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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


9 Empfindsame Musiktitel

Da, wo dem Rezepienten klar war, dass er es mit einem Vetreter der Empfindsamkeit zu tun hatte, bestand keine Notwendigkeit die Worte empfindsam/Empfindsamkeit in Musiktiteln unterzubringen. Jedoch gibt es einige Ausnahmen, die nur am Rande dargestellt werden sollen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben wollen.

Das schönste Beispiel ist die mit C.P.E.Bachs Empfindungen überschriebene Fantasie in fis-moll, Wq. 67. Im Jahr 1787 entstanden, ist es die letzte Fantasie, die Bach schrieb. Die Überschrift „Sehr traurig und ganz langsam" spricht im Geiste der Melancholie. Ähnlich verabschiedete sich Jií Benda von der musikalischen Produktivität. Bendas Klagen benannte er seine letzte Kantate.

Ein Gegenstück zu diesem ist Goethes Libretto zur satirisch-parodistischen Oper über Empfindung, die er 1778 unter dem Titel Triumph der Empfindsamkeit schrieb (224), Augenscheinlich ist Goethes Abschied von jener Empfindsamkeit, die seinen Werther möglich gemacht hatte, vielleicht begründet in der Angst vor den Nachfolge-Erscheinungen, vielleicht entstanden aus der Angst zum eigenen Plagiat zu werden. Vollkommen aber distanzierte sich Goethe während seiner Italienreise 1786-88 von der Empfindsamkeit. Dies unterscheidet Goethe von Schubart und anderen Autoren der Empfindsamkeit.

Goethe bezeichnete die am 12. September 1777 erstmals erwähnte ältere Fassung, als eine komische Oper, so toll und grob als möglich. Sie wurde am 30. Januar 1778 zum Geburtstag der Herzogin Luise, unter Mitwirkung Goethes und mit der Musik von Carl Friedrich Siegmund Freiherr von Seckendorff aufgeführt. Die veränderte zweite Fassung erschien erst 1787 innerhalb der ersten Gesamtausgabe von Goethes Schriften. Interessant ist das von Goethe gewählte Sujet, der von den Empfindsamen als vollkommen (!) empfundene englische Park, mit welchem er die Empfindsamkeit symbolisiert:

„Was ich sagen wollte!
Zum vollkommnen Park
Wird uns wenig mehr abgehn.
Wir haben Tiefen und Höhn,
Eine Musterkarte von allem Gesträuche,
Krumme Gänge, Wasserfälle, Teiche,
Pagoden, Höhlen, Wieschen, Felsen und Klüfte,
Eine Menge Reseda und anderes Gedüfte,
Weinmuthsfichten, Babylonische Weiden, Ruinen,
Einsiedler in Löchern, Schäfer im Grünen,
Moscheen und Türme mit Cabinetten,
Von Moos sehr unbequeme Betten,
Obelisken, Labyrinthe, Triumphbogen, Arkaden,
Fischerhütten, Pavillons zum Baden,
Chinesisch-Gotische Grotten, Kiosken, Tings,
Maurische Tempel und Monumente,
Gräber, ob wir gleich niemand begraben -
Man muß alles zum Ganzen haben."

Goethes Triumph wurde 1925 von Ernst Krenek neu vertont.

Als Andeutung empfindsamer Musiktitulierungen sei auf Friedrich Burchard Benekens Liedersammlung, „die gewiss dir manche gute Empfindung aufregen und nähren wird" (225)Lieder und Gesänge für fühlende Seelen, Hannover 1786 hingewiesen. Inwieweit sich dieses Werk inhaltlich oder rein ökonomisch mit der Empfindsamkeit auseinandersetzt kann ich nicht sagen, da ich die Liedersammlung (noch) nicht eingesehen habe. Am Abschluss meiner Studie werde ich auf Beethoven und seine empfindsamen Satzbezeichnungen eingehen, die beweisen, dass auch hier die Empfindsamkeit den Übergang zur Romantik einleitete, während der klassische Stil langsam aussterben musste. Eine Minderheit wird zur Grösse, eine Grösse zur Minderheit. Ein weiteres Beispiel dieses Prozesses ist Isaak-Iganz Moscheles Sonate melancholique pour le piano, op. 49.

Zurück zum Text  224. Johann Wolfgnag von Goethe: Der Triumph der Empfindsamkeit. Eine dramatische Grille. Von Goethe. Ächte Ausgabe. Leipzig 1787

Zurück zum Text  225. zitiert nach Schleuning, S. 450

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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