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Dr. Rainer Nicolaysen: Nachruf Prof. Dr. Peter Borowsky


Peter Borowsky hat Generationen von Hamburger Geschichtsstudentinnen und -studenten unterrichtet, betreut, geprägt. Er war ein hinreißender akademischer Lehrer, ein erstaunlicher, ein wunderbarer Mensch, und nicht selten hörte man unter den Studierenden, er sei eigentlich ein Phänomen: immer von geradezu erfrischender Freundlichkeit, stets ansprechbar und interessiert an inhaltlichen Aspekten wie an den Studierenden selbst. Dass diese Fähigkeiten irgendwann als selbstverständlich wahrgenommen worden seien, ließe sich wohl annehmen, aber ich denke, wir Studierenden spürten und wussten sehr genau, dass dieses etwas ganz Besonderes war. "Wie macht er das bloß?", war eine häufig zu hörende Frage, die Bewunderung mit Verwunderung verband. Sogar Geschichtsstudierende, die gar keine Seminare bei Peter Borowsky belegten, empfanden, dass der 9. Stock des Philosophenturms durch seine bloße Präsenz heller und lebendiger erschien.

Peter Borowskys Veranstaltungen waren meist überfüllt. Aber schon die Art, wie er in der ersten Sitzung den Seminarraum betrat - schwungvoll und aufgeräumt -, signalisierte, dass nun aus dieser Lehr- und Lernsituation das Beste zu machen sei. Die Seminare waren klar vorstrukturiert, ließen den Studierenden aber viel Raum. Diskussionen fanden in selten freier Atmosphäre statt, ohne allerdings je beliebig zu werden. Denn wenn das Gespräch einmal eine wenig konstruktive Richtung nahm, verstand es Peter Borowsky, mit entwaffnender Direktheit auf ein fruchtbares Gleis zurückzulenken.

Wir Studierenden fühlten uns bei ihm ernst genommen und auch persönlich angesprochen. Dazu trug nicht unmaßgeblich bei, dass er - offenbar über ein unglaubliches Namensgedächtnis verfügend - jede Studentin und jeden Studenten seiner vielen Seminare von Beginn an mit Namen ansprach und diesen auch viele Jahre später nicht vergessen hatte.

Stets begegnete er uns mit großer Offenheit und wachem Interesse; einmalig waren seine Sprechstunden. Wie oft gingen Studierende zweifelnd hinein und kamen gestärkt und optimistisch heraus! Auf der fachlichen Ebene kam Peter Borowsky zielsicher auf die zentralen Aspekte zu sprechen, aber nicht minder wichtig war die ihm eigene menschliche Ausstrahlung, die uns und unser wissenschaftliches Arbeiten motivierte. Viele ehemalige Studierende haben in Gesprächen der letzten Wochen auch betont, eine Sprechstunde bei Peter Borowsky sei völlig angstfrei gewesen: eine, wie mir scheint, sehr bemerkenswerte Charakterisierung.

Sicher hat dies auch dazu beigetragen, dass so viele Studentinnen und Studenten Peter Borowsky als Prüfer wählten. Nicht dass es bei ihm leichter gewesen wäre, aber es war einfach ein beruhigendes Gefühl, in der Prüfung einem Menschen mit derart feinem Gespür zu begegnen. Nie hat Peter Borowsky jemanden abgewiesen, der bzw. die bei ihm ein Seminar oder eine Prüfung machen wollte.

Dabei schien alles, was er tat, von einer fast spielerischen Leichtigkeit; vielleicht geriet dadurch für uns Studierende manchmal aus dem Blick, welch" ungeheure Arbeitsleistung sich dahinter verbarg. Seminar- und Examensarbeiten wurden in allen Verkehrsmitteln und selbst in den entlegensten Weltgegenden korrigiert; während seiner Gastprofessuren in den USA "schmiss" Peter Borowsky auch noch den "Hamburger Laden": Gutachten, Empfehlungsschreiben, ermunternde Ratschläge kamen prompt - ob nun gerade ein Ozean dazwischen lag oder nicht. Es war eine große Belastung und häufige Überlastung, die er für uns auf sich nahm und über die er - jedenfalls den Studierenden gegenüber - kein Wort verlor.

Dass ausgerechnet dieser so herausragende akademische Lehrer keine Universitätsprofessur erhielt, wurde von den Studierenden - und natürlich auch von vielen anderen - als große Ungerechtigkeit empfunden. "Boro zum Prof!" lautete der studentische Slogan schon in den achtziger Jahren.

Peter Borowsky wurde von Studierenden und Promovenden geschätzt und - hier passt das Wort einmal wirklich - verehrt. Vor zweieinhalb Jahren, anlässlich seines sechzigsten Geburtstages, feierten wir unseren akademischen Lehrer. Bei dieser Gelegenheit entwickelte der "Schülerinnen- und Schülerkreis" auch den Plan, zum 65. Geburtstag eine Festschrift zu veröffentlichen. Niemand ahnte damals die Krebserkrankung. Als diese diagnostiziert worden war, beschlossen wir, an dem Projekt festzuhalten, und die Resonanz zeigte, dass sich sehr viele Kolleginnen und Kollegen (aus der Bundesrepublik und den USA) sowie ehemalige Studierende an einer Ehrung Peter Borowskys beteiligen wollten. Diesen besonderen Menschen zu ehren, ist auch nach seinem Tod unsere Absicht. Der von Rainer Hering und mir herausgegebene Band mit etwa fünfzig Beiträgen wird im Jahre 2003 als Gedenkschrift erscheinen.

Wir alle werden Peter Borowsky sehr vermissen; zugleich bin ich sicher, dass er als akademischer Lehrer und als Mensch weiterwirken und auch über seinen Tod hinaus für viele Leitfigur bleiben wird.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 7. Juli 2002
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