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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Solange wir nicht klar trennen zwischen Wert, Wertschätzung, Wertung bzw. Urteilen, Beurteilen, Verurteilen sowie zwischen Ausdrücken wie abschätzen, taxieren, überschlagen, veranschlagen, achten, lieben, vermuten, denken, halten, prüfen u. ä. bleibt unser Verhältnis zum Werturteilsbegriff klärungsbedürftig. Unsere Überlegungen lassen auf der erarbeiteten Grundlage v.a. die folgende Aufschlüsselung des Werturteilsbegriffs zu:

WERTURTEIL
unüberprüfbarüberprüfbar
schätzenerkennen
emotionalkognitiv
sozialautonom

Wenden wir uns nun dem zweiten Punkt zu. Der nachfolgende Gedankengang ist der Versuch, unser Verhältnis zum Werturteilsbegriff zu strukturieren, um sein Hauptmerkmal, die Beziehung zwischen den Teilbegriffen „Wert" und „Urteil" einer abschließenden Klärung zuzuführen.

Eine Hauptschwierigkeit ist hierbei in dem Umstand zu sehen, daß unvereinbare Anschauungen in ein und demselben Begriff zusammengedrängt sein können, dessen Widersprüchlichkeit erst durch einen Nebenbegriff oder Rückführung in einen gesellschaftlichen, politischen oder philosophischen Zusammenhang deutlich wird. Betrachten wir zunächst den Wertbegriff.

Wert und Mehrwert, klassische Ethik und marxistische Arbeitswerttheorie stehen sich antagonistisch (104) gegenüber. Einerseits werden die allgemeinen Menschenrechte in allgemein menschlichen Werten erkannt, andererseits werden „allgemein menschliche" Werte geleugnet und als Klassenbedürfnisse der noch herrschenden Klassengesellschaft zu historisch-gesellschaftlichen Produkten erklärt und dem Gesichtspunkt der Parteilichkeit unterworfen, kaum hat die Menschheit das gesellschaftliche Prinzip der Gewaltenteilung als revolutionäre Errungenschaft im Kampf um die Kontrolle der Macht im Staat gefeiert, wird es durch das Prinzip des demokratischen Zentralismus in Frage gestellt und behauptet, daß nur durch einen derartigen Zentralismus die Unterdrückung der zu stürzenden Ausbeuterklasse zum Schutze der Sozialistischen Errungenschaften gewährleistet sei. Dieser Katalog gegensätzlicher Wertvorstellungen ließe sich in Längs- und Querschnittbetrachtungen fortsetzen. Allein bei diesem Ausschnitt fällt auf, wie groß der Dissens ist, wenn ein Bemühen um Definition einsetzt. Soziale Werte bestehen nicht, sie entstehen. (105) Sie müssen durch Konsensbildung der kulturtragenden Schichten in der Gesellschaft ständig erneuert werden, wenn sie diese Gesellschaft tragen sollen, oder es entsteht schließlich eine andere Gesellschaft bzw. Gesellschaftsordnung mit neuen Werten. Der Maßstab für eine Erneuerung ist dabei nicht von außen als absoluter Wert vorgegeben, er wird vielmehr von innen, aus den Wertvorstellungen der Mitglieder dieser Gesellschaft, d. h. deren Einstellungen zum Leben hervorgebracht, die sich auf absolut gedachte Werte beziehen können. Hierbei spielen politische Machtkonstellationen im Staat eine erhebliche Rolle, die sozialen Werte selbst werden aber von Menschen erzeugt. Die subjektive Wertsetzung ist zugleich ihre objektive Manifestation des Irrationalen.

Zurück zum Text  104. Gemeint ist hier die Unvereinbarkeit von Wertauffassungen in ihrer jeweils weltanschaulichen Bindung an Gesellschaftssysteme. Der Begriff „Antagonismus" wird unterschiedlich gebraucht. Im Anschluß an I. KANT („Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", 4. Satz) kennzeichnet er das widersprüchliche Verhältnis von Individuum und Gesellschaft nach Isolation und zugleich Vergesellschaftung des Menschen, dagegen betont die marxistische Theorie die Widersprüchlichkeit von Klasseninteressen im kapitalistischen Gesellschaftssystem. (Vgl. hierzu auch FR. HAFFNER, Grundbegriffe der marxistischen Politischen Ökonomie es Kapitalismus, Berlin, 2. verbesserte und erweiterte Aufl., 1978, S.15 f.

Zurück zum Text  105. Vgl. dazu auch F. MAUTHNER, Wörterbuch der Philosophie II, Wertgefühle", Zürich, 1980, S. 579-582. (Nachdruck der Erstausgabe von 1910/11)

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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