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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


12.6.2 Melodramatische Züge

Mozarts Zauberflöte ist ein Singspiel und für mich unzufriedenstellend ist in heutigen Darstellungen der Wechsel von Text und Musik, ohne eine Verbindung zwischen beiden sehen zu können. Beispiele wie Zaide (K 344) beweisen, dass sich Mozart, durch die Arbeit Jií Bendas inspiriert, sehr mit dem Melodrama auseinandergesetzt hat. Heutige Sichtweisen der Zauberflöte machen einen Wechsel von Musik und Dialogtexten deutlich. Das Studiums des Autographes hat mich aber überraschend eines Besseren belehrt, denn beispielsweise im Duett Nr.7 findet sich nach den ersten Orchesternoten eine Generalpause, nach der die Arie ihren eigentlichen Anfang nimmt.

Diese Pause wird heute durch einen nicht originalen Bläserakkord ausgefüllt. Es ist aber augenscheinlich, dass in diese Pause die der Arie vorhergehende Textpartie des Papageno „Wenn er ´s nur bald schickte!" gehört, worauf eben Pamina mit „Bei Männern, welche Liebe fühlen" (I/7) antwortet.

Vor Taminos Bildnis-Arie (I/3) findet sich der Hinweis: „Tamino ist gleich nach dem Empfange des Bildes aufmerksam geworden; seine Liebe nimmt zu, ob er gleich für alle diese [vorhergegangenen] Reden taub schien". Auch hier finden sich zu Beginn der Arie kleine Suspiren, wie man solche die Musik atmen lassende Pausen nannte. Zuvor verabschieden sich zwei der drei Damen Papageno spottend: „Adieu, Monsieur Papageno!"/"Fein nicht zu hastig getrunken!" Auch diese kurzen Floskeln finden in den Suspiren Platz und verbinden wiederum Dialog mit Arie. Dadurch wird auch optisch klar, dass Tamino „für alle diese Reden taub scheint", denn knapp vor dem Abschiednehmen der Damen hat er ja erst das Bildnis der Königstochter erhalten. Man mag dagegen einwenden, dies mache Taminos empfindsame Arie schwächer, aber gerade das ist ja ein weiteres Merkmal der Zauberflöte, was wohl am kontrastreichsten während Paminas empfindsamer Arie „Ach ich fühl´s, es ist verschwunden." (II/17) und dem dieser vorangehendenmMonolog (oder um genauer zu sein, Dialog ohne Antwort, da weder Tamino noch Ppageno reden dürfen) klar wird, während dem Papageno „einen Brocken in dem Munde hat" und sich ungestört von Paminas Trauerarie an Essen und Wein ergötzt. All dies hat mich schliesslich veranlasst, an mehreren Stellen stets den gesprochenen Text mit der auf ihn folgenden Musik zu verbinden. Somit glaube ich aus Mozarts Zauberflöte eine Singspiel im eigentlich Sinne des Wortes zu machen, indem sich eben Singen und Spielen nicht begegnen, aber wie in dem Wort selbst, eng verknüpft ergänzen. Vor dem ersten Auftritt der Königin der Nacht (I/4) findet sich im Libretto der Hinweis „Sogleich wird eine heftiger, erschütternder Accord mit Music gehört", welcher in heutigen Aufführungen weggelassen wird, wobei gerade diese Stelle die Komentierung Geschehenes oder Geschehen-Werdendes in eindrucksvollerweise demonstriert.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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