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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2 Literatur

2.1 Entwicklung und Bedeutung der kommerziellen Garnelenaquakultur in Thailand

Die kommerzielle Garnelenaquakultur hat ihren Ursprung in Südostasien. 1934 gelang es Dr. Fujinaga in Japan erstmals, in künstlich angelegten Teichen gehaltene trächtige Weibchen von P. japonicus zum Ablaichen zu bringen und einige Jahre später Garnelenlarven bis zur Marktreife aufzuziehen (130). 1959 wurde in Japan die erste Brüterei eingerichtet und eine Pilotfarm gegründet (21). Mitte der 70er und 80er Jahre begannen dann weitere Brütereien in verschiedenen asiatischen Ländern damit, große Mengen junger Garnelen an Farmer zu liefern. Seitdem entwickelt sich die kommerzielle Garnelenaquakultur weltweit explosionsartig (11, 105, 247, 225).

Von 1981 bis 1986 belegte Indien, von 1987 bis 1992 China den ersten Platz unter den Garnelenerzeugern für den Weltmarkt. Inzwischen hat sich Thailand zum größten Produzenten entwickelt und lag 1995 mit einer Jahresproduktion von rund 220.000 t Lebendgewicht (LG) vor Ecuador (rund 100.000 t LG) weit an der Spitze. Garnelen gehören heute zu den wichtigsten Exportartikeln Thailands. Die dominierende Spezies, die in Thailand gezüchtet wird, ist P. monodon (105, 146, 147, 247, 251, 277, 306).

2.2 Kommerzielle (intensive) Garnelenaquakultur unter tierhygienischen Gesichtspunkten

Der starke Anstieg der thailändischen Garnelenproduktion ist nicht nur auf eine Ausweitung der Produktionsflächen, sondern in erster Linie auf eine Steigerung der Hektarerträge aufgrund der Entwicklung intensiver Produktionssysteme zurückzuführen (87, 118, 145, 251, 277, 306).

Moderne, intensive Produktionssysteme sind durch einen hohen Tierbesatz gekennzeichnet. Wurden in traditionellen, extensiven Systemen höchstens drei Garnelen/m2 gehalten, so sind es heute zehn Garnelen/m2 oder mehr (11, 147, 169, 247, 250). Diese Entwicklung ist unter tierhygienischen Gesichtspunkten sehr problematisch, da eine hohe Besatzdichte einen wesentlichen Streßfaktor für Garnelen darstellt. Die Folge ist eine Schwächung ihrer Infektionsabwehr, so daß Krankheiten leicht entstehen und sich rasch aus-

breiten können, insbesondere wenn weitere Streßfaktoren hinzukommen. Das belegen umfangreiche Feldforschungen im südasiatischen Raum (4, 47, 60, 99, 141, 145, 146, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 222, 224, 225, 247, 250).

Neben einer hohen Tierdichte beeinflussen zusätzlich folgende abiotische (unbelebte) und biotische (belebte) Umweltfaktoren die Gesundheit der Garnelen (11, 60, 99, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 206, 222, 224, 225, 247).

Handling (219)

  • Verpackung
  • Transport
  • Bestockung der Teiche
  • Gesundheitskontrolle u.v.m.

Fütterung

  • Ration (Qualität, Zusammensetzung; 1, 50, 74, 109, 152, 162, 164, 177, 259, 260, 261)
  • Futterstruktur
  • Fütterungsregime (Tagesration, Fütterungshäufigkeit; 189)

Wasserparameter (40, 66, 303)

  • Temperatur (58, 107, 117, 148, 212, 313, 314)
  • Salinität (54, 58, 98, 212, 314)
  • pH, Kohlendioxid, Alkalinität, Wasserhärte
  • gelöster Sauerstoff (39, 48, 58, 295)
  • Ammoniak, Nitrit, Nitrat (51, 52, 53, 55, 56, 57, 58, 59, 170, 196)
  • Schwefelwasserstoff
  • Phosphate
  • Turbidität (Schwebstoffe, Phyto- und Zooplankton), Farbe (111, 289)

Chemikalien (66, 250)

  • Rückstände aus der Garnelenproduktion (vor allem Desinfektionsmittel, Medikamente)
  • Rückstände aus der Landwirtschaft (vor allem Düngemittel, Pestizide; 143, 234, 235, 236, 237, 284, 285)
  • Rückstände aus Industrie, Haushalt und Verkehr (vor allem Rohöl, Schwermetalle wie Quecksilber und Kadmium, aber auch Zink und Kupfer; 19, 300)

Schädlinge und Krankheitserreger (47, 141, 147, 169, 177, 305)

  • Virusarten (3, 10, 34, 35, 36, 46, 61, 62, 63, 64, 82, 104, 114, 166, 168, 174, 175, 180, 181, 204, 205, 216, 283, 286, 312)
  • Bakterien, Rickettsien (10, 101, 102)
  • Pilze (9, 26, 69, 92, 126, 271)
  • v
  • Parasiten, Protozoen, toxische Algen und andere (217, 223, 289)

2.3 Vibriose

Die größten wirtschaftlichen Verluste in der intensiven Garnelenaquakultur werden gegenwärtig durch bakterielle Erkrankungen verursacht, von denen die Vibriose am bedeutendsten ist (16, 47, 60, 99, 121, 160, 218, 305). Einer im Süden Thailands durchgeführten Umfrage zufolge beträgt der Anteil der Vibriose an allen bakteriellen Erkrankungen der Garnelen zwischen 85 und 100 % (121). Die Vibriose tritt bereits während den frühen Larven- und PL-Stadien in den Brütereien und bis zu einem Alter von drei Monaten der Garnelen in den Ausmastteichen auf. Sie kann zu gravierenden Verlusten bis zum Totalausfall der Ernte führen (28, 47, 77, 99, 141, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 218, 222, 249).

2.3.1 Erreger

Der Begriff „Vibriose" ist eine Sammelbezeichnung für alle bakteriellen Infektionen, die durch Erreger der Gattung Vibrio hervorgerufen werden (17, 47, 77, 99, 156, 159, 169). An der Vibriose erkranken neben den Garnelen über 40 weitere Wassertierarten (darunter Delphin, Seeskorpion, Rotauge, Seezunge, Aal, Steinbutt, Lachs, Forelle, Karpfen, Frösche, Krebse, Langusten und Austern), das Geflügel und der Mensch (25, 38, 60, 119, 156, 159, 183, 187, 210, 316).

2.3.1.1 Habitat

Vibrio spp. sind weltweit in den Gewässern der tropischen, subtropischen und gemäßigten Klimazonen verbreitet. Sie kommen normalerweise im Salz- oder Brackwasser, mitunter

aber auch im Süßwasser vor. Vibrionen existieren solitär oder lagern sich an Plankton und Schwebstoffe an. Häufig sind sie dominierender Bestandteil der natürlichen Mikroflora aquatischer Lebewesen (24, 44, 25, 32, 93, 80, 119, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 173, 187, 201, 215, 218, 245, 262, 266, 316).

2.3.1.2 Klassifizierung

Die Gattung Vibrio gehört zur Abteilung der Gracilicutes, zur Ordnung der fakultativ anaeroben Stäbchen und zur Familie der Vibrionaceae (226). Die Familie Vibrionaceae wurde 1965 von Véron eingerichtet. In der ersten Ausgabe des „Bergey"s Manual of Sys-tematic Bacteriology" werden ihr die Gattungen Vibrio, Photobacterium, Plesiomonas und Aeromonas zugeordnet (25). Heute zählt man zu dieser Familie die Gattungen Vibrio sensu stricto, Photobacterium, Listonella und Shewanella (78, 96, 97). Die Gattung Vibrio enthält gegenwärtig 39 Spezies mit sehr heterogenen Eigenschaften; einige Spezies werden zusätzlich in verschiedene Serotypen eingeteilt (131, 270, 272). Zwischen den Vertretern einer Spezies können erhebliche phänotypische Unterschiede bestehen (97). Die Klassifizierung der Familie Vibrionaceae als auch der Gattung Vibrio ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt voneinander abweichende Vorschläge zur Taxonomie (5, 18, 24, 32, 112, 215).

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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