fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Es ist also nicht abwegig, sich vorzustellen, daß wertende Äußerungen auf unterschiedliche Lebensbereiche verweisen, die sich in den Gegenstandsbereichen von Wissenschaften ausgrenzen. Festzustellen, ob ein Werk „schön" oder „häßlich" ist, erfordert grundsätzlich anderes als festzustellen, ob das Werk „groß" oder „klein" ist.

Die wertende Aussage „schön" verweist auf die emotionale Komponente des Entscheidungsverhaltens, die urteilende Aussage „klein" auf seine kognitive.

Die vorgenommene Begriffsexplikation ist jedoch unvollständig bzw. korrekturbedürftig, denn

1 müssen zwei weitere Aspekte des Werturteils berücksichtigt werden, die insbesondere für die Schulnote bedeutsam sind und

2 ist das Hauptmerkmal des Begriffs „Werturteil" nicht in einer Polarität seiner Teilbegriffe „Wert" und „Urteil", sondern in deren Verhältnis zueinander zu sehen.

Zum ersten Punkt ist anzumerken, daß Werte auch durch eine soziale Komponente mitbestimmt werden, die auf einem Ausgleich individueller und gesellschaftlicher Interessen beruht. Dem Interesse des einzelnen an Schulnoten, die seinen „sozialen Wert" dokumentieren, entspricht das gesellschaftliche Interesse am einzelnen, seinen „sozialen Wert" zu identifizieren. Für den einzelnen bedeutet dies v.a. von der Gesellschaft Chancen zur Sicherung seiner Existenz zu erhalten, für die Gesellschaft dagegen, Chancen allen zu geben, die im Staat ihren Fortbestand gewährleisten können.

Die Regulation dieses Interessenausgleichs geschieht u. a. durch das Mittel der Selektion auf der Seite des Staates. Der Zeugnisnote kommt hierbei eine wichtige Indikatorfunktion zu. Sie ist Ausdruck einer Normenübereinkunft, die auf den gesellschaftlichen Grundwerten und sie tragende Qualifikationen basiert. Ihr Wert zeigt den „Stellenwert" in Werthierarchie einer gesellschaftlichen Ordnung an. Er signalisiert gesehen oder übersehen zu werden. Die Vergabe einer Schulnote ist demnach an das wechselseitige Interesse von Individuum und Gesellschaft gebunden, existentielle Bedürfnisse zu befriedigen.

Diese soziale Komponente ist in jeder wertenden Aussage der Schule über einen Schüler enthalten. Sie kommt u. a. auch bei der Gewichtung der Fächernote (z. B. Versetzungsausgleich) oder der Zeugnisart (z. B. Reifezeugnis) zur Geltung. Angesichts der sozialen Bedeutung von Zeugnissen ist nunmehr zu fragen, wer letztlich über den später auf einem Zeugnis dokumentierten „Wert" einer Schülerpersönlichkeit entscheidet. Gegenwärtig gibt es hierfür nur eine Antwort: derjenige, der befähig und befugt ist, derartige Entscheidungen zu treffen, die von seiner Behörde gegenüber der Öffentlichkeit zu vertreten sind - der Lehrer.

Damit gelangen wir zu einem weiteren Aspekt des Werturteilsbegriffs, der den Teilbegriff „Urteil" erweitert.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de