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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Da wir davon ausgehen können, daß im Werturteil stets emotionale und rationale Komponenten wirksam sind, läßt sich die vierte definitorische Aussage bereits als These formulieren:

Bewerten ist ein dialogischer Vorgang, der bei gegenseitiger Anerkennung emotionaler (wertender) und rationaler (urteilender) Anteile im jeweiligen Werturteil des Fremd- und Selbstbewerters zu einer qualitativen Entscheidungsübereinkunft führt.

In dieser These gründet der Kern der vorliegenden Abhandlung von BAHR und POTCHUL.

Das Instrument zur Realisation eines derartigen Bewertungsprinzips ist in der hierfür entwickelten „Kategorie" zu sehen, die emotionale und rationale Anteile des Schätzens zuläßt und sich daher grundlegend von den engen „Items" der Testverfahren unterscheidet. Dennoch bleibt die bewertungstechnische Basis des Skalierens. Dadurch ist es möglich, auch subjektive Faktoren meßtechnisch zu bewältigen und einer rational kontrollierbaren Vergleichbarkeit zu unterwerfen. Der weitere Vorzug, von „Kategorien" auszugehen, die Emotionales und Rationales, Subjektives und Objektives einschließen, ist auch darin zu sehen, daß in einem auf kategorialer Grundlage gebildeten Werturteil nicht nur die Leistung des Schülers (= sachbezogene Ebene), sondern hierbei gleichzeitig allgemeine Züge seiner Persönlichkeit sowie seine Individualität (= personbezogene Ebene) anerkannt werden: Lehrer und Schüler erleben sich als Person, wenn sie im Dialog die Kategorienbildung bzw. anzustrebende Qualifikationen festlegen, und sie treffen sich am Ende der gemeinsamen Arbeit erneut, um den Erfolg ihrer gemeinschaftlichen Bemühungen an den vereinbarten Kategorien in dialogischer Form zu erschließen.

Diese Vorgehensweise scheint zunächst mit der lernzielorientierten Praxis in Übereinstimmung zu sein, da auch hier den Schülern die Zielsetzungen als Kontrollmarken ihrer Lernfähigkeit dienen. Die Evaluation, (112) das Bewertungsverfahren zur Feststellung des beabsichtigten „Lernergebnisses auf der Grundlage aufgestellter Ziele, unterscheidet sich jedoch von unseren Überlegungen mindestens in zweierlei Hinsicht

1 Evaluation ist auf Prozesse und Prozeßergebnisse gerichtet, die anhand von Normen auf der Grundlage von operationalisierten Kriterien bzw. Daten gewonnen und ausgewertet werden. Das Werturteil der Schüler Persönlichkeit wird negiert.

2 Evaluation schreibt die ethisch fragwürdige Praxis fort, bei der gemessene und bewertete Schülerleistungen als ein festgestelltes Persönlichkeitsmerkmal der Schülerpersönlichkeit angesehen werden, das die gesamte Persönlichkeit des Schülers charakterisiert.

Durch ein derartiges Evaluationsverständnis werden administrativ Menschenbilder produziert: Schüler mit „guten Noten" sind gute, Schüler mit „schlechten Noten" sind schlechte Menschen. Nicht ihr Wert, sondern ihre Verwertbarkeit sind gesellschaftlich interessant: Die guten Menschen sind schon deshalb gut, weil ihre Leistungen gut genutzt werden können, die schlechten Menschen sind schon deshalb schlecht,weil ihre Leistungen schlecht genutzt werden können.

Zurück zum Text  112. Vgl. G. OTTO, „Funktion, Bedingungen und Verfahren der Evaluation von Konzepten der Ästhetischen Erziehung", in: G. OTTO/ H.P. ZEINERT (Hg.), Handbuch der Kunst- und Werkerziehung, Bd. I, Grundfragen der Kunstpädagogik, Berlin, 1975.

Über den bezugswissenschaftlichen Stellenwert des Begriffs „Evaluation" vgl. H.-P. ZEINERT, „Curriculum/Lehrplan", Stichwortartikel im Lexikon der Kunstpädagogik, Düsseldorf, 1973.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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