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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Die der Schulbehörde vom Staat übertragenen Entscheidungsbefugnisse für die Festsetzung einer Zeugnisnote verleihen dem Lehrer kraft seines Amtes hoheitliche Entscheidungsgewalt, die zwar nicht mit der richterlichen identisch ist, jedoch in bezug auf ihr Hauptmerkmal, ein Schlußurteil nach einem Erkenntnisprozeß (102) zu fällen, als wesensgleich anzusehen ist. Das Urteil des Lehrers legt den Notenwert abschließend fest. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, daß der Lehrer seinen Vorgesetzten, den Eltern und Schülern gegenüber auskunftspflichtig ist und eine beamtenrechtliche Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit hat.

Hier gerät der Lehrer leicht im konkreten Entscheidungsfall in Beweisnot, wenn er die Gründe für seine Bewertung nachvollziehbar offenlegen soll.

An dieser Stelle berühren sich Schul- und Elternrecht, denn die Informationspflicht des Lehrers bzw. der Schule oder Schulbehörde steht auf der Seite des Schülers bzw. seines gesetzlichen Vertreters das Informationsrecht der Schüler und Eltern gegenüber, die dadurch einen Anspruch haben, die Bewertungsmaßstäbe für die Notengebung zu erfahren.

Rechtsschutz des Schülers ist inzwischen so weit entwickelt, daß ein Schüler gegen seine Nichtversetzung beim Verwaltungsgericht Klage erheben kann, wenn er Zweifel an den fachlich-pädagogischen Bewertungen hat. Selbst im Falle einer strittigen Einzelnote ist dies möglich, sofern für den Schüler mit der Note unmittelbare Rechtsfolgen verbunden sind, z. B. die Nichterlangung eines angestrebten und für ihn in besonderer Weise wichtigen Schulabschlusses.

Das Verwaltungsgericht prüft natürlich nicht die fachliche Richtigkeit innerhalb der Bewertungsvorgänge, sondern, ob bei der Bewertungsentscheidung Rechtsverletzungen eingetreten sind. Die gerichtliche Prüfung erstreckt sich auf folgende Aspekte: (103)

l. „Sind die Prüfer bei der fachlich-pädagogischen Wertung von falschen Tatsachen ausgegangen?

2. Sind allgemein gültige Bewertungsgrundsätze verletzt worden?

3. Haben sich Prüfer von sachfremden Erwägungen leiten lassen?

4. Leidet das Verfahren an entscheidungserheblichen Mängeln?"

Dabei wird deutlich, daß der Lehrer stets in der Lage sein muß, in geeigneter Form nachzuweisen, wie er zu seiner Bewertung gelangte. Daß ihm hierbei ein Ermessensspielraum eingeräumt wird, den er nach bestem Wissen und Gewissen ausschöpfen soll, ist nicht weiter kommentarbedürftig. Grundsätze und Empfehlungen zur Zensurengebung, wie sie beispielsweise von der Schulbehörde aufgestellt werden, heben zwar wichtige Gesichtspunkte hervor, dienen aber lediglich der allgeneinen Orientierung.

Bei der Bewertung eines Schülers handelt der Lehrer im vorgenannten Sinne autonom.

Zur Schwierigkeit, in diesen Vorgang Einsicht, zu gewinnen, gehört auch das Problem des umgangssprachlichen Gebrauchs von Ausdrücken, auf die wir angewiesen sind, wenn wir uns über Werturteile verständigen wollen,

Zurück zum Text  102. Erst im 18. Jh. Unterscheidung zwischen das Erkenntnis („Richterliches Urteil") und die Erkenntnis („Einsicht"); vgl. auch ahd. urteil (i), eigentlich = Wahrspruch, den der Richter erteilt (Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 32, Deutsches Wörterbuch O - Z, S. 2721).

Zurück zum Text  103. G. EISELT/W. HEINRICH, Grundriß des Schulrechts in Berlin, Neuwied/Darmstadt, 1980, S. 124 f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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