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Horst-Peter Zeinert: Bewertung im Kunstunterricht


Auf Forderungen, eine „Beteiligung der Schüler an der Zensurenfindung" anzustreben, wies 1973 J. ZIEGENSPECK hin (140). Danach forderte v. a. H. HETZER bereits 1933 in ihrer Schrift „Schüler und Zeugnis" die Übung der ‚Selbstbeurteilung" vom 9. Lebensjahr an". Zuvor hatte bereits F. GÜLLAND in seinem Beitrag „Leistungstabellen und Leitungsbeurteilung durch die Klassengemeinschaft" (141) 1930/31 das Gemeinschaftsurteil herausgestellt. M. BUCHHEIM (142) und besonders R. KRÜGER (143) haben die Thematik nach dem 2. Weltkrieg erneut aufgegriffen.

Dabei gelangte KRÜGER zu drei empirisch abgesicherten Ergebnissen: (144)

1 „Schüler (vom 7. Schuljahr ab) sind in hohem Maße imstande, ihre schulischen Leistungen selbst zu beurteilen."

2 „Je älter die Schüler sind, um so mehr nähert sich die Schülerzensur der Lehrerzensur an."

3 „Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind unerheblich."

Als Konsequenz sieht KRÜGER in der Schülerselbstbeurteilung ein Korrektiv zur Zensurenfindung des Lehrers.

Weitere Beispiele aus neuerer Zeit sind Beurteilungen von Schüleraufsätzen durch Schüler (1972: G. SCHRÖTER (145); 1974: Päd. Institut Düsseldorf (146)).

In der Schriftenreihe (Heft 15) des Pädagogischen Instituts der Landeshauptstadt Düsseldorf wird eine „empirische Untersuchung" über die Selbsteinschätzung der Schüler" von J. KLIETSCH, F. MÜLLER, E. PFUNDT und I. STAMSEN vorgestellt. Die Autoren gelangten zu dem Ergebnis, daß bei geeigneten Voraussetzungen („positive Einstellung zur Selbsteinschätzung", „Erfahrung mit Gruppenunterricht" u. ä.) „die Schülerselbsteinschätzung ein durchaus gangbarer Weg zur Erweiterung der Schülermitbestimmung" sei und mindestens eine „ergänzende Funktion zum Lehrerurteil hätte". (147)

J. ZIEGENSPECK hat in seinem Aufsatz „Zum Problem der Zensierung im Werkunterricht" (148) ein weiteres Beispiel für einen Fachbereich geben, der zumindest strukturell dem Fach Bildende Kunst besonders nahesteht. „Werkbeurteilungen" wurden danach mit Hilfe einer Wertungsliste so durchgeführt, daß aus der Summe der Schülerurteile eine optimale Rangskala entstand, aus der vom Fachlehrer Zensuren abgeleitet werden konnten. (149)

Die von BAHR und POTCHUL erzielten Untersuchungsergebnisse bestätigen auffällig gut frühere Untersuchungsergebnisse zu diesem Problem und ergänzen diese in mehrfacher Hinsicht. Da sie in sämtlichen Jahrgängen der mittleren Schulstufe erzielt wurden, kommt ihnen für die Umsetzung in unterschiedlichen Schultypen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule) ein besonderes Gewicht zu, zumal fachinhaltliche Abgrenzungen kaum bestehen dürften.

Die Selbstbeurteilung der Schüler sollte jedoch nicht isoliert gesehen werden, d. h., Selbstbeurteilung kann nur Teil der schulischen Beurteilung sein. Mit den aufgezeigten Möglichkeiten für den praktizierenden Kunstpädagogen kann generell die Auseinandersetzung um die gemeinsame Bewältigung der Bewertungsfrage im Kunstunterricht verstärkt und konkretisiert werden. H. METZ stellt in seinem Forschungsbeitrag „Untersuchungen zur Beurteilung von Unterricht" (150) 1981 fest: „Für die Unterrichtswissenschaft ist der Vorgang der Unterrichtsbeurteilung letztlich noch ein Buch mit sieben Siegeln." (151)

Um wahrnehmbare Fortschritte zu erzielen, wird es nicht nur nötig sein, den wissenschaftlichen Erkenntnis- und schulischen Bewertungsprozeß dialogisch zu führen, vielmehr wird es von entscheidender Bedeutung sein, ob es gelingt, uns auf die historisch gewachsene Konfiguration im Bildungs- und Gesellschaftssystem zu besinnen und eine zeitgemäße Antwort zu finden auf die komplexe Frage nach dem Motiv für institutionalisierte Bewertungsvorgänge.

Zurück zum Text  140. A.a.O. S. 146 ff.

Zurück zum Text  141. ZIEGENSPECK, a.a.O. Anm. 406.

Zurück zum Text  142. Ebd. Anm. 408.

Zurück zum Text  143. Ebd. Anm. 407.

Zurück zum Text  144. Ebd. Anm. 409.

Zurück zum Text  145. G. SCHRÖTER a.a.O. (Vgl. „Schüler zensieren Schülerleistungen", S. 72 und 199.)

Zurück zum Text  146. Schriftenreihe, Heft 15, Aug. 1974, „Beurteilung der Schülerleistungen durch Klassenarbeiten".

Zurück zum Text  147. Ebd. S. 58.

Zurück zum Text  148. Werkpädagogische Hefte, Heft 3, 1972, Quellenangabe nach G. SCHRÖTER a.a.O., S. 151 f.

Zurück zum Text  149. G. SCHRÖTER a.a.O. S. 152 - 156

Zurück zum Text  150. Vgl. K. INGENKAMP (Hg.), Wert und Wirkung von Beurteilungsverfahren. Untersuchung zu den Gütekriterien und der Wirkung diagnostischer Instrumente in der Schule, Weinheim/Basel, 1981, S. 97-134

Zurück zum Text  151. Ebd. S. 101.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 12. März 2004
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