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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


12.6.5 Der Mohr

Sarastros Dienende sind ausnahmslos Sklaven, welche auch eigene, in heutigen Inszenierungen meist gestrichene, Textszenen haben. Selbst auf dem die Uraufführung ankündigenden Plakat waren die Rollen dreier Sklaven aufgeführt, die der drei Knaben jedoch nicht!! Die Verwendung von Schwarzen sollte sicherlich nicht nur helfen, die Märchenhaftigkeit der Oper zu unterstreichen. Denn schliesslich gab es im Wien jener Zeit Farbige, deren gesellschaftliche Stellung wenig durch die Aufklärung gebessert worden war. Auch Sarastro begegnet Monostatos mit Willkür, indem er ihm für das Wiedereinfangen der entflohenen Pamina dankt:

"Monostatos: Du kennst mich! Meine Wachsamkeit ...

Sarastro: Verdient, dass man ihr Lorbeer streut! He, gebt dem Ehrenmann sogleich...

Monostatos: Schon Deine Gnade macht mich reich!

Sarastro: nur sieben und siebzig Sohlenstreich!

Monostatos: Ach Herr, den Lohn verhofft" ich nicht!

Sarastro: Nicht Dank, es ist ja meine Pflicht!"

Zur Zeit seiner Arbeit an der Zauberflöte begegnete Mozart bei seinen Logenbesuchen regelmässig einem Schwarzen, welcher es in Wien zu grossem Ansehen brachte. Angelo Soliman, eigentliche Mmadi Make, vermutlich um 1726 in Pangusitlong geboren, kam auf abenteuerlichem Wege nach Messina in das Haus einer Marquise, die ihn wohl bildete und schliesslich dem österreichischen General Johann Georg Christian Fürst Lobkowitz schenkte. Fast 20 Jahre blieb Soliman in dessen Diensten, und wurde nach dessen Tod 1753 an Joseph Wenzel Fürst Liechtenstein vererbt (!), welchem er als Kammerdiener und später als Haushofmeister diente. Darüberhinaus schmückte sich sein Herr, da öfter mit diplomatischen Schritten beauftragt, auf seinen zahllosen Reisen mit seinem "fürstlichen Mohr", welcher ihn auch nach Frankfurt am Main begleitete, wo Liechtenstein die Wahl Joseph des Zweiten zum Römischen Kaiser betrieb. In Frankfurt vom Fürsten Liechtenstein zum Pharaospiel verleitet, gewann Soliman 20 000 Gulden, was ihm nach seiner Rückkehr nach Wien dazu verhalf, eine eigene Existenz aufzubauen. Obgleich katholisch getauft, musste die Mischehe mit Anna von Christiani, durch den Kardinalerzbischof von Wien im Stephansdom geschlossen, geheimgehalten werden. Wie Monostatos war auch ihm offiziell kein weisses Mädchen vergönnt, was er, wie empfindsam, dem Mond in der Arie "Lieber guter Mond, vergebe, eine Weisse nahm mich ein. Weiss ist schön, ich muss sie küssen ..." (II/13) anklagt. Hier stellt sich zudem die Frage, ob hinter dem in der Empfindsamkeit so beliebten Bild des Mondes nicht gar die Königin der Nacht zu sehen ist, die ja als Figur keine literarische Entsprechung kennt. Jedoch in der 1820 in Leipzig als „ein Gespräch" veröffentlichten Erzählung Der Frühlingstag, dessen zentrales musikalisches Thema Mozarts Opern sind, schreibt Friedrich Rochlitz von einem Gegenstück der Königin der Nacht, der Königin des Tags:

„Doch genug, und nur schon allzuviel, für heute! unterbrach sich der alte Mann und stand auf. Die Luft wird kühl; die Sonne ist im Untergehen. - Ei, mein Gott: wie schön ist sie, die Königin des Tags, eben im Scheiden! Sieh hin, sieh hin! wie gross und hehr blickt ihr Antlitz über den fernen, schwarzgrünen Eichenwald herüber, indess ihr Gewand, weit und reich und zauberisch gefärbt, sich über den ganzen Abendhimmel verbreitet!"

Da fühlt man sich schon sehr an die Zauberflöte erinnert!

Kein Geringerer als Joseph II, welcher Soliman sehr schätzte, verriet versehentlich bei einer Gesellschaft dessen Ehegeheimnis, worauf Fürst Liechtenstein Soliman entliess und auch enterbte. Auch Monostatos war der Willkür seines Herrschers unterlegen. Nach Liechtensteins Tod bot ihm sein Neffe Franz Joseph Wiedergutmachung an und beauftragte ihn mit der Erziehung seines Sohnes Alois Joseph. Fürst Liechtenstein, Begründer der heutigen Vaduzer Linie, bot ihm ein Jahresgehalt, welches nach Solimans Tod seiner Frau als Pension ausgezahlt werden sollte. Somit kehrte Soliman in den Liechtensteinischen Palast zurück. Man weiss von Soliman, dass er deutsch, italienisch und französisch sprach, sich aber auch des Tschechischen, Englischen und Lateinischen bediente. 1783 trat er in die Loge "Zur wahren Eintracht" ein und betrat, wie aus dem erhaltenen Protokollbuch hervorgeht, mehrfach zusammen mit Mozart den Logentempel. Wie auch in der Zauberflöte Monostatos trotz seiner angesehenen Stellung der Willkür des weissen Sarastro ausgesetzt ist, scheint es Soliman trotz seiner Wertschätzung bei zahllosen Zeitgenossen nicht allgemein einfach gehabt zu haben, ja es stellt sich sogar die Frage, ob er über seine Intellektualtät und Stellung hinaus, bei vielen seiner Mitmenschen überhaupt als Mensch galt. Lassen wir zu seinem Schicksal nach seinem Tode 1796, als die Zauberflöte zu den meistgespielten Singspielen gehörte, die Quellen sprechen: "Über Wunsch des Kaisers Franz II. [Kaiser Joseph II. starb 1790, sein Nachfolger Leopold II. 1792] wurde er [Soliman] trotz lebhaften, durch ein energisches Schreiben des Erzbischofs von Wien unterstützten Protestes der Familie, der man die Leiche abgelistet hatte, von dem Bildhauer Franz Thaler abgehäutet, ausgestopft und den kaiserlichen Sammlungen als Repräsentant des Menschengeschlechtes einverleibt, wo er in Gesellschaft eines Wasserschweines und mehrerer Sumpfvögel der frivolen Neugierde eines schaulustigen Publikums preisgegeben wurde. Bei der Beschiessung Wiens im Jahre 1848 ging diese schändliche Erinnerung an dynastischen Ungeschmack in Flammen auf." (335)

Leseprobe

Matthias Claudius

Der Schwarze in der Zuckerplantage

Weit von meinem Vaterlande

Muss ich hier verschmachten und vergehn,

Ohne Trost, in Müh´ und Schande;

Ohhh die weissen Männer!! klug und schön!

Und ich hab´ den Männern ohn´ Erbarmen

Nichts getan.

Du im Himmel! hilf mir armen

Schwarzen Mann!

veröffentlicht am 31. August 1773 im Wandsbecker Boten

Zurück zum Text  335. zitiert nach Eugen Lennhoff und Oskar Posner: Internationales Freimaurer-Lexikon, Wien 1980, Sp. 1476

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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