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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Diese Vereinfachung dient der Verdeutlichung eines Mechanismus, der bereits bei der Notengebung des Lehrers in der Schule wirksam wird. Selbst wenn ein Lehrer sich bei der Bewertung geirrt hat oder selbst ein „schlechter Lehrer" ist, bildet sich das fragwürdige Feststellungsmerkmal („mangelhafte Leistungsbewertung") auf der Lehrerseite als fragwürdiges Persönlichkeitsmerkmal („bewerteter Leistungsmangel") auf der Schülerseite ab. Das moderne Leistungsprinzip, das die alte Privilegienordnung weitgehend abgelöst hat, wirkt dabei so auf den Evaluationsvorgang zurück, daß es letztlich den Wert der Persönlichkeit eines Menschen in der Gesellschaft leistungssystemimmanent festschreibt. Der Eigenwert einer Person ist ihr ermittelter Funktionswert für den gesellschaftlichen Nutzen („Nutzwert"). Auf die zahlreichen Beispiele hinsichtlich der beruflichen Chancen von Schulabgängern der Hauptschule oder von älteren Arbeitnehmern kann hier verzichtet werden, da sie allgemein bekannt sind.

Gegenüber der skizzierten Evaluationspraxis erkennt die dialogische Bewertungspraxis in der Schule, die mit Hilfe von Kategorien arbeitet die Persönlichkeit des Schülers und dessen Werturteil über sich selbst an. Einschätzung ( = nach außen gerichtetes Werturteilsverhalten) schließt Selbsteinschätzung ( = nach innen gerichtetes Werturteilsverhalten) ausdrücklich ein.

Die von POTCHUL durchgeführten Versuche haben gezeigt, daß hierfür auf der Seite der Schüler die Voraussetzungen für eine dialogische Bewertung gegeben sind. Aus der Fülle der Meßdaten geht eindeutig hervor, daß Schüler in der Lage sind, ihre Lernresultate auf der Kategorienbasis angemessen zu schätzen und sich von ihrer eigenen Leistung ein Werturteil zu bilden. Damit soll nicht behauptet werden, daß die Versuchsergebnisse bereits eine Generalisierung für sämtliche Fächer, Unterrichtsinhalte und Aufgabentypen zulassen. Allein die Schriftform, in Spezifikum vieler Schulfächer, setzt dem dialogischen Prinzip deutliche Grenzen, da z. B. eine gemeinsame Auswertung das zeilen- bzw. abschnittweise Vorlesen sämtlicher Niederschriften einer Schulklasse zur Voraussetzung hätte.

Dennoch bleibt festzuhalten, daß der Umgang mit dem dialogischen Prinzip, da, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann, Schüler und Lehrer sensibel für Bewertungsvorgänge macht. Bewertung wird dann als Erziehungsinhalt thematisiert. Damit werden Erziehungsmittel und Erziehungsinhalt im Bewertungsbegriff zusammengefaßt, der dadurch an Bedeutungsumfang für die Schulpraxis gewonnen hat.

Ein derartiges, zeitgemäßes Begriffsverständnis wäre auch deshalb wünschenswert, weil noch immer beim Bewerten der Trugschluß vorherrscht, daß Werturteile ursächlich mit Hilfe logischer Verfahren begründet werden könnten. Zwischen Ursache und Grund ist aber zu unterscheiden.

Bei der logischen Herleitung aus einer Ursache wird bereits etwas als begründet vorausgesetzt (Prämisse), so daß lediglich über Regeln des Schließens die Folgerung (Konklusion) in bezug auf den Vordersatz; dargestellt werden kann, demgegenüber erfordert die Begründung das Nennen eines Grundes, der zu vertreten bzw. zu verteidigen ist.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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