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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


6.4 Johann Wolfgang von Goethe

Goethes Leiden des jungen Werther (1774) ist eine Bibel der Empfindsamkeit geworden, die viele Suizid-Nachahmer und Selbstmord-Diskussionen auslöste, jedoch auch zu produktiven Reaktionen Anlass gab. Man denke nur an Goethes Streit mit Friedrich Nicolai, der als Gegenreaktion Die Freuden des jungen Werthers veröffentlicht hatte. Lenz reagierte Anfang 1774 Goethe den Rücken stärkend mit seinen Briefen über die Moralität der Leiden des jungen Werther. Lächerlich über diese Streitereien macht sich August Friedrich Cranz in seinen 1780 erschienenen Des jungen Werthers Freuden in einer bessern Welt.

Sicher ist es kein Zufall, dass es die Leiden des j u n g e n Werther sind, denn die Jugend der meisten Autoren scheint eine besonders empfindsame gewesen zu sein, die zur Verfassung solcher Werke Anhalt bot. Im 1797 geschriebenen Vorbericht zur zweyten Ausgabe von Christoph Martin Wielands Erzählungen heisst es:

„Das damahlige Alter des Verfassers ist eigentlich dasjenige, worin empfindungsvolle Seelen von einer gewissen Schwärmerey, die den Gefühllosen so unverständlich und den Weltleuten so albern vorkommt, am stärksten hingerissen werden; worin die ganze Natur uns mit zärtlichen Sympathien erfüllt, und eine Liebe, wie Petrarch für seine Laura fühlte, die ganze Schöpfung in unsern Augen verklärt, und allem, was uns umgiebt, ihren Geist und ihre Wonne mitzutheilen scheint." (188)

wenngleich sich Goethe nach der Rückkehr aus Italien von der Empfindsamkeit distanzierte, hat er sich sein ganzes Leben lang für Musik interessiert, vor allem sein Gedankenaustausch in Briefform mit Zelter ist herauszustellen. Musik ist ein wichtiges dramatisches Element in all seinen Werken, hierdurch kommt es zu einem Anhalten im Tempo des Geschehens. Als Intendant des Weimarer Theaters, zu dem Schauspiel und Oper gehörten, stand Goethe fast dreissig Jahre vor. Seine Fragment gebliebene Fortsetzung der Zauberflöte beweist nicht nur, wie sehr er dieses Werk schätzte, sondern legt Zeugnis für Goethes (einseitig gebliebene) Mozart-Bewunderung ab.

„[...] wir lernen es nicht begreifen, warum die Wahrnehmungen des einen nur angenehm, die des andern hingegen schön sind; warum für Gesicht und Gehör Künstler von höherm Range, für den Geschmack nur Künstler von niedrigerm Range arbeiten; für jene der Maler und Tonkünstler, für diesen der Koch."

Johann Jakob Engel:

Ueber einige Eigenheiten des Gefühlssinnes (189)

1788/89

Zurück zum Text  188. C.M. Wieland: Sämmtliche Werke, Faksimile, Hamburg 1984, Supplemente zweyter Band, S. 40

Zurück zum Text  189. in: Sammlung der deutschen Abhandlungen, welche in der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin vorgelesen worden in den Jahren 1788-89, Berlin 1793

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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