellen von Gutachten.

Aus den bisherigen Ausführungen wird schon deutlich, daß ein Archiv anders zu benutzen ist als eine Bibliothek. Die sofortige Vorlage der im Magazin des Staatsarchivs befindlichen Unterlagen ist in der Regel nicht möglich. Zunächst einmal muß geklärt werden, ob eine Archivbenutzung zur Beantwortung der Fragestellung überhaupt erforderlich ist. Zu diesem Zeitpunkt sollten bereits die gedruckten Informationen ausgewertet sein; Hinweise dazu geben Bibliographien. Gelangt man dann zum Ergebnis, daß die Archivbenutzung unbedingt erforderlich ist, muß ein Antrag gestellt werden, in dem Zweck und Thema möglichst präzise benannt werden sollten. Dies kann formlos schriftlich oder direkt im Beratungsdienst erfolgen, den das Staatsarchiv zur Geschäftszeit anbietet. Hier werden auch schon erste Fragen geklärt und weiterführende Hinweise gegeben. Die im Anhang genannte "Kommentierte Übersicht über die Bestände" ermöglicht eine erste Orientierung. Im Archiv wird der Benutzungsantrag dann entsprechend der fachlichen Zuständigkeit einer Referentin bzw. einem Referenten zugeschrieben, die/der dann die infrage kommenden Unterlagen recherchiert bzw. die entsprechenden Findbücher, aus denen dann selbständig bestellt werden kann, bereitlegt. Nach einer Terminabsprache können diese im Lesesaal eingesehen werden. Die Referentin bzw. der Referent bleibt für die weitere Benutzung Ansprechpartner, so daß weitere Fragen geklärt und ggf. zusätzliche Archivalien bereitgestellt werden können. Nach Abschluß der Arbeit erhält das Staatsarchiv ein Belegexemplar der Forschungen, für die seine Bestände ausgewertet worden sind.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 7. Juni 2002
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