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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


12 Nordismo - oder: Das vergeudete Erbe

Reflexion XIV.

Empfindsamkeit in der Musik war keine leichte Sache. Sie war für das Herz geschrieben, konnte nur bei Teilnahme des Rezipienten funktionieren. Das waren keine „Bratensymphonien" (274) (heute würde man Kaufhaus-Musik sagen), die andere Geschehnisse begleiten konnte, man musste sich von dem Komponisten und Interpreten gefangennehmen lassen. Ein gewisser Aspekt der Hypnose spielt da schon mit. Burney muss sich´s ziemlich schwer beim Anhören der Bachschen Fantasierkunst getan haben, wie er in schöngewählten Worten ausdrückt, da ihm „seine vorigen Sachen, die für eine andere Sphäre, wenigstens für ein andres Jahrhundert gemacht zu seyn scheinen, in welchem man vielleicht dasjenige für leicht und natürlich hält, wovon man itzt sagt, es sey schwer und weithergesucht." (275) Dies ist zugleich eines der frühesten Dokumente, dass man Musik derer Unbequemheit wegen schnell als Frühgeburt abstempelt und mit der blödsinnigen Floskel vom „seiner Zeit voraus sein" kategorisiert. Zuvor hatte Burney schon zugeben müssen, „dass der Stil dieses Komponisten so sehr von den übrigen abweicht, das man sich notwendig erst ein wenig daran gewöhnen muss, eh´ man ihn recht empfinden kann." (276) Es ist ja eine Eigenart der Menschen, all das, was kein Verständnis hervorruft, als verfrüht zu bezeichnen, was als Gegenreaktion vielen Künstlern, auch modernen, das Argument in die Hand legt, falsch verstanden werden zu dürfen. Jedoch Empfindsamkeit war in der Musik kein Streben nach Modernität um ihrer selbst Willen! Es war der Mut all das in Musik auszudrücken, was nach deren eigenen Gesetzen möglich und erlaubt, aber bislang nicht verwendet worden war.

Zurück zum Text  274. so nennt Georg Philipp Telemann in seiner in Johann Matthesons Grundlage einer musicalischen Ehrenpforte, Hamburg 1740 die Tafel-Musiken, die er in seiner Jugend schrieb.

Zurück zum Text  275. Burney, Neuausgabe S. 457

Zurück zum Text  276. ibid, S. 456

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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