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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


11.2 Intervall- und Tonartencharakteristik

Bach hat sich im zweiten Teil seiner Klavierschule sehr genau mit den einzelnen Akkorden und derer Verwendung auseinandergesetzt, jedoch leider fast keine Angaben zu deren Charakter gemacht, wohl in der Auffassung, dass dies ein Musikus fühlen müsse und dieses Gefühl somit nicht erlernbar sei. (Man denke in diesem Zusammenhang an den Genie-Begriff). Eine Charakteristik der Intervalle ist uns allerdings von Johann Philipp Kirnberger tradiert worden, der als Kompositionslehrer und Kapellmeister der Prinzessin Anna Amalie von Preussen nicht nur Bachs Kollege in Berlin war, sondern als Schüler des Bach-Vaters Johann Sebastian dessen hohe Kunst zu retten trachtete, wie in seinem Lehrbuch Die Kunst des reinen Satzes (2. Teil, Berlin 1776) deutlich wird. Man klappe die im Kapitel Affekt-Leidenschaft-Empfindung beigelegte Tabelle aus und dann ist leicht zu sehen, dass jeder Intervall seine zugehörige Empfindung hat:

„Dass der Ausdruck in der Melodie grossentheils mit von den Fortschreitungen abhängt, bedarf wol keines Beweises. Indessen ist es unmöglich genau zu bestimmen, aus welchen Fortschreitungen ein melodischer Satz zusammengesetzt seyn müsse, der diesen oder jenen Ausdruck haben soll. Jedes Intervall hat gleichsam seinen eigenen Ausdruck, der aber durch die Harmonie, und durch die verschiedene Art ihrer Anbringung sehr abgeändert oder ganz verloren gehen kann. Demohngeachtet, wenn man blos auf die Fortschreitungen einer Melodie ohne Rücksicht auf die übrigen Nebenumstände sieht, so lassen sich die Intervallen ohngefähr also charakterisiren:

Im Steigen:

Die übermässige Prime, ängstlich

Die kleine Secunde traurig; die grosse angenehm, auch pathetisch; die übermässige schmachtend.

Die kleine Terz traurig, wehmütig; die grosse vergnügt.

Die verminderte Quarte wehmütig, klagend; die kleine fröhlich; die grosse traurig; die übermässige oder der Triton heftig.

Die kleine Quinte weichlich; die falsche anmuthig, bittend; die vollkommene frölich, muthig; die übermässige ängstlich.

Die kleine Sexte wehmütig, bittend, schmeichelnd; die grosse lustig, auffahrend, heftig; die übermässige kömmt in der Melodie nicht vor.

Die verminderte Septime schmerzhaft; die kleine zärtlich, traurig, auch unentschlossen; die grosse heftig, wütend, im Ausdruck der Verzweiflung.

Die Oktave frölich, muthig, aufmunternd.

Im Fallen:

Die übermässige Prime äusserst traurig.

Die kleine Secunde angenehm; die grosse ernsthaft, beruhigend; die übermässige klagend, zärtlich, schmeichelnd.

Die verminderte Terz sehr wehmütig, zärtlich; die kleine gelassen, mässig vergnügt; die grosse pathetisch, auch melancholisch.

Die verminderte Quarte wehmütig, ängstlich; die kleine gelassen, mässig vergnügt; die grosse sehr niedergeschlagen; die übermässige oder der Triton sinkend traurig.

Die kleine Quinte zärtlich traurig; die falsche bittend; die vollkommene zufrieden, beruhigend; die übermässige schreckhaft (kömmt nur im Bass vor).

Die kleine Sexte niedergeschlagen; die grosse etwas schreckhaft; die übermässige kömmt in der Melodie nicht vor.

Die verminderte Septime wehklagend; die kleine etwas fürchterlich; die grosse schrecklich fürchterlich.

Die Oktave sehr beruhigend." (239)

Zudem kann man dank Schubart aufzeigen, in welchem Masse sich seit den dreissiger Jahren das Empfinden der Tonarten geändert hat und ich versuche dies in nachfolgender Tabelle in Form eines Vergleiches zwischen Mattheson und Schubart darzustellen:

Johann Mattheson:

Neueröffnetes Orchestre

(Hamburg 1713)

Tonart Johann Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst (Hohenasperg 1784/85,

gedruckt Wien 1806)

hat eine ziemlich rude und freche Eigenschafft, wird aber zu Rejouissancen (240) und wo man sonst der Freude ihren Lauff läst, nicht ungeschickt seyn; dem ungeachtet kan ein habiler Componist … zu gar was charmantes umtauffen, und füglich auch in tendren (241) Fällen anbringen. C-Dur ist ganz rein. Sein Charakter heisst: Unschuld, Einfalt Naivität, Kindersprache
ist ein überaus lieblicher dabey auch trister Tohn, weil aber die erste Qualité gar zu sehr bey ihm praevaliren (242) will, und man des süssen leicht überdrüssig werden kan, so ist nicht übel gethan, wenn man dieselbe durch ein etwas munteres oder ebenträchtiges Mouvement (243) ein wenig mehr zu beleben trachtet c-moll Liebeserklärung, und zugleich Klage der unglücklichen Liebe. - Jedes Schmachten, Sehnen, Seufzen der liebetrunkenen Seele, liegt in diesem Tone
- cis-moll Bussklage, trauliche Unterredung mit Gott; dem Freunde; und der Gespielinn des Lebens; Seufzer der unbefriedigten Freundschaft und Liebe liegen in seinem Umkreis
ist von Natur etwa scharff und eigensinnig; zum Lermen, lustigen, kriegerischen, und aufmunternden Sachen wol am aller bequemsten; doch wird zugleich niemand in Abrede seyn, dass nicht auch dieser harte Tohn, wenn zumahl anstatt der Clarine eine Flöte, und anstatt der Paucke eine Violine dominiret, gar artige und frembde Anleitung zu delicaten Sachen geben könne. D-Dur Der Ton des Triumphes, des Hallelujas, des Kriegsgeschrey´s, des Siegsjubels. Daher setzt man die einladenden Symphonien, die Märsche, Festtagsgesänge, und himmelaufjauchzenden Chöre in diesen Ton
Wenn man denselben wol untersuchet, so wird man befinden, dass er etwas devotes, ruhiges, dabey auch etwas grosses, angenehmes und zufriedenes enthalte; […] wiewohl solches alles nicht hindert, dass man nicht auch was ergetzliches, doch nicht sonderlich hüpfendes, sondern fliessendes, mit Succes aus diesem Tohne setzen könne.

d-moll schwermüthige Weiblichkeit, die Spleen (244) und Dünste brütet
- Des-Dur Ein schielender Ton, ausartend in Leid und Wonne. Lachen kann er nicht, aber lächeln+ heulen kann er nicht, aber wenigstens das Weinen grimassiren. - Man kann sonach nur selten Charaktere und Empfindungen in diesen Ton verlegen

hat viel pathetisches an sich; will mit nichts als entshafften und dabey plaintiven (245) Sachen gerne zu thun haben, ist auch aller Üppigkeit gleichsam spinnefeind.

Es-Dur der Ton der Liebe, der Andacht, des traulichen Gesprächs mit Gott; durch seine drey B, die heilige Trias ausdrückend
- Es-moll Empfindungen der Bangigkeit des aller tiefsten Seelendrangs; der hinbrütenden Verzweiflung; der schwärzesten Schwermuth, der düstersten Seelenverfassung. Jede Angst, jedes Zagen des schaudernden Herzens, athmet aus dem grässlichen Es moll. Wenn Gespenster sprechen könnten; so sprächen sie ungefähr aus diesem Tone
drücket eine Verzweiflungs-volle oder ganz tödliche Traurigkeit unvergleichlich wol aus; ist vor extrem-verliebten Hülff- und Hoffnungslosen Sachen am bequemsten, und hat bey gewissen Umständen so was schneidendes, scheidendes, leidendes und durchdringendes, dass es mit nichts als einer fatalen Trennung Leibes und der Seelen verglichen werden mag. E-Dur Lautes Aufjauchzen, lachende Freude, und noch nicht ganzer, voller Genuss liegt in E dur
kan wol schwerlich was lustiges beygeleget werden, man mache es auch wie man wolle, weil er sehr pensif, tiefdenckend, betrübt und traurig zu machen pfleget, doch so, dass man sich noch dabey zu trösten hoffet. Etwas hurtiges mag wol daraus gesetzet werden, aber das ist darum nicht gleich lustig e-moll Naive, weibliche unschuldige Liebeserklärung, Klage ohne Murren; Seufzer von wenigen Thränen begleitet; nahe Hoffnung der reinsten in C dur sich auflösenden Seligkeit spricht dieser Ton. Da er von Natur nur Eine Farbe hat; so könnte man ihn nit einem Mädchen vergleichen, weiss gekleidet, mit einer rosenrothen Schleife am Busen. Von diesem Tone tritt man mit unaussprechlicher Anmuth wieder in den Grundton C-dur zurück, wo Herz und Ohr die vollkommenste Befriedigung finden.
ist capable (246) die schönsten Sentiments (247) von der Welt zu exprimiren (248), es sey nun Grossmuth, Standhafftigkeit, Liebe, oder was sonst in demTugend-Register oben an stehet, und solches alles mit einer der massen natürlichen Art und unvergleichlichen Facilité (249), dass gar kein Zwang dabey vonnöthen ist. Ja die Artigkeit und Adresse dieses Thons ist nicht besser zu beschreiben, als in Vergleichung mit einem hübschen Menschen, dem alles, was er thut, es sey so gering es immer wolle, perfect gut anstehet, und der, wie die Franzosen reden, bonne grace (250) hat.

F-Dur Gefälligkeit und Ruhe
scheinet eine gelinde und gelassene, wiewol dabey tiefe und schwere, mit etwas Verzweiflung vergesellschaffte, tödliche Hertzens-Angst vorzustellen, und ist über die massen beweglich. Er drücket eine schwarze, hülflose Melancholie schön aus, und will dem Zuhörer bisweilen ein Grauen oder einen Schauder verursachen. f-moll tiefe Schwermuth, Leichenklage, Jammergeächz, und grabverlangende Sehnsucht
ob er gleich zu einer grossen Betrübniss leitet, ist dieselbe doch mehr languissant und verliebt als lethal; es hat sonst dieser Tohn etwas abandonirtes, singulieres und misanthropisches an sich. fis-moll Ein finsterer Ton: er zerrt an der Leidenschaft, wie der bissige Hund am Gewande. Groll und Missvergnügen ist seine Sprache. Es scheint ihm ordentlich in seiner Lage nicht wohl zu seyn: daher schmachtet er immer nach der Ruhe von A dur, oder nach der triumphirenden Seligkeit von D dur hin
hat viel insinuantes und redendes in sich; er brillirt dabey auch nicht wenig, und ist so wol zu serieusen als munteren Dingen gar geschickt. G-Dur Alles Ländliche, Idyllen- und Eklogenmässige, jede ruhige und befriedigte Leidenschaft, jeder zärtliche Dank für aufrichtige Freundschaft und treue Liebe; - mit einem Worte, jede sanfte und ruhige Bewegung des Herzens lässt sich trefflich in diesem Tone ausdrücken. Schade! dass er wegen seiner anscheinenden Leichtigkeit, heut zu Tage sehr vernachlässiget wird. Man bedenkt nicht, dass es im eigentlichen Verstande keinen schweren und leichten Ton gibt: vom Tonsetzer allein hangen diese scheinbaren Schwierigkeiten und Leichtigkeiten ab
ist fast der allerschöneste Tohn, weil er nicht nur die dem vorigen anhängende ziemliche Ernsthafftigkeit mit einer munteren Lieblichkeit vermischet, sondern eine ungemeine Anmuth und Gefälligkeit mit sich führet, dadurch er so wol zu zärlichen, als erquickenden, so wol zu sehnenden als vergnügten, mit kurtzen beydes zu mässigen Klagen und temperirter Frölichkeit bewuem und überaus flexible ist. g-moll Missvergnügen, Unbehaglichkeit, Zerren an einem verunglückten Plane; missmuthiges Nagen am Gebiss; mit einem Worte, Groll und Unlust
- Ges-Dur Triumph in der Schwierigkeit, freyes Aufathmen auf überstiegenen Hügeln; Nachklang einer Seele, die stark gerungen, und endlich gesiegt hat - liegt in allen Applicatuen dieses Tons
- gis-moll Griesgram, gepresstes Herz bis zum Ersticken; Jammerklage, die im Doppelkreuz hinaufseufzt; schwerer Kampf, mit einem Wort, alles was mühsam durchringt, ist dieses Tons Farbe.
greifft sehr an, ob er gleich brillirt, und ist mehr zu klagenden und traurigen Passionen als zu divertissemens geneigt; insbesonderheit schickt er sich sehr gut zu Violin-Sachen. A-Dur Dieser Ton enthält Erklärungen unschuldiger Liebe, Zufriedenheit über seinen Zustand; Hoffnung des Wiedersehens beym Scheiden des Geliebten; jugendliche Heiterkeit, und Gottesvertrauen
Des A-moll Natur ist etwa klagend, ehrbar und gelassen, it. zum Schlaff einladens; aber gar nicht unangenehm dabey […] a-moll fromme Weiblichkeit und Weichheit des Charakters
- As-Dur der Gräberton. Tod, Grab, Verwesung, Gericht, Ewigkeit liegen in seinem Umfange
ist sehr divertissant und prächtig; behält dabey gerne etwas modestes und kan demnach zugleich vor magnific und mignon passiren (251) B-Dur heitere Liebe, gutes Gewissen, Hoffnung, Hinsehnen nach einer bessern Welt
- b-moll Ein Sonderling, meherntheils in das Gewand der Nacht gekleidet. Er ist etwas mürrisch, und nimmt höchst selten eine gefällige Miene an. Moquerien gegen Gott und die Welt; Missvergnügen mit sich und allem; Vorbereitung zum Selbstmord - hallen in diesem Tone
welches eine widerwärtige, harte, gar unangenehme, auch dabey desperate Eigenschafft an sich zu haben scheinet. H-Dur Stark gefärbt, wilde Leidenschaften ankündigend, aus den grellsten Farben zusammen gesetzt. Zorn, Wuth, Eifersucht, Raserey, Verzweiflung, und jeder Jast des Herzens liegt in seinem Gebiethe
ist bizarre, unlustig und melancholisch; deswegen er auch selten zum Vorschein kommt. h-moll Ist gleichsam der Ton der Geduld, der stillen Erwartung seines Schicksals, und der Ergebung in die göttliche Fügung. Darum ist seine Klage so sanft, ohne jemahls in beleidigendes Murren, oder Wimmern auszubrechen. Die Applicatur dieses Tones ist in allen Instrumenten ziemlich schwer; deshalb findet man auch so wenig Stücke, welche ausdrücklich in selbigen gesetzt sind

Die Unterschiede sind teils sehr gross, die Charakteristik teils gegensätzlich und spiegelt die Entwicklung einer Tonarten-Ästhetik wider. Es ist zudem augenfällig, wie sich Mattheson bemüht schweren, melancholischen Tonarten die Möglichkeit einer fröhliche Darstellung zuzusprechen, was stellenweise wie Angst vor zu ernstem Charakter klingt. Schubart hingegen liebt das Schwere, Dunkle, Melancholische. Lediglich bei D-Dur finden beide Musiker zu ähnlicher Ansicht, wobei auch hier Mattheson Wege nennt, den Charakter zu mindern. Bei Mattheson ist jede ihm bekannte Tonart demach für fast alles zu gebrauchen.

Natürlich hängt dies auch mit den im 18. Jahrhundert dahergehenden Veränderungen im Temperatursystem der Stimmungen zusammen, welches mehr und mehr nach der sogenannten gleichschwebenden Temperatur (Valotti) greift. Demnach kennt Mattheson die praktisch Anwendung weit weniger Tonarten, als Schubart. Interessant ist auch, dass Mattheson die Moll-Tonart der jeweiligen Dur-Tonart anpasst, also nach C-Dur c-moll nennt, während Schubart bereits die parallele Moll-Tonarten der jeweiligen Dur-Tonart zuordnet (C-Dur, a-moll). Somit schliesst sich bei Schubart nach e-moll der Zirkel, da man „von diesem Tone mit unaussprechlicher Anmuth wieder in den Grundton C dur zurück[tritt]."

Ende der Exkursion.

Es wäre zu weitläufig hier Carl Philipp Emanuel Bachs Gesamtwerk zu untersuchen, aber gerade die Streichersinfonien zeigen, wo sich Bach zu Hause fühlte. (Erinnert sei auch an die weiter oben beschriebene Formsuche in den Sinfonien, an die Geschlossenheit durch die Abhängigkeit der Sätze voneinander.) Hier setzt er endgültig das um, was er von einem guten Interpreten erwartete:

„Indem ein Musikus nicht anders rühren kan, er sey dann selbst gerühret; so muss er nothwendig sich selbst in alle Affeckten setzen können, welche er bey seinen Zhörern erregen will; er giebt ihnen seine Empfindungen zu verstehen und bewegt sich solchergestalt am besten zur Mit=Empfindung. Bey matten und taurigen Stellen wir er matt und traurig. Man sieht und hört es ihm an. Dieses geschieht ebenfals bey heftigen, lustigen, und andern Arten von Gedancken, wo er sich alsdenn in diese Affeckten setzet. Kaum, dass er einen stillt, so erregt er einen andern, folglich wechselt er beständig mit Leidenschaften ab. Diese Schuldigkeit beobachtet er überhaupt bey Stücken, welche ausdrückend gesetzt sind, sie mögen von ihm selbst oder von jemanden anders herrühren; im letztern Fall muss er dieselbe Leidenschaften bey sich empfinden, welche der Urheber des fremden Stücks bey dessen Verfertigung hatte." (252)

Abwechslung war also gefragt, Bach selbst hat sich ja in seiner Autobiographie als jemanden bezeichnet, der „niemahls die allzugrosse Einförmigkeit in der Komposition und im Geschmack geliebt habe" (253) Als sein Ziel beschreibt er „auf dem Clavier, ohngeacht des Mangels an Aushaltung [er kritisiert damit die Kürze des verklingenden Tones],so viel möglich sangbar zu spielen und dafür zu setzen. Es ist die Sache nicht so gar leicht, wenn man das Ohr nicht zu leer lassen, und die edle Einfalt des Gesanges durch zu vieles Geräusch nicht verderben will." (254) Das leere Ohr scheint für Bach ein Schrecken gewesen zu sein, denn dieselbe Metapher findet sich in einem Brief Matthias Claudius´ an Gerstenberg vom Juni 1768, in welchem er diesem seinen Besuch bei Bach in Hamburg und ein damit verbundenes Gespräch beschreibt. Auf Bachs Frage, wie es in Kopenhagen mit der Musik stünde, antwortet Claudius, dass dort Bachs jüngerer Bruder Johann Christian und Johann Schobert beliebt seien. Er, Carl Philipp, „gefallen nicht sonderlich. - +: Darin muss ich mich finden. Schobert ist hier auch bekannt, er ist ein Mann der Kopfs hat, aber hinter seiner und meines Bruders itziger Komposition ist nichts. - - : Sie fällt gleichwohl ins Ohr. - +: Sie fällt hinein und füllt es aus, lässt aber das Herz leer, das ist mein Urteil von der neuen Musik, die auch in Italien [… ] Mode ist, sodass man gar kein Adagio, lauter räuspernde Allegro, allenfalls ein Andantino zu hören kriegt." (255)

Zurück zum Text  239. Johann Philipp Kirnberger: Die Kunst des reinen Satzes in der Musik, II. Teil, Berlin/Königsberg 1776(-1779), Faksimile Hildesheim 1968, S. 103

Zurück zum Text  240. hierbei handelt es sich um feierliche Musiken, die bei Wiedervereinigungen, Friedensschlüssen usw. verwendet wurden

Zurück zum Text  241. zärtlichen

Zurück zum Text  242. vorherrschen

Zurück zum Text  243. Bewegung, Tempo

Zurück zum Text  244. spleen, zu deutsch Milz, entsprechend der Humoraltheorie Verstopfung der Pfortader, auch als Verhärtung der Gegend unterhalb der Rippen, der Hypochodern (daher Hypochonder!)

Zurück zum Text  245. betrachtenden

Zurück zum Text  246. verständlicherweise

Zurück zum Text  247. Gemütsbewegungen

Zurück zum Text  248. auszudrücken

Zurück zum Text  249. Leichtigkeit

Zurück zum Text  250. gutes Aussehen im Sinne von guter „Grazie"

Zurück zum Text  251. in Dur und Moll Verwendung finden.

Zurück zum Text  252. Bach: Klaverschule I, S. 122

Zurück zum Text  253. Bach: Autobiographie in Burney

Zurück zum Text  254. ibid

Zurück zum Text  255. zitiert nach Matthias Claudius: Die Erde ist doch schön, Witten 1958, S. 21f

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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