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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


E. VON SAVIGNY drückt das so aus:

„In Begründungen wird gesagt, warum man etwas glauben soll; in Erklärungen wird gesagt, warum etwas so und nicht anders ist." (113)

Dabei sind Erklärungen eigentlich Umkehrungen von logischen Herleitungen, d. h., es sind Rückführungen auf „Erklärungsursachen". Das dahinter stehende logizistische Prinzip ist hauptsächlich dann für die Bildung von Werturteilen brauchbar, wenn Werturteile auf Faktizitäten beruhen. Dabei dürfen wir allerdings die Schwierigkeit nicht übersehen, daß auch Faktizitäten als solche erst einmal erkannt werden müssen. Es ist natürlich möglich, mit Annahmen bzw. Hypothesen zu arbeiten, die auf erfahrungswissenschaftlicher Basis weiter untersucht werden könnten. Aber gerade bei den zahlreichen und individuellen Wertrelationen wäre es wenig erfolgversprechend, eine allgemeingültige Erklärung für ein Werturteil zu erwarten, so daß die Anwendung eines logischen Verfahrens im Sinne der Rückführung problematisch bleibt.

Wenn also nicht Erklärungen, sondern v. a. Begründungen die wertenden Entscheidungen legitimieren, dann brauchen wir hierfür ein Verfahren, das sich von logischen Herleitungspraktiken bzw. ihren Rückführungen in spezifischer Weise unterscheidet. H. L. MEYER nennt mit Bezug auf J. HABERMAS und N. LUHMANN (114) eine der hierfür geeigneten Vorgehensweisen im curricularen Entscheidungszusammenhang „diskursive Legitimation". Ihr Hauptmerkmal ist, daß sie

„an der Begründbarkeit von Wertentscheidungen festhält, … nicht durch eine vorab prinzipiell als gesichert gedachte Kopplung mit übergeordneten Prämissen, sondern durch den Grundsatz einer jederzeit herstellbaren, durch Diskussion zu leistenden Vergewisserung der Berechtigung der einzelnen Entscheidungen." (115)

Wir können die Begründung demnach als ein Disputationsmuster begreifen, bei dem der genannte Grund dialogisch zur Disposition steht.

In den Sozialwissenschaften ist hierfür auch der Ausdruck „rationaler Dialog" gebräuchlich..

Nationale Dialoge sind v.a. durch drei Hauptmerkmale charakterisiert:

1 Urteilsoffenheit bei Eintritt in den Dialog;

2 Zwanglosigkeit bei der Entscheidungsdisposition;

3 Argumentationstoleranz selbst gegenüber schwachen Diskutanten.

Werturteile, die auf der Basis rationaler Dialoge gebildet werden, sind keine rationalen Urteile, sondern Urteile, deren Wert rational begründbar ist.

Rationale Dialoge sind abgeschlossene Aussagen, insofern, als sie von den Dialogpartnern als abgeschlossen - nicht abgebrochen - betrachtet werden können. Sie sind offene Aussagen, insofern, als hierüber von anderen Dialogpartnern erneut Dialoge geführt werden können.

In den vorliegenden Untersuchungen haben POTCHUL und BAHR die hohe Stabilität von Mehrfachbewertungen im Zusammenhang mit dem dialogischen Bewertungsprinzip nachgewiesen, so daß trotz begrenzter Generalisierbarkeit die hohe Verläßlichkeit und Validität sowie Objektivität bei der Skalierung von Werturteilen als erwiesen angesehen werden können.

Zurück zum Text  113. Grundkurs im logischen Schließen, dtv Wissenschaftliche Reihe, München, 1976, S. 13.

Zurück zum Text  114. H. L. MEYER, Einführung in die Curriculum-Methodologie, München, 1972, S. 140.

Zurück zum Text  115. Ebd. Vgl. hierzu auch A. ALBERT a.a.O. S. 93 f. u. ö.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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