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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


5.3 Idylle

Aus der französischen Paysannerie entwickelt sich die sogenannt Idylle, ein Musikstück, das die Musikwissenschaft weitgehend unbeachtet lies. "Der Hauptcharakter der Idylle ist das Sanfte. Gesang, Harmonie, Bewegung, und Begleitung muss daher immer sanft bleiben. Der Ausdruck jeder Empfindung, jeder Leidenschaft muss sanft bleiben." (112) beschreibt Reichardt die Idylle, deren Hauptmotiv Schäferszenen sind, und fordert vier Hauptcharakteristiken:

1) Der Gesang muss "immer gefällig und fasslich, immer gleich weit vom Niedrigen und vom Erhabenen, von Armuth und Reichthum entfernt" sein. Ideal ist der Gesang des Liedes, Arien und Rezitative eignen sich nicht zu dessen Realisierung. Die Erhaltung einer Empfindung ist Ziel des Autors, "sehr verschiedene und von einander entfernte Grade der Empfindungen" sind nicht erlaubt. Ideal ist der "Gesang des Schäfers", der freudig oder traurig sein kann, aber immer "sanft bleiben soll. [...] Der Gesang der Freude muss nicht zu lebhaft, nicht wild seyn; der Gesang Traurigkeit nicht zu finster, nicht zu tiefeindringend seyn.".

2) Die Harmonie muss einfach sein, keine "schnellen, auffallenden Modulationen enthalten", andererseits jedoch über das Tonika-Dominante-Verhältnis hinausgehen, um nicht Einförmig zu sein. "Das anhaltende Lyrische verursacht dem Komponisten die grösste Mühe." Zum Asdruck der Freude dürfen nur Dur-Tonarten verwendet werden, die nicht nach Moll modulieren dürfen.

3) Das Tempo darf weder die "schwere, majestätische, sehr langsame Bewegung" noch "feurige, heftige, wilde Bewegung" anzeigen. Einheit der Bewegung sei höchstes Ziel, jedoch ohne zu langweilen, daher müssen diese "abwechseln, um nicht einförmig und langweilig zu werden, sie müssen aber so aufeinander folgen, dass sie ineinander fliessen".

4) Die Begleitung müsse so gewählt werden, dass sie den Instrumenten gewisse Rollen zuordne, wobei das ganze Opernorchester eingesetzt werden kann. Am Geeignetsten sind Holzblasinstrumente. "Flöten, bey lieblichen und völlig sanften Gesängen, zur Begleitung weiblicher Stimmen; Hoboen bey zärtlich rührenden Gesängen; die Waldhörner können bey dem Ausdruck der Freude zu den Flöten hinzukommen. Von den Fagotten kann man doppelten Gebrauch" machen, und zwar zur Begleitung anderer Holzblasinstrumente sowie "zur besondern Begleitung der männlichen Singstimmen".

So entsteht ein pastoraler Klang, den beispielsweise Johann Christoph Friedrich Bach in seiner Kindheit Jesu realisiert und von dem Beethoven sicher jene Vorraussetzungen kannte, als er seine 6. Sinfonie Pastorale schrieb (siehe Kapitel: Nordismo, Abschnitt: Beethoven).

Ideale Form der Idylle ist das Rondo, welchem sich C.Ph.E. Bach ausnehmend widmet. In jener Zeit muss eine ausgesprochene Rondo-Begeisterung geherrscht haben. "Das Rondeau, welches izt so sehr gemissbraucht wird, und wodurch man izt fast todt geküzelt wird." beschwert sich Reichardt über den Missbrauch des Rondos, welches nur da seinen Platz habe, "wo eine bestimmte angenehme Empfindung unterhalten und verstärkt werden soll." C.Ph.E. Bach hat zur Aufwertung des Rondos wesentlich beigetragen.

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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