fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.3.3 Symptomatik und Krankheitsverlauf

Man unterscheidet prinzipiell drei Formen der Vibriose bei Garnelen: die lokale äußere Infektion, auch „shell disease" genannt, die lokale innere Infektion und die systemische Septikämie. Diese Formen sind abhängig von der Art und den Eigenschaften der am Krankheitsgeschehen beteiligten Vibrio spp. und von der Eintrittspforte (47, 99, 141, 142, 156, 157, 158, 159, 160 ,161, 163, 165, 169, 172, 177, 218, 222, 316).

Zu Beginn der Erkrankung manifestieren sich alle drei Formen der Vibriose in allgemeinen klinischen Symptomen wie Apathie (vermindertes Fluchtverhalten, nachlassende Körperspannung), Verhaltensweisen, die sich aus einem Sauerstoffdefizit ergeben (erkrankte Garnelen halten sich bevorzugt in sauerstoffreichen Abschnitten auf, zum Beispiel im Umfeld der „wheel paddle aerators", den Belüftungseinrichtungen, oder an der Wasseroberfläche), sowie in unkoordiniertem und orientierungslosem Schwimmen. Außerdem äußern sie sich in Freßunlust (Wachstumsstillstand, die Abdominalmuskulatur füllt den Panzer nicht mehr vollständig aus), Störungen des Häutungsprozesses (unvollständiges oder verzögertes Häuten, moosartiger, bläulich-grüner Belag der Kutikula und der Kiemen durch Verschmutzung und Wachstum von Fäulnisbakterien, Algen oder Ektoparasiten), Verfärbungen (die Fortsätze, die Uropoden und der Panzer verfärben sich rötlich oder dunkel, die Muskulatur verfärbt sich rötlich, weißlich oder opak, die Augen schimmern im Dunkeln weißlich) und in erhöhter Mortalität (stark geschwächte und tote Garnelen werden von der Strömung durch die „wheel paddle aerators" erfaßt, in die Teichmitte, an den

Teichrand und zum Wasserauslaß getrieben, die toten Garnelen sinken auf den Teichboden ab; 47, 99, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 206, 218, 274, 316, 319).

Im fortgeschrittenen Stadium der beiden lokalen Vibrioseformen treten zu den beschriebenen unspezifischen Symptomen spezifische klinische Symptome auf. Die lokale äußere Infektion manifestiert sich in Läsionen und Erosionen der Kutikula, Muskulatur oder Kiemen, die sich infolge von Abwehrprozessen schwarz verfärben, und der Fortsätze, vor allem der Antennen, die infolgedessen häufig abbrechen. Die pathologischen Veränderungen werden unter anderem durch Enzyme (Chitinasen und Kollagenasen) der Erreger hervorgerufen. Eine Häutung führt in der Regel zur Gesundung. Typisch für die lokale innere Infektion sind verstärkte Abwehrmechanismen, die vermutlich durch ein Endotoxin (LPS) ausgelöst werden. Es bilden sich Klumpen aus Erreger- und Abwehrzellen (Kapitel 2.4.2.2, Mechanismen der aktiven Resistenz von Krustazeen), die zu Nekrosen der betroffenen Gewebe führen, insbesondere der Muskulatur, des Hepatopankreas und der lymphoiden Organe, aber auch anderer Organe wie Kiemen, Herzmuskel und Nervenzellen. Es kommt zu einer Verflüssigung der nekrotischen Zellen. Schließlich werden die Nekroseherde mit Bindegewebe umgeben und gehen in gut eingekapselte Abszesse über, die sich infolge der Abwehrprozesse schwarz verfärben. Die Lethalität hängt ab von der Virulenz des Erregers und der Befallsstärke (38, 65, 86, 107, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 210, 274).

Die systemische Septikämie ist die häufigste Vibrioseform (47). Sie tritt eigenständig oder in Folge einer lokalen äußeren Infektion auf, wenn die Keime vom Sepsisherd aus in die Hämolymphe gelangen. Seltener entsteht sie nach einer lokalen inneren Infektion, weil die Erreger bei dieser Form der Vibriose in der Regel sofort gut eingekapselt und rasch vernichtet werden. Die systemische Septikämie verläuft ohne spezifische Symptome, die Lethalität beträgt 100 % (218).

Der Krankheitsverlauf der Vibriose variiert zwischen perakut und chronisch, die Mortalität reicht von unbedeutend bis 100 % (47, 156, 157, 158, 159, 160, 163, 218). Dem Produzenten entstehen neben den Tierverlusten zusätzliche Kosten durch eine schlechtere Futterverwertung, geringere Zunahmen sowie den sinkenden Marktwert durch die verminderte Qualität der Garnelen.

In der Praxis verwendet man für die Vibriose unterschiedliche Bezeichnungen, die sich von den jeweils charakteristischen Symptomen herleiten. Bisher konnten folgende Krankheitsbilder als Vibrioseerkrankungen identifiziert werden (47, 65, 169, 206):

  • „black/brown/burn spot disease": schwarze Läsionen und Erosionen der Kutikula und der Oberfläche der darunter liegenden Muskulatur,
  • „black splinter disease": streifenförmige, schwarze Läsionen und Erosionen entlang der Bindegewebsfasern der Abdominalmuskulatur,
  • „black gill disease": schwarze Läsionen und Erosionen der Kiemen,
  • „swollen tail disease": geschwollener Hinterleib, Vorstufe der „tail rot disease",
  • „tail rot disease": Absterben des Hinterleibs,
  • „red disease": Einwanderung von roten Pigmenten in die Gewebe durch eine massive Zerstörung des Hepatopankreas,
  • „septic hepatopancreatic necrosis": der Hepatopankreas verfärbt sich gelb, schrumpft und wird schließlich schwarz (101, 102)
  • „one month mortality syndrome": massive Mortalität in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Bestockung der Teiche; bis auf abgebrochene Antennen meist keine spezifischen Symptome,
  • „luminiscent bacterial syndrome" (in den Brütereien)/"star disease" (in den Ausmastteichen): durch einen Befall mit lumeniszierenden Vibrio spp. leuchten die infizierten Garnelen im Dunkeln,
  • „bolitos syndrome": im Darm erkrankter Garnelen findet man kleine, kugelige Teilchen abgelösten Epithels,
  • „seagull syndrome": durch erkrankte Garnelen, die sich an der Wasseroberfläche der Teiche aufhalten, werden vermehrt Möwen angelockt.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de