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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


10 Die Meister

Es erscheint mir fast zu kategorisch, einzelne Komponisten der Empfindsamkeit zuzuordnen, war es bei einigen Ausflug der Jugend, bei anderen Ausflug in fremde Regionen (siehe Kapitel: Nordismo, Absatz: North meets West). Dennoch gibt es einige Komponisten, die, wie C.Ph.E. Bach, an den Idealen der Empfindsamkeit zeitlebens festhielten, da sie diese eben als Ideal empfanden.

Von Bach war oft und ausgiebig die Rede, seine Werke werden in zunehmender Weise rezipiert, er ist zwar noch kein Repertoirmeister (ob er das überhaupt sein möchte?), aber weit bekannter als etwa Jií Benda, auf den ich auch immer wieder zu sprechen kam und dessen Bedeutung für die Etablierung des Melodrams nicht genug hervorgehoben werden kann (aber: welches Musikbuch gedenkt schon des Melodrams?)

Reflexion XIII.

Die Musikforschung hat den entsetzlichen Begriff des Kleinmeisters aufgebracht, und damit alles abgewertet, was neben den stilisierten Grössen existiert. Wie oft war es aber umgekehrt, wieviele Namen wurden gefeiert, aber deren Klang verlor sich im Donnergetöse der grossen Namen. Wieviele Werke sind heute vergessen, die, wie Grauns Tod Jesu über hundert Jahre zu den bekanntesten gehörten? Auch meine Studie kann diesen nicht helfen, eine reine Erwähnung bedeutet nichts! Auch das Abdrucken von Notenbeispielen, was ich nur ausnahmsweise exemplarisch tue, ist ein fast sinnloses Unternehmen. Musik ist für das Ohr geschrieben, um dieses zu füllen. Doch so lange Interpreten-Namen auf CD-Covers grösser geschrieben werden als die Namen der Schöpfer, solange das Publikum die Hallen der Kunst betritt, um unter dem Vorwand der Erquickung an schon so oft gehörten Werken seine Wäsche vorzuführen, wird sich daran nichts ändern.

Zu den ganz grossen Komponisten, die sich den Ideen der Empfindsamkeit hingaben gehören:

Johann Gottfried Müthel: er war der letzte Schüler von Johann Sebastian Bach, bildete sich bei Johann Adolph Hasse, C.Ph.E. Bach und G.Ph. Telemann weiter, um dann in Riga zu einem gefeierten Orgelvirtuosen und Komponisten zu avancieren, wo er im Todesjahr C.Ph.E. Bachs verstarb. Müthel schrieb eine Reihe bedeutender Klaviersonaten, sein Variationsstil ist der in seiner Epoche wohl ausgereifteste. Über Müthel gibt es keine Monographie, er ist wirklich vergessen. Sollte man die lobenden Worte seiner Zeitgenossen auflisten, würde eine weitere Studie entstehen.

Wilhelm Friedemann Bach: Seine Beziehung zu seinen Brüdern scheint eine angespannnte gewesen zu sein, seine Lebensführung nicht gerade geordnet, dennoch oft als einer der besten Organisten gelobt. Seine Kunst bestand in der Improvisation, die nur selten den Weg aufs Papier fand. Hervorzuheben sind seine zehn Klavierfantasien. Wenngleich die meisten seiner Kantaten in eine frühe Schaffenszeit fallen, verdienen diese sicher wieder aufgeführt zu werden.

Johann Christoph Friedrich Bach: stand in engerem Kontakt zu seinem Bruder Carl Philipp. Dank Herders Einfluss wendet er sich in Bückeburg der Vertonung dessen Texte zu. Seine Briefe mit Gerstenberg verraten empfindsame Musikanschauungen, die in den Oratorien Die Kindheit Jesu und Die Auferweckung Lazarus ihre Realisierung fanden.

Joseph Martin Kraus: ihn haben wir schon mit seiner kritischen Schrift Etwas von und über die Musik fürs Jahr 1777 kennengelernt. Er, in Mannheim gebildet, wendet sich gegen den Mannheimer Stil und findet seine Identität im Norden. Nicht nur stilistisch, auch geografisch. Ein Jahr vor seinem Pamphlet schreibt er seinen Tod Jesu, eine klare Distanzierung von der Mannheimer Musikästhetik. 1780 wird er Mitglied der Schwedischen Musikakademie, ein Jahr später avanciert er zum Direktor des Hoforchesters. Neben sehr feiner Kammermusik schrieb er unglaublich empfindsame Sinfonien (eine Sinfonie tenbre), Opern, Ballette, aber blieb auch der Literatur treu. In Schweden heute langsam wieder Bühne und Konzertsaal erobernd, in Deutschland wenigstens sinfonisch auf Tonträgern zu haben, wird er wohl noch lange in der Ecke stehen müssen. Als Joseph Martin Kraus das erste Mal nach Kopenhagen kam, musste er bei Besuch des Theaters den Sinn seiner empfindsamen Musik gesehen haben. „Ei blot til Lyst" war bei der Erweiterung 1774 auf das Proszenium geschrieben worden: Nicht zur Befriedigung, nicht zum Spass. Blieb er deshalb?

Jakob Friedrich Kleinknecht: der Flötist am Hofe der Wilhelmine von Bayreuth, der Schwester Friedrich II., von Berlin instrumententechnisch beeinflusst, stilistisch der Empfindsamkeit verbunden, zog mit dem Hof nach Ansbach um und wurde dessen Kapellmeister. Sein Schaffen ist rein instrumental ausgelegt, mit Ausnahme einer konzertanten Sinfonie und einem Violinkonzert schrieb er nur Kammermusik, jene Form, die den intimen Ideenaustausch möglich machte und den Dialog vertonte.

Johann Matthias Leffloth: zu früh gestorben (1731) um empfindsamer zu sein, aber nach Schubart einer der grössten Adagiospieler seiner Zeit, ein Genie, das leider zu früh verstarb. Zu wenige Werke Leffloths sind erhalten, um ihn richtig einstufen zu können. Seine gedruckten Sonaten für Cembalo und Flöte erschienen 1729.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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