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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


1 Vorrede

Empfindsamkeit in der Musik, nicht Musik der Empfindsamkeit heisst der Untertitel vorliegender Arbeit. Zwar ist der Begriff "Musik der Empfindsamkeit" in den letzten Jahrzehnten zu einem Schlagwort der Musikforschung geworden, doch nirgends konnte ich den Versuch finden, jene zu definieren. Lexikas und Fachbücher gehen meist sehr flüchtig mit diesem Thema um, ohne jedoch dessen Bedeutung für die Entwicklung der abendländischen Musik im 19. Jahrhundert zu schmälern. Daraus wird klar, dass sich die Muskwissenschaft mit dem Begriff der Empfindsamkeit schwer tut.

Empfindsamkeit ist ein nicht in Deutschland begründetes, aber dort zur vollen Blüte gekommenes Phänomen, selbst die internationale Forschung kennt keine Äquivalente und verwendet den deutschen Begriff. Empfindsamkeit ist ein in der deutschen Literaturforschung sehr genau untersuchtes Gebiet. Gerhard Sauders Arbeit (1) ist als ein Meilenstein zu würdigen. Die Musikwissenschaft jedoch belies es bei einem Schlagwort, das in Verbindung mit dem ebenso wenig definierten Sturm und Drang abwechslungsweise Verwendung fand. Seit der Definition des „redenden Prinzipes" in der Musik Carl Philipp Emanuel Bachs durch den deutschen Musikwissenschaftler Arnold Schering (2) im Jahre 1939 scheint kein Bedürfnis einer neuen Sichtweise der Musik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestanden zu haben. Dabei war das „redende Prinzip" Zielsetzung jedweglicher Musik, was Joachim Burmeisters Hypomnenatum musicae poeticae von 1599 und später Johann Mattheson bereits 1737 mit dem Wort „Klang-Rede" (3) beweist und kann sogenommen keine Gewähr einer Definition für die Musik um 1770 bieten. Da genügt ein Blick auf die als musica poetica bezeichnete Kompositionskunst, nach dem Griechischen auch als Melopoetica bezeichnet. (4)

Zu Anfang meiner Arbeit stand der Wunsch Empfindsamkeit in der Musik zu charakterisieren, je weiter ich bei diesem Vorhaben ging, um so klarer wurde, dass dies ohne ein Blick auf andere Künste und Wissenschaften unmöglich ist. So blieb nur ein intensives Studium der Literatur dieser ausgewählten Richtung, um Parallelen im Musikschrifttum dieser Zeit aufzuweisen und zu verstehen.

All dies spielte sich im Laufe der letzten 13 Jahre ab, dennoch kann und möchte diese Studie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Jedes Thema, das lange Jahrzehnte unberührt schlummerte, ist bei der Untersuchung durch einen Menschen zu einer fragmentarischen Darstellung verurteilt. So bleibt mir lediglich der Versuch einer Definition.

Hájenka ešov, im Februar 2003

Nachbemerkung:

Zitate sind stets in Anführungszeichen mit Textverweis gegeben, Dick- und Kursivschrift innerhalb von Zitaten finden sich ebenso im Original. Sprünge sowie meine Kommentare finden sich innerhalb der Zitate in eckigen Klammern. Titelangaben im Text sind stets in Kursivschrift.

„Eine Kuh, ein Taglöhner, ein Künstler sehn ein vortrefliches Gebäude mit denselbigen sinnlichen Werkzeugen an, mit demselbigen Gefühl, aber welch einen Unterschied macht die bey jedem wirksame Kraft in der verhältnismässigen Stimmung dieses Gefühls, in den Empfindungen." (5)

Jakob Michael Reinhold Lenz (1773)

Zurück zum Text  1. Gerhard Sauder: Empfindsamkeit, Band I und III, Stuttgart 1974 und 1980

Zurück zum Text  2. Arnold Schering: Carl Philipp Emanuel Bach und das „redende Prinzip" in der Musik, in: Peters-Jahrbuch XLV, Leipzig 1939, S. 13-29

Zurück zum Text  3. Johann Mattheson: Kern melodischer Wissenschafft, Hamburg 1737, Faksimile: Hildesheim 1990

Zurück zum Text  4. vgl. Jacob Adlung: Anleitung zu der musikalischen Gelahrtheit, Erfurt 1758, Faksimile: Kassel 1953, S 753

Zurück zum Text  5. Jakob Michael Reinhold Lenz: Meynungen eines Layen den Geistlichen zugeeignet, 1773 zitiert nach: Empfindsamkeit, Stuttgart 1976

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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