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Dr. Andreas Hoffmann: "freye Ausbrüche der musikalischen Dichterwut" Empfindsamkeit in der Musik


12.7 Joseph Haydn

„Hayden hat noch nicht viel für die Bühne geschrieben. Er könnt´ es, wenn er wollte." (340) Mit diesen Worten zollt Joseph Martin Kraus in seiner Schrift Etwas von und über die Musik fürs Jahr 1777 grössere Hochachtung, als man auf den ersten Blick denken sollte. Vergessen wir nicht, dass er in jenem Werk an keinem der deutschen Opernkomponisten auch nur ein gutes Haar lässt. Ob dieser Satz Haydn motiviert hat? Wir wissen es nicht. Jedoch hat sich Haydn als einer der wenigen süddeutschen Komponisten intensiv mit den Ideen der Empfindsamkeit auseinandergesetzt.

Ich denke da nicht nur an den Variationszyklus in f-moll für Klavier (Hob. XVII/6, 1793), an die d-moll Sinfonie Lamentatione (Hob.I/26, vor 1770), an seine 126 Baryton-Trios (Hob. XI), an Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze (Hob. XX/1A, 1776), mit denen er die von Graun eingeschlagenen Pfade der Teildarstellung des Leidens geht - es wäre Aufgabe einer eigenen Studie, Nordismo in Haydns Musik zu untersuchen. Auch die Themenwahl, etwa der drei 1761 entstandenen Tageszeiten-Sinfonien Le matin, Le midi, Le soir (Hob.I/6-8) - man denke an die Rolle des Lichtes - ist empfindsam.

„Eine schöne Gegend unterm Sonnenhimmel ist am feurigen Mittage ganz anders als am Abend, und am Abend wieder anders, als am Morgen - wenn auch gleich am Morgen, Mittag und Abend immer die nämliche Gruppe ebenderselben Gegenstände da ist. Am Morgen wird uns gemeiniglich wohl ums Herz, und unsre Seele ergiesst sich in Freude. Am Mittage steht die Sonne in ihrere Pracht und Macht, und die Gegend liegt mit hohem Licht bekleidet. Wir fühlen das, und bewundern es; aber mit Ermüdung. Am Abend senkt sich unsre Seele gern in stille, sanfte Betrübnis, sieht mit Wehmut das Scheiden der Sonne, und wandelt durch die grünen Schatten [!], wie beklommen hin." (341)

Haydn hat sich früh mit C.Ph.E. Bachs Stil auseinandergesetzt, wie Georg August Griesinger in seinen Biographischen Notizen (Leipzig 1810) (342) vom November 1749 berichtet:

„Um diese Zeit fielen Haydn die sechs ersten Sonaten von Emanuel Bach in die Hände; „da kam ich nicht mehr von meinem Klavier hinweg, bis sie durchgespielt waren, und wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleissig studirt habe; Emanuel Bach liess mir auch selbst einmal ein Kompliment darüber machen." (343) und Albert Christoph Dies berichtet in seinen Bibliographischen Nachrichten von Joseph Haydn (Wien 1810, S. 37): „Haydn wagte, in einen Buchladen einzutreten, und ein gutes theoretisches Lehrbuch zu fordern. Der Buchhändler nannte Carl Phil. Emanuel Bach´s Schriften, als die neuesten, und besten. Haydn wollte sehen, sich überzeugen; fing an zu lesen, begriff, fand, was er suchte, bezahlte das Buch, und trug es ganz zufrieden fort." Dies zeigt im Weiteren, wie wichtig für Haydn Bachs Anleitung war.

Ich kann mir lebhaft vorstellen, welch neuer, stürmisch-nördlicher Wind Bach in Haydns Segel trug, die nur an friedlich, südliche Zephiren gewöhnt waren. Im Wiener Umfeld musste Haydn damit auf wenig Verständnis gestossen sein. In Haydns Werk jedoch finden sich häufig Züge der empfindsamen Art. Die Achtung vor Bach beruhte auf Gegenseitigkeit: auch Bach kannte und schätzte Haydns Werke.

Auch Haydns Zeitgenossen nannten ihn mit Bach in einem Atemzug: "Nur Bach und Hayden bedürfen alles zu allem um ihre originelle Laune darzustellen" schreibt Reichardt 1782 (344)

Zurück zum Text  340. Kraus, S.92

Zurück zum Text  341. Carl Theodor Beck: Ernst, zitiert nach Sauder III, S. 107

Zurück zum Text  342. Faksimile: Leipzig 1979

Zurück zum Text  343. ibid, S. 13

Zurück zum Text  344. Reichardt, Kunstmagazin I, S. 25

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 27. September 2004
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