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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


12.6.1 Mozarts Änderungen

Die so oft vertretene Ansicht, Mozart hätte vor dem Niederschreiben eines Werke jenes komplett im Kopf gehabt und ohne weitere Änderungen niedergeschrieben, wurde schon oftmals Lügen gestraft. Nicht anders verhält es sich mit der Zauberflöte. Neben einigen kleineren Instrumentationsänderungen finden sich im Autograph jedoch zwei grundlegende Eingriffe: Taminos Eingangsarie war ursprünglich mit Trompeten- und Paukenbegleitung instrumentiert. Mozart strich diese Begleitung wieder durch, selbst in den ersten Partiturdrucken finden sich überhaupt keine Trompeten/Pauken in der Introduction. Offenbar dachte Mozart aber daran, mit dem Eintritt der drei Damen diese durch Trompeten und Pauken als wahre Helden zu zeichnen. Warum aber strich Mozart diese ursprüngliche Instrumentierung durch? Um es vorweg zu nehmen: meine Antwort kann nur in Überlegungen bestehen, denn keine konkreten Hinweise sind überliefert. Vielleicht verfolgte Mozart damit die Absicht, Tamino dem Publikum als heldenhaften Tenor vorzustellen, dann aber erschien es Mozart unlogisch, dass der Held aus Angst vor einer Schlange in Ohnmacht fällt. Schubart nennt die Trompete ein Ąganz und gar kriegerisches Instrument [...] Der Charakter der Trompete ist, wie jedermann weiss, wegen ihren schmetternden herzerschütternden Tons, ganz heroisch; schlachteinladend und aufjauchzend." (332) Vielleicht hatte er dies als unpassend gefunden, vor allem wenn Tamino in der nächsten Bildnis-Arie so empfindsame Töne anschlägt?

Zu einer weiteren Streichung wissen wir mehr: Am Ende des Terzettes der Drei Damen in der Einleitung hatte Mozart eine sehr schwere Kadenz geschrieben, diese jedoch vor der Premiere ausgestrichen. (333) Der Überlieferung nach war in den Proben diese Kadenz so peinlich ausgefallen, dass sie Mozart, um unfreiwilligen Lachern vorzubeugen, kurz vor der Premiere sicherheitshalber strich. Vielleicht besteht sogar ein Zusammenhang zwischen den beiden Streichungen, dass nämlich die Damen ihrer Heldenhaftigkeit und Unbesiegbarkeit gerade durch diese schwere Kadenz Ausdruck verleihen sollten, deren unmögliche Realisierung zur Streichung führte und somit das Gleichgewicht zwischen Tamino und den Drei Damen gestört war, welches durch die Streichung der Trompeten/Pauken in Taminos Auftritt wiederhergestellt wurde.

In Taminos Arie ist in Mozarts Autograph zudem nicht von einer Schlange aber "dem grimmigen Löwen" die Rede. Später hat Mozart diesen Textteil in "der listigen Schlange" geändert. Ob es auf eine Änderung des Librettos, auf die Assoziation des lateinischen Pendants Leo mit dem Herrscher Leopold II. oder auf die nicht gewollte Verbindung zu Sarastros Löwen zurückzuführen ist, muss leider offen bleiben.

Zurück zum Text  332. Schubart, S. 309

Zurück zum Text  333. Teile der Kadenz sind im Autograph erkennbar.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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