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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Betrachten wir zunächst den Begriff „Urteil", den zweiten Ausdruck unseres Kompositums „Werturteil".

Semantisch umfaßt der Begriff „Urteil" bereits in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts diejenigen Aussagen, die aus dem Vergleich zweier Größen möglich sind und durch eine Kopula zueinander in Beziehung gesetzt werden. Wir verbinden z. B. die Größe „Hunde" und die Größe „Tiere" mit der Kopula „sind" und gelangen auf diese Weise zu dem Urteil „Hunde sind Tiere". Gegenüber der wertenden Aussage, die auf Schätzung (101) beruht, erfolgt hier die Aussage durch den erkenntnismäßigen Akt des Vergleichs zweier Größen untereinander, d. h. das formulierte Urteil kann durch Erkenntnisfähigkeit nachgewiesen werden. In vielen Fällen des Alltags handelt es sich nicht um einen primaren Erkenntnisakt, da Urteile, wie das obengenannte, bereits zum erworbenen Wissen eines Individuums zählen. Das Urteil ist in derartigen Fällen die automatisierte Reproduktion eines allgemein bekannten Erkenntnisinhaltes. Der eigentliche Erkenntnisvorgang hat sich vorher und außerhalb des Individuums ereignet, er ist als Gemeingut erwiesen und wird v. a. über Verstärker gelernt. Ein begründeter Zusatz „weil …" oder ähnliches kann entfallen, denn das Ergebnis der Erkenntnis ist allen bekannt. Anders verhält es sich in der Prüfung. Hier muß der Kandidat die Quelle seiner Erkenntnis offenlegen und die Richtigkeit seiner Aussage in geeigneter Form nachweisen. Halten wir zunächst fest: Gegenüber der wertenden Aussage, die einen irreduziblen Schätzwert darstellt, ist die urteilende Aussage dadurch gekennzeichnet, daß sie auf einen überprüfbaren Erkenntnisgrund rückführbar ist.

Damit haben wir eine vorläufige Typisierung der beiden Komponenten unseres Konstrukts Werturteil erreicht, das uns näher an das Spezifikum der Bewertungsproblematik heranführen soll. Unsere erste definitorische Aussage kann demnach lauten:

Bewerten ist ein geistiger Vorgang, der zu einer Aussage

führt, die nicht überprüfbare und überprüfbare Anteile

enthält.

Zurück zum Text  101. Der Begriff „Schätzung" wird hier ungebunden, d. h. frei von Bewertungskriterien oder Kategorien für schulisches Bewerten gebraucht.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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